Von Gary L. Neilson und Julie Wulf
Spitzenmanager stehen - was nur wenige von ihnen abstreiten werden - immer stärker unter Zeitdruck. Warum sollten sie sich dann noch mehr Arbeit aufbürden? Und doch hat sich der Aufgabenbereich der CEOs verdoppelt, jedenfalls gemessen an der Zahl der ihnen direkt unterstellten Manager. Berichteten Mitte der 80er Jahre rund fünf Führungskräfte direkt an den CEO, so waren es zur Mitte des vergangenen Jahrzehnts fast zehn. Das ist das Ergebnis unserer Studien in den Führungsetagen von Unternehmen während der vergangenen zwei Jahrzehnte. Da Unternehmen heutzutage weitaus komplexer, internationalisierter und viel stärker reguliert sind als in der Vergangenheit, ist es umso bemerkenswerter, dass CEOs ihren direkten Einflussbereich noch weiter ausbauen.
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Dieser Fall ist beispielhaft für zwei Trends, die wir im Laufe der vergangenen zwei Jahrzehnte in den Vorstandsetagen von Unternehmen beobachten konnten. Zum einen weiten vor allem neue CEOs ihre Verantwortungsbereiche aus, um die gesamten Abläufe innerhalb ihres Unternehmens im Blick zu haben. Neue Technologien erleichtern dies; mit ihrer Hilfe können CEOs mehr Mitarbeiter auf direktem Weg als früher erreichen. Im Laufe der Zeit bringen sie das Unternehmen dann auf den richtigen Kurs und verkleinern ihr Führungsteam wieder Schritt für Schritt, bis sich die Zahl der direkt an sie Berichtenden der alten Norm nähert. Zum anderen verzichten neue CEOs immer häufiger auf einen Stellvertreter. In allen Branchen sinkt die Zahl der Chief Operating Officers. 1986 gab es in rund 55 Prozent der 500 größten US-Unternehmen einen COO. 1999 war die Zahl auf 45 Prozent gesunken und ist im Verlauf der vergangenen zehn Jahre weiter zurückgegangen.
Die beiden Trends widersprechen sich nicht. COOs agieren traditionsgemäß als eine Art Schnittstelle - jemand, der verschiedene Unternehmensbereiche managt und die Resultate direkt an den CEO kommuniziert. Fällt der Chief Operating Officer weg, muss der CEO die entsprechenden Unternehmensbereiche selbst übernehmen. In der Folge sind fachlich spezialisierte Führungskräfte wie der Vorstand für Informationstechnik (Chief Information Officer, CIO) und der für Marketing (Chief Marketing Officer, CMO) immer häufiger dem CEO eines Unternehmens direkt unterstellt. Sie können so wichtige Kompetenzen einbringen, wenn es darum geht, Weichen zu stellen und Strategien in die Tat umzusetzen. Gleichzeitig übernehmen diese Führungskräfte immer öfter generelle Managementaufgaben. Dies deckt sich auch mit einem anderen Trend, den wir beobachten konnten: Unternehmen entwickeln die Führungsfähigkeiten ihrer Nachwuchskräfte schneller und kreativer als früher. Sie verabschieden sich von traditionellen Karrierewegen, in denen sie Manager alle drei bis fünf Jahre beförderten.
Kehren wir zurück zu Sara Mathew. Ihr Team ist nicht nur größer, als es früher der Fall war, es vereint auch unterschiedlichste Posten. Mathew hat so Einblick in Bereiche des Unternehmens, deren Führung ihre Vorgänger gern delegierten. In der Folge wachsen auch die Verantwortungsbereiche der Manager, die ihr direkt unterstellt sind - beispielhaft für einen weiteren Trend. Mehr Köpfe am Vorstandstisch vermitteln auch ein genaueres Bild des Unternehmens. Das hat zur Konsequenz, dass alle Führungsebenen über detailliertere Informationen verfügen. Die Leiter der Fachbereiche verfügen damit über größeres Detailwissen.
Unser Ziel war es, eine Frage zu beantworten, die sich CEOs und andere Führungskräfte immer wieder stellen: Wie viele Aufgaben sollen sie selbst übernehmen? Es ist nicht leicht, eine Antwort auf diese Frage zu finden, weil viel von den Umständen abhängt und davon, wie jeder CEO seine Zeit ein- und zuteilt. Trotzdem stießen wir auf Muster, aus denen sich mehrere Empfehlungen ableiten lassen.
In diesem Beitrag werfen wir einen genaueren Blick darauf, wie sich die Größe von Führungsteams sinnvoll festlegen lässt, und geben Managern Ratschläge, wie sie sich in ihrer beruflichen Laufbahn verhalten sollen. Dazu diskutieren wir fünf in diesem Zusammenhang relevante Aspekte und deren Auswirkungen. Weite Teile dieses Artikels richten sich an CEOs. Aber auch Führungskräfte, die zwei Ebenen oder mehr unter der Unternehmensspitze angesiedelt sind, können von unseren Erkenntnissen profitieren. Vor allem dann, wenn es darum geht, gut funktionierende Teams für sich und das Unternehmen zusammenzustellen.