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Heft 5/2012: Der Jobs-Code | 09.08.2012

Fünf Minuten mit

Ai Weiwei

Der wohl berühmteste Künstler und Regimekritiker Chinas setzt sich in seinen Werken unermüdlich für Menschenrechte und Freiheitswerte ein. Im Interview mit Harvard Business Manager spricht Ai Weiwei über Teams, Führung und Kreativität.

HBM: Sie sind Bildhauer, Konzeptkünstler und Kurator - was bringt Sie dazu, immer wieder die Disziplin zu wechseln?

Ai Weiwei: Neugierde. Ich neige schnell dazu, mich zu langweilen. Wenn mich eine Beschäftigung nicht mehr reizt oder anzieht, höre ich damit auf. Ich habe bisher noch nie wirklich einen Schritt meiner Karriere geplant - abgesehen von meinem Entschluss, Künstler zu werden. Aber dazu gab es im Grunde keine Alternative, weil es der einzige Weg war, um wenigstens ein bisschen Freiheit zu erlangen.

Nach regierungskritischen Äußerungen wurde der 54-jährige Ai Weiwei im vergangenen Jahr für 81 Tage inhaftiert und erst nach massiven internationalen Protesten und unter schweren Auflagen gegen Kaution freigelassen.

Nach regierungskritischen Äußerungen wurde der 54-jährige Ai Weiwei im vergangenen Jahr für 81 Tage inhaftiert und erst nach massiven internationalen Protesten und unter schweren Auflagen gegen Kaution freigelassen.

© Keith Bedford
HBM: Sie arbeiten oft in Teams. Warum?

Ai Weiwei: Ich persönlich brauche Gruppen, um kreativ zu sein. Das hat viel mit Kommunikation zu tun. Die Zusammenarbeit mit anderen und das darüber Reden kann einem helfen, Dinge zu schaffen, die nicht entstanden wären, wenn man allein für sich geblieben wäre. Eins plus eins ist in dieser Hinsicht mehr als die bloße Summe.

HBM: Wie führen Sie Teams?

Ai Weiwei: Management ist mitunter sehr kompliziert. Sie müssen jeden Prozess verstehen - und zwar bis ins letzte Detail. Andererseits muss man manchmal auch lockerlassen. Dann darf man manche Dinge nur vage andeuten. Mitunter weiß man selbst auch nur recht unpräzise, was man gerade so treibt, aber während des Prozesses bekommt man in der Regel wieder den Blick für das große Ganze.

HBM: Ihre Kunst und Ihre Aktivität haben Sie für viele Menschen zu einer Führungsperson gemacht. Sehen Sie sich selbst auch so?

Ai Weiwei: Ich sehe mich nicht als Führungskraft, aber durchaus als jemand, der Dinge anstößt, Probleme aufzeigt und Diskussionen provoziert. Sie müssen immer dazu bereit sein, sich zu engagieren und mitzumischen. Wenn historisch bedeutende Ereignisse eintreten, muss man die Chance wahrnehmen und darauf reagieren.

HBM: Was meinen Sie, warum sprechen Ihre Werke so viele Menschen an?

Ai Weiwei: Ich arbeite in meinen Werken fast immer mit gemeinsamen Werten und einfachen Wahrheiten. Und ich versuche, Menschen zu ermutigen, diese zu erreichen. Sehr viele Menschen, vor allem junge, teilen meine Ansichten durchaus - aber im nächsten Schritt muss man dafür auch etwas tun, sich einsetzen. Es muss nicht viel sein. Auch ich fühle mich oft kraftlos, aber ich gewinne meine Energie mit jeder kleinen Veränderung zurück - die gar nicht viel kostet. Ich bin überzeugt, dass sehr viele Menschen zu früh aufgeben, weil sie nicht wissen, dass sie nur ein klein wenig ändern müssen, um Dinge zu verbessern.

HBM: Kann man Kreativität lernen?

Ai Weiwei: Kreativ sein gehört zur menschlichen Natur. Aber man kann sie aberziehen. Kinder werden durch einen sehr strengen sozialen und pädagogischen Prozess geschickt, der es ihnen unmöglich macht, ein eigenständiges Denken zu entwickeln. Das ist wie ein Tunnel, aus dem es keinen Ausweg gibt. Das sorgt dafür, dass Gesellschaften gut funktionieren und effizient sind, aber es ist nicht menschlich.

HBM: Sie beschäftigen sich viel mit kreativer Zerstörung.

Ai Weiwei: Es ist wie bei einem Clown, der lustig ist, aber den Menschen dabei permanent einen Spiegel vorhält. Das kann sehr, sehr wirkungsvoll sein.

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