RSS Sonntag, 26. Mai 2013

Serie


Text minus plus
Heft 4/2012: Glücklich im Job | 19.07.2012

Fünf Minuten mit ...

Frank Gehry

Der Erbauer des Guggenheim Museums in Bilbao und der tanzenden Häuser in Prag ist der Star der internationalen Architektenszene. Im Interview verrät er, warum Controlling so wichtig für ihn ist.

HBM: Herr Gehry, was für eine Art von Unternehmer sind Sie?

Spätestens seit seinem Bau des Guggenheim Museums im spanischen Bilbao gilt Frank Gehry, heute 83, in der Architekturszene als Guru. 1989 wurde er für seinen Baustil mit dem renommierten Pritzker- Archi - tektur-Preis ausgezeichnet. Silbrigglänzend ist sein jüngstes Werk: Der 76-stöckige Wohnturm unweit der Brooklyn Bridge in Manhattan ist derzeit das höchste Wohnhaus der westlichen Hemisphäre.

Spätestens seit seinem Bau des Guggenheim Museums im spanischen Bilbao gilt Frank Gehry, heute 83, in der Architekturszene als Guru. 1989 wurde er für seinen Baustil mit dem renommierten Pritzker- Archi - tektur-Preis ausgezeichnet. Silbrigglänzend ist sein jüngstes Werk: Der 76-stöckige Wohnturm unweit der Brooklyn Bridge in Manhattan ist derzeit das höchste Wohnhaus der westlichen Hemisphäre.

© Dave Lauridsen
Gehry: Ich bin kein Geschäftsmann, trotzdem scheint mein Geschäftsmodell bisher ganz gut zu funktionieren. Dabei beruht es im Grunde auf einigen wenigen, simplen Überzeugungen: Leih dir kein Geld. Und: Bezahle jeden. Keiner will umsonst arbeiten, niemals. In den ersten Jahren sah es finanziell für mich nicht immer rosig aus. Anfangs musste ich die gesamte Arbeit allein erledigen. Später war es schwierig, gute Leute zu gewinnen. Gerade erfahrene Kollegen haben häufig Familie und wollen nicht das Wagnis eingehen, für einen jungen, unerfahrenen Chef zu arbeiten. Mir ist es damals etwa nicht gelungen, die technische Unterstützung zu bekommen, die ich gebraucht hätte. Leider hat sich das auch auf meine Arbeit ausgewirkt. Man macht Fehler, wenn man nicht genügend Konstruktionserfahrung hat.

HBM: Sie sagten einmal, dass Ihr Bau in Bilbao auch deshalb außerordentlich sei, weil Sie es mit einem außerordentlichen Auftraggeber zu tun hatten. Was unterscheidet großartige Kunden von anderen?

Gehry: Es ist ein Zusammenspiel, zu dem jede Seite ihren Teil beiträgt. Der Kunde muss bereit sein, mit einem zu reden. Stellen Sie sich vor, Sie würden etwa für IBM arbeiten und Ihr Ansprechpartner wäre der stellvertretende Vorstandsvorsitzende. Es könnte in dem Gedankenspiel durchaus passieren, dass dieser Ihre Arbeit später seinem Chef zeigt und dort auf Unverständnis stößt. Genau aus diesem Grund nehme ich nur Aufträge an, bei denen ich direkt mit den Entscheidungsträgern zusammenarbeite.

HBM: Was ist Ihr Geheimrezept, wenn Sie kreativ sein müssen?

Gehry: Ich gleiche in solchen Momenten einer Katze, die mit einem Wollknäuel spielt. Sobald das Spielzeug wegrollt, springt das Tier hinterher. Fällt es auf den Boden, folgt es auch dorthin. Ich will damit sagen: Ich nehme jede Gelegenheit wahr. Sobald ich den Kern eines Problems verstanden habe, arbeite ich mich daran ab. Dadurch kann ich direkt sehen, welche Strategien erfolgreich sind und welche nicht. Ich höre nicht auf, nach Lösungen zu suchen. Wenn ich mich wiederhole, verwerfe ich die Idee wieder. Ich habe gelernt, meiner Intuition zu vertrauen.

HBM: Es wird gemunkelt, Sie hätten sehr dezidierte Standpunkte, wenn es um Budgets und das allgemeine Projekt-management geht.

Gehry: Controlling ist in der Tat ein Riesenthema für mich. Ich bin überzeugt, dass in der Baubranche mehr als 30 Prozent des ausgegebenen Geldes verschwendet wird. Deswegen ist es ja so wichtig, bereits während der Entwurfsphase den Rat von Ingenieuren einzuholen. Und das ist so einfach geworden! Wir nutzen inzwischen eine Software, mit deren Hilfe wir die Kosten jeder baulichen Veränderung bis auf den letzten Cent berechnen können. Dadurch kann es zu keinen großen Überraschungen mehr kommen. Man bekommt ein sehr gutes Gefühl dafür, wie teuer ein Bau wird. Wenn man ein Budget festgesetzt hat, geziemt es sich, es einzuhalten. Man darf nicht den Kontakt zu den Ausführenden am Bau verlieren. Und man muss das Projekt bis zum bitteren Ende kontrollieren. Warum? Weil man der Urheber ist und es niemand anders tun wird.

Mit Frank Gehry sprach Katherine Bell, Redakteurin der "Harvard Business Review".

FORUM

Diskutieren Sie mit anderen Lesern!
© 2011 Harvard Business Publishing
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH

HBM-Editionen

Das Beste aus dem Harvard Business Manager
zu einem Thema




Nach oben