Von Holger Rust
Die Zahl der Podiumsdiskussionen um den Innovationsstandort Deutschland beziehungsweise seine vorgeblichen Defizite lässt sich kaum noch abschätzen. Dafür ist allerdings die Zahl der Argumente, die ausgetauscht werden, sehr überschaubar. Und sicher ist, dass eines vorkommt: der Hinweis nämlich, dass vieles von dem, was auf den Märkten Weltgeltung hatte und hat, in Deutschland erfunden wurde, um dann aber von Japanern und Amerikanern optimistisch aufgegriffen und ertragreich produziert zu werden.
Einige Fragen wären allerdings zu stellen, die diesem Podiumsdiskussionen-Ritual einen unterhaltsameren Akzent verleihen könnten: Erstens nämlich und in der üblichen Art einer befriedigenden Retourkutsche sollte man mit nicht allzu arrogant gerunzelter Stirn die Frage stellen: Wie viele Erfindungen aus dem Ausland sind nicht dort, sondern in Deutschland zur Marktreife gebracht worden? Das wäre doch mal eine Abwechslung. Und wenn die Antwort so ausfiele, dass es nur ganz wenige sind, kann man sich schon Gedanken machen, ob denen in der Vergangenheit so wenig eingefallen ist.
Doch mag das vielleicht als Hochmut missverstanden werden, daher ist die zweite Frage wichtiger, für die ich zurzeit Beispiele sammele (und zwar ohne dass ein Ende absehbar wäre): Was ist denn eigentlich alles in Deutschland erfunden worden und wird auch hier gewinnbringend produziert? Im Maschinenbau, der Chemie, der Pharmazie, der Werkstofftechnik, auf dem Gebiet der Prozesstechnik, auf dem Agrarsektor, in der Lebensmittelindustrie, der Ökologie und tausend anderen Spezialbereichen?
Bitte mal Wikipedia zu Siegfried Marcus nachlesen: "... Hans Seper hat Ende der 1960er Jahre begonnen, das Marcusthema quellenkritisch aufzuarbeiten und damit das Scheinbild von der Erfindung des Automobils durch Siegfried Marcus zerstört. Jüngere Forschungen von Grössing, Bürbaumer, Hardenberg und anderen haben Seper bestätigt...." Und zu erwähnen ist: Hans Seper ist in Mecklenburg-Vorpommern aufgewachsen und erst im Alter von 21 Jahren nach [...] mehr...