Von Robert S. Kaplan
5. Teil: Expertin: Jacquelyn S. Thomas
Eine Geschäftsbeziehung muss für alle Beteiligten vorteilhaft sein. Ein unrentabler Kunde schadet nicht nur dem Gewinn, er kann sogar eine Kettenreaktion auslösen: Andere Käufer fangen womöglich ebenfalls an, Rabatte, Sondervertriebsregelungen und Extradienstleistungen einzufordern.
Als ich zum ersten Mal einer Gruppe von Managern riet, sie sollen Kunden nicht um jeden Preis halten, regte sich sofort Widerstand: "Aber wir brauchen sie alle, ganz gleich wie rentabel, denn wir brauchen eine möglichst breite Basis, auf die wir unsere Fixkosten verteilen können." Allmählich setzt sich die Erkenntnis durch, dass man verlustbringende Kunden getrost fallen lassen kann, aber viele Unternehmen sperren sich noch dagegen.
Das Unternehmen sollte ausloten, welche Vergünstigungen für Westmid wirklich wichtig sind. Möglicherweise sind die Liefertermine absolut entscheidend, die Preisnachlässe aber nur nettes Beiwerk. In diesem Fall könnte Egan die Liefertermine weiter verbessern, und dafür die Preisnachlässe zurückschrauben. Darüber hinaus könnte Egan versuchen, Westmid von rentableren Alternativprodukten zu überzeugen.
Exklusivverträge sind eine weitere Möglichkeit, die Rentabilität zu verbessern. Westmid könnte zum Beispiel zusagen, bei einem festgelegten Prozentsatz des Neugeschäfts in einem starken Segment wie Luxusimmobilien immer Egan als Lieferant zu nutzen.
Manchmal kommt es aber tatsächlich vor, dass mit einem Kunden einfach kein Geld mehr zu verdienen ist. Besteht Westmid auf den verlustreichen Vergünstigungen, muss Tommy Bamford ein offenes Gespräch mit Steve Houghton führen. Er muss ja nicht gleich sagen: "Sie sind raus." Stattdessen könnte der Lieferant eine drastische Änderung der Bedingungen an - kündigen, zum Beispiel eine erhebliche Preiserhöhung. So etwas habe ich einmal von der anderen Seite erlebt. Als meine Landschaftsarchitekten sagten, sie könnten die Zusammenarbeit nur mit deutlich höheren Preisen fortsetzen, beendete ich die Geschäftsbeziehung. Möglich ist in so einem Fall allerdings auch, dass höhere Preise die Stimmung vergiften, die Kooperation aber weitergeht.
Nach der Trennung wird Jane Oldenburg murren, und der Umsatz wird erst einmal fallen. Auf lange Sicht wird Bamford erleichtert sein, dass Egan konsequent gehandelt hat. Die Effizienz wird steigen, und der Vertrieb wird mehr Zeit und Geld für Neukundenakquise haben.
Woran es bei diesem Unternehmen gefehlt hat ist eine Deckungsbeitrags-Rechnung pro Produkt und pro Kunde. Der Aufbau einer solchen DB-Rechnung ist sicher mit einem hohen Aufwand verbunden aber absolut notwendig. Denn am Ende des Tages existiert ein Unternehmen um Gewinn zu machen, Umsatz ist ein Mittel zum Ziel. Unverzichtlich ist aber dann auch, DBs pro Produkt und pro Kunde als Ziele zu definieren. Nicht nur für Produkt Manager, sondern auch für Key [...] mehr...
Egan & Sons hat für die Größe des Unternehmens viel zu spät ein Controlling-System (ABC) aufgebaut und somit selbst die Grundlage für diese Fehlentwicklungen gelegt. Neben Zahlen zählen aber auch belastbare Beziehungen, die im Fall von Egan & Sons mit Westmid schon seit Jahrzehnten bestehen und sicher auch schon gute und schlechte Zeiten gemeinsam erlebt haben. Nun kommen möglicherweise chinesische Lieferanten ins Spiel und eine [...] mehr...