Von Holger Rust
In der letzten Zeit muss ich häufiger an Dr. Myron L. Fox denken. Der Grund ist das geradezu inflationäre Auftreten von Experten, die allesamt tief begründete Ansichten zum Besten geben, zum Rettungsschirm im Allgemeinen, zu Euro-Bonds im Speziellen, Pro die einen, Kontra die anderen und dann wieder umgekehrt. Es gibt kraftvolle Analysen zu Inflation und Deflation und zu jedem erdenklichen wirtschaftspolitischen Thema zwischen Energiewende, überhitzter oder durch Abkühlung bedrohter Konjunktur in China oder globalem Klimawandel. Und föhnfrisierte Nachwuchsphilosophen erklären kurzerhand mal eben die Welt. Alle reden mit der Inbrunst tiefer Kenntnis vor allem in ungezählten Talkshows, aber auch auf Bühnen und an Rednerpulten vor einem jedes Mal wieder überzeugten Publikum. Nun soll hier kein Zweifel an der Kompetenz einzelner Aussagen genährt werden. Nur unterm Strich, alles zusammengenommen, entsteht in dieser Kakofonie ein ziemlicher Unsinn.
Das nun konnte nicht sein. Denn Dr. Fox war Schauspieler, engagiert von drei pfiffigen Psychologen mit den Namen Frank Donnelly, Donald Naftulin und John Ware. Sie hatten ihm den Auftrag gegeben, eine Rede zu halten, die keinen Sinn ergeben durfte. In der Diskussion danach sollten Fragen dann derart konfus beantwortet werden, dass auch hier nachweislich kein Sinn entstehen konnte. Wie man liest, war es ein ziemliches Stück Arbeit. Immer wieder rutschten dem armen Schauspieler klare Sätze ins Konzept. Aber am Ende war er so weit: Keine Spur von Sinn trübte mehr den Vortrag über die Spieltheorie. Was überzeugte, waren der Auftritt, die gespielte Kompetenz, die keinen Zweifel aufkeimen lassende professionelle Präsenz, die Lässigkeit, mit der Fox zur Fragerunde schließlich sein Jackett auszog, die Körperhaltung bei der Beantwortung der Fragen und natürlich der Glaube an die Autorität der als Autorität vorgestellten Person.
Mit anderen Worten: Dr. Myron L. Fox war ein Experte. Zwar nicht für das, was er sagte, dafür aber, wie er es sagte.
Wenn Sie sich, verehrte Leserinnen und Leser, ein Bild machen wollen, schauen Sie sich dieses Kabinettstück an unter http://ecclesiastes911.net/dr_fox/ video.html. Vielleicht hilft es, das rhetorische Sensorium für solche Momente zu schulen, in denen man mal wieder einem von diesen Experten gegenübersteht, die einen irgendwie in den Bann ziehen, aber doch das Gefühl zurücklassen, es sei vielleicht nicht alles, und manchmal, es sei gar nichts gesagt.

Sachverständige Experten sind zur Beurteilung von Sachverhalten unbedingt notwendig. Problematisch wird es immer dann, wenn Experten einer bestimmten Denkhaltung angehören (z.b. Keynesianer vs. Monetaristen) oder aber letztlich von fremden Interessen getriebene Meinungen vertreten. Dann sind diese Expertenmeinungen nicht mehr viel wert. Das kann man etwa in der Politik beobachten. Wie sagt Wikipedia zum 'Beweis durch Wiederholung' so schön "Als ad [...] mehr...