Von Robert S. Kaplan
4. Teil: Experte: Ralf Sauter
Die Ausgangslage von Egan & Sons ist typisch für viele Unternehmen: Ein Low-Cost-Anbieter aus dem asiatischen Raum tritt in den Markt ein und erobert Anteile im unteren Marktsegment. Dadurch entsteht ein erhöhter Preis- und Margendruck im gesamten Markt. Häufig sind die Accounting- und Steuerungssysteme der Unternehmen nicht auf diese geänderten Rahmenbedingungen ausgerichtet. Tommy Bamford hat mit der Einführung der ABC-Analyse richtig darauf reagiert und zunächst Transparenz in der Ertragslage geschaffen. Aber auch Jane Oldenburg hat mit ihrem Standpunkt recht, denn nicht alle relevanten Effekte - wie etwa Kundenpotenzial, Markenwerte, Imagegewinn - sind in der ABC-Analyse berücksichtigt. Was kann nun mit dem Kunden Westmid unternommen werden?
Die bisher beschriebenen Punkte haben einen eher einmaligen Charakter. Wichtig ist jedoch, nun einen Schritt weiterzugehen und die Strukturen bei Egan so anzupassen, dass eine Situation wie mit Westmid künftig vermieden wird. Das geeignete Mittel ist eine ganzheitliche Vertriebssteuerung. Basierend auf unseren Erfahrungen aus vielen Beratungsprojekten, hat sich eine Systematik aus finanziellen und qualitativen Kriterien bewährt. Als finanzielle Kennzahlen verwenden wir den Nettoumsatz, den Produktmix, die Preisdurchsetzung, die Vertriebskosten und Working-Capital-Kennzahlen. Diese Kennzahlen erklären überschneidungsfrei den messbaren finanziellen Erfolg eines Kunden. Um aber nicht zu kurz zu springen, müssen diese rein finanziellen um qualitative Kriterien ergänzt werden - für Egan sind das zum Beispiel die Weiterempfehlung durch Westmid und der Imagegewinn durch die Ausstellung. Zudem muss das Potenzial des jeweiligen Kunden im Blick behalten werden, wenn die Ziele in der Vertriebssteuerung festgelegt werden.
In der Folge müssen sowohl die finanzielle Entwicklung des Kunden als auch der inhaltliche Fortschritt der definierten Maßnahmen regelmäßig geprüft und bewertet werden. Dies sollte schließlich in einen Standardprozess überführt werden, der sich nicht nur auf die unrentablen Kunden, sondern auf alle Kunden erstreckt.
Woran es bei diesem Unternehmen gefehlt hat ist eine Deckungsbeitrags-Rechnung pro Produkt und pro Kunde. Der Aufbau einer solchen DB-Rechnung ist sicher mit einem hohen Aufwand verbunden aber absolut notwendig. Denn am Ende des Tages existiert ein Unternehmen um Gewinn zu machen, Umsatz ist ein Mittel zum Ziel. Unverzichtlich ist aber dann auch, DBs pro Produkt und pro Kunde als Ziele zu definieren. Nicht nur für Produkt Manager, sondern auch für Key [...] mehr...
Egan & Sons hat für die Größe des Unternehmens viel zu spät ein Controlling-System (ABC) aufgebaut und somit selbst die Grundlage für diese Fehlentwicklungen gelegt. Neben Zahlen zählen aber auch belastbare Beziehungen, die im Fall von Egan & Sons mit Westmid schon seit Jahrzehnten bestehen und sicher auch schon gute und schlechte Zeiten gemeinsam erlebt haben. Nun kommen möglicherweise chinesische Lieferanten ins Spiel und eine [...] mehr...