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Heft 6/2012: Teamwork 2.0 | 09.10.2012

Leseprobe

Das Ende der Ideologien

Von Roger Martin und Alison Kemper

2. Teil: Wir müssen kreativ sein

Solow: Wir müssen kreativ sein

Anders als Malthus konzentriert sich Robert Solow, einer der einflussreichsten Erben des geistigen Vermächtnisses von Marshall, vor allem auf die sich verändernden Produktivitätsniveaus (siehe Fotostrecke: Robert Solow). Er ist überzeugt: Kapital, das sich neue Technologien zunutze macht, ist produktiver als altes Kapital; Innovation bei Technik und Prozessen sind die mächtigsten Triebkräfte der Produktivität.

Nach Solow braucht die Menschheit, um reicher zu werden, keine neuen Welten zu erobern und sich deren Ressourcen anzueignen: Wir müssen innerhalb unserer vorhandenen Möglichkeiten Neues schaffen.

Eine klassische solowsche Innovation entstand im Zweiten Weltkrieg. Als Japan Malaysia eroberte und sich die Kontrolle über die weltweit einzige Naturkautschukquelle sicherte, bestand für die Alliierten die Gefahr, ihre Kampfflugzeuge am Boden lassen zu müssen, weil es an Reifen fehlte. Dies hätte höchstwahrscheinlich bedeutet, dass sie den Krieg gegen die Achsenmächte verlieren. Die Alliierten hatten keine Wahl, sie mussten innovativ werden. Das Ergebnis: Nach kurzer Zeit lief die Massenproduktion von brauchbarem Synthetikkautschuk an.

Viele haben Solows Argumentationslinie weiterentwickelt. Der US-Wirtschaftswissenschaftler Paul Romer gilt als führender Verfechter der Neuen Wachstumstheorie. Sie geht davon aus, dass der wirtschaftlichen Expansion keine natürlichen Grenzen gesetzt sind, weil technische Innovationen unbegrenzt möglich sind. Investitionen in das Humankapital steigern nach Romers Auffassung die Rentabilität. Besonders unterstrich Romer die Bedeutung des "Spillover" - eines Effekts, bei dem neu gewonnenes Wissen in einer Branche Impulse für technische Fortschritte auf anderen Gebieten auslöst. Als die Bell Laboratories die ersten Transistoren für das Telefonsystem entwickelten, hatten die Ingenieure keine Vorstellung davon, wie sehr die Welt von den Spillover-Effekten in anderen Wirtschaftszweigen profitieren würde. Als Martin Cooper 1973 bei Motorola das Mobiltelefon erfand, ahnte niemand, wie sehr dieses Gerät das alltägliche Leben in der ganzen Welt verändern würde. In dem Jahr, in dem der Tierfotograf Dan Gibson das Parabolmikrofon entwickelte (und sich patentieren ließ), um Vogelgeräusche aufzunehmen, konnte er nicht wissen, dass es bald bei jedem Fußballspiel an der Seitenlinie stehen würde.

Technologische Innovationen und der Spillover von Wissen haben den Lebensstandard dramatisch verbessert und bislang immer wieder Wege aus dem malthusianischen Untergangsszenario gewiesen. Innovationsgläubige führen oft die Grüne Revolution an, die seit Ende der 60er Jahre die Weltagrarproduktion in so großem Umfang wachsen ließ, dass die kühnsten Erwartungen übertroffen wurden. Die Anhänger Solows behaupten, Technologie und Innovation könnten entweder das Versiegen knapper Ressourcen weiter hinausschieben - und auf diese Weise die malthusianische Mauer ad infinitum vor sich her schieben - oder uns befähigen, einfach über die Mauer zu klettern.

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