Von Holger Rust
Wir feiern sie als Heroen, Halbgötter gar, verschlingen ihre Biografien und benennen Managementmodelle nach ihnen. Ihre Produkte werden zu Statussymbolen - ja zu Betriebssystemen ganzer Lebensweisen. i-Life. Sie sind es, die unsere Gegenwart prägen, die sogar neue Kulturtechniken in die Alltagszivilisation eingebracht haben: neben rechnen, schreiben, lesen - das Schrubben auf Oberflächen von Mobile Devices. Nun schrubben alle herum, sogar im Fernsehen ist das angekommen: Bilder werden aus den Tiefen eines digitalen Archivs hervorgeholt, mit einer Handbewegung aufgeblasen oder verengt und wieder gefadet oder wie das heißt, und das sieht alles sehr modern aus, versiert und eindrucksvoll. Das Universum ist nur eine Handbewegung weit entfernt. Mitleidvoll betrachten diese Schrubber die, die noch aus der Ära der Tastaturen stammen oder gar steinzeitlich eine Wählscheibe herumwuchteten, um zu telefonieren! Die ihre Musik noch in CD-Regalen stapeln statt in der Cloud.
Nichts dagegen. Aber versetzen wir uns mal in die Lage, in der die Urahnen dieser Generation sich bewegten, und stellen die Frage für die eigene Zukunft: Was ist das nächste ganz große Ding, das die Welt aus den Angeln hebt und nichts mit dem zu tun hat, was wir in der Gegenwart kennen? Ich meine jetzt nicht, dass man demnächst vielleicht nicht mehr schrubbt, sondern nur noch guckt, und die Dinger machen, was man denkt. Nein: raus aus diesem Pfad, etwas ganz Neues, Gigantisches, Epochales, nie Dagewesenes. So wie damals.
Niemanden fällt was ein? Mir auch nicht.
Und genau das zeigt, was die Opas damals leisteten, als sie sich zunächst noch zaghaft zwischen den Orangenhainen im kalifornischen Santa Ana Valley ihre ersten Lagerhallen mieteten oder den Chevy Impala aus der elterlichen Garage schoben, um darin herumzulöten. Das Gebot gilt: Ehret die Anfänge, die Ahnen, die digitalen Greise. Ohne sie würde heute niemand schrubben.
