... Big Data?

Was sind ...:

Von Michael Leitl
Heft 7/2012

Nutzen von Big Data: Supermarktketten gleichen Wetter- mit Kassenbondaten ab und richten ihre Warenströme danach aus.
REUTERS

Nutzen von Big Data: Supermarktketten gleichen Wetter- mit Kassenbondaten ab und richten ihre Warenströme danach aus.

Die technische Entwicklung der vergangenen Jahre hat dazu geführt, dass wir in vielen Bereichen mit derart großen Datenmengen überschüttet werden, dass sie mit den etablierten Methoden und Werkzeugen nicht mehr verarbeitet werden können.

Es geht nicht mehr allein um Aufgaben wie ein paar Millionen Kundendatensätze zu verwalten, sondern um gewaltige Mengen laufend produzierter Informationen (englisch: Big Data), unter anderem von mobilen Geräten: Standortdaten der 113 Millionen Handys in Deutschland, die ständig an die Provider weitergeleitet werden; Scannerdaten im Einzelhandel; Rund-um-die-Uhr-Aufnahmen von Videokameras in Städten wie London; von Sensoren und Geräten (das sogenannte Internet der Dinge), automatisch und kontinuierlich gesendete Messdaten (etwa in der Medizin und der Umweltforschung); Transaktionsdaten der Kreditkartenunternehmen; die ständige Kommunikation via Facebook, Twitter und Co.

Dieser Quell sprudelt so reichlich, dass nach IBM-Angaben 90 Prozent der in der Welt verfügbaren Informationen in den vergangenen zwei Jahren entstanden sind; allein 2012 sollen so täglich 2,5 Trillionen Bytes produziert werden. Das entspricht der Menge von etwa 250 Millionen Spielfilmen. Statt von Mega- und Gigabyte sprechen Experten mittlerweile von Tera-, Peta- und Exabyte (eine Milliarde Gigabyte). Um diese Mengen an Daten zu verarbeiten, reichen einzelne Computer nicht mehr aus. Dafür sind Rechenzentren mit Tausenden von miteinander vernetzten Computern notwendig.

Mit geeigneten Analysemethoden lässt sich jedoch aus dem Datenwust Kapital schlagen. Supermarktketten wie Wal-Mart gleichen Wetter- und Bondaten ab und verlagern bestimmte Warenströme rechtzeitig an die Orte mit der wahrscheinlich größten Nachfrage. Durch das Analysieren einschlägiger Suchbegriffe wie Erkältung oder Grippe können Epidemien bereits während des Entstehens erkannt werden - bevor die Ärzte davon Wind bekommen.

Für Manager sind Kenntnisse über Chancen und Risiken von Big Data wichtiger, denn für die Unternehmen werden komplexe Analysen vor allem in den Bereichen Unternehmenssteuerung, Logistik, Finanzen und im Vertrieb interessant. Die Einführung steckt in vielen Unternehmen allerdings noch in den Kinderschuhen - das liegt nicht zuletzt am Mangel von Personal.

Andererseits warnen Kritiker wie die Medienprofessorin Danah Boyd vor allzu viel Euphorie. Die Aussagekraft der Daten sei nicht immer so groß, wie die Analysten hofften. In vielen Fällen werden die Daten nicht nach qualitativen, sondern nach technischen Kriterien gesammelt. Es fehlten, so Boyd, zum Beispiel Faktoren wie die repräsentative Auswahl der Datenquellen. Etwa wenn nur Meinungsäußerungen von Twitter-Nutzern verwendet werden, um daraus gesellschaftliche Trends abzuleiten.

Doch wenn die Datenquelle methodisch gut gewählt wird, kann dem Management mithilfe von Big Data bei einer Kernaufgabe geholfen werden: Entscheidungen zu treffen. Die ausgefeilte Datenanalyse bei Wal-Mart, beschrieben in Björn Blochings Buch "Data Unser", enthüllte, dass bei Hurrikan-Warnungen nicht etwa haltbare Milch oder Brotkonserven gehortet werden - sondern Strawberry Pop-Tarts.

Alle Beiträge der Reihe "Was ist ..." finden Sie hier.

Artikel
© Harvard Business Manager 7/2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH
Nach oben