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zuletzt aktualisiert: 10. Dezember 2012, 07:11 Uhr
Heft 7/2012: Der große Sprung

Fünf Minuten mit ... Christiane Amanpour

"Keine Aufgabe war mir zu armselig"

Christiane Amanpour hat für CNN aus dem Golfkrieg berichtet, in den USA gehört sie zu den renommiertesten Fernsehjournalistinnen. Im Interview mit Harvard Business Manager spricht sie über ihren Einstieg in den Journalismus, über den Vorteil, eine Frau zu sein und erklärt, was eine gute Führungskraft ausmacht.

HBM: Sie gehören zu den weltweit bekanntesten Journalisten. Wie haben Sie Karriere gemacht?

Amanpour: Meinen ersten Job hatte ich bei einem kleinen TV-Sender in Providence. Die waren mutig genug, mich einzustellen - ich glaube, weil sie gespürt haben, dass es mir mit dem Journalismus wirklich ernst war. Ich wusste schon von klein auf, was ich werden wollte: Auslandskorrespondentin. Das ist heutzutage keineswegs selbstverständlich. Viele Schulabgänger vertagen die Entscheidung und gehen lieber erstmal aufs College.

Am Ende hat sie wohl mein Ehrgeiz überzeugt, mein Sendungsbewusstsein und meine Bereitschaft, für mein Ziel wirklich alles zu geben - und wenn ich dafür bis ans Ende der Welt musste. Keine Aufgabe war mir zu armselig. Wenn sie mir eine Nummer zu groß zu sein schien, habe ich mich nur noch mehr angestrengt. Ich habe immer mein Bestes gegeben. Ich bin überzeugt, dass sich das langfristig auszahlt: Die Glaubwürdigkeit, die man ausstrahlt, hängt vom Grad der Erfahrung ab.

HBM: War die Tatsache, dass Sie eine Frau sind, Hindernis oder Motor für Sie?

Amanpour: Es war immer nur von Vorteil. Durch mein Frausein habe ich in manche Dinge Einblick bekommen, die Männern verwehrt geblieben wären. Trotzdem bemerke ich natürlich, dass es in der Wirtschaft viel zu wenige Frauen in Führungspositionen gibt. Ich persönlich bin mit meiner Position und Karriere sehr zufrieden, aber ich setze mich dennoch bewusst für Frauen ein, mit denen ich arbeite und dir mir folgen werden. Sie müssen genauso behandelt werden wie Männer. Und sie haben ein Recht, für den gleichen Job auch dasselbe Gehalt wie Männer zu beziehen.

HBM: Sie haben Dutzende von Führungspersönlichkeiten der Weltgeschichte interviewt. Was macht eine gute Führungskraft aus Ihrer Sicht aus?

Amanpour: Ein guter Anführer muss den Mut haben, für seine Überzeugungen einzustehen. Führen bedeutet auch, dass man nehmen und geben kann und in Verhandlungen nicht nur geht, um sein Ego zu befriedigen.

Was hat Nelson Mandela nach rund 28 Jahren Haft zu einem so großartigen Anführer gemacht? Er hielt nichts von Nullsummenspielen, und er war davon überzeugt, dass man sein Gegenüber nicht vernichten muss, wenn man gewinnen will. Um mit Frederik de Klerk, dem ehemaligen Präsidenten Südafrikas, verhandeln zu können, musste er die Denkweise der Weißen verstehen. Er musste Empathie zeigen, damit seine Verhandlungspartner ihm abnahmen, dass es ihm nicht um Vergeltung ging.

Ich habe auch in Palästina und Israel auf beiden Seiten Anführer gesprochen, die überzeugt waren, dass man, wenn man eine Sache für sich entscheiden will, die Geschichte seines Gegenübers kennen muss. Damit meinten sie nicht, dass man alles tolerieren muss, aber man sollte sich vergegenwärtigen, dass jede Partei und jeder Mensch eine eigene Sichtweise hat.

Meine Mutter ist Katholikin, mein Vater Muslim, mein Mann Jude. Ich bin sehr multikulturell aufgewachsen und habe mitunter in den gefährlichsten Landstrichen der Welt gelebt. Das Geheimnis von Beziehungen besteht darin, Extreme zu vermeiden und dafür am gemeinsamen Kern festzuhalten.

Mit Christiane Amanpour sprach Alison Beard, Redakteurin der "Harvard Business Review".