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Heft 5/2012: Der Jobs-Code | 24.04.2012

Fallstudie

Wann das Private bekannt werden muss

Von Tiziana Casciaro und Victoria W. Winston

5. Teil: Experte: Michael Hamilton

Wenn Tom DeHart Sugarman die Stelle in der Auslandsabteilung anbietet, sollte sie zugreifen und ihm klarmachen, dass sie die Herausforderung mit Freude annimmt und die Anforderungen sorgfältig abgewogen hat. Für ihren neuen Job wird sie alles geben, und daran soll ihr neuer Chef keinen Zweifel haben. Im selben Gespräch sollte sie ihm auch die private Neuigkeit mitteilen: Ich bin schwanger, und obwohl ich eine Babypause brauchen werde, bin ich bereit, mich meiner neuen Aufgabe zu stellen.

Sie muss es DeHart nicht sagen, bevor er ihr die Stelle anbietet. Wenn sie sicher ist, dass sie der Aufgabe gewachsen ist, gibt es keinen Grund, warum sie ihm Gelegenheit geben sollte, einen Rückzieher zu machen. Schließlich liegt die Entscheidung, ob sie die Chance unter den gegebenen Umständen nutzen möchte, allein bei Sugarman. Sie ist nicht verpflichtet, DeHart von ihrer Schwangerschaft zu berichten, solange sie nicht dazu bereit ist. Beruflicher Erfolg hängt letztlich jedoch immer von persönlichen Beziehungen ab. Da sie bislang noch nicht mit DeHart zusammengearbeitet hat, muss sie schnellstmöglich ein gutes Verhältnis zu ihm aufbauen. Offenheit, gerade auch in Bezug auf ihre Schwangerschaft, ist da ein Schritt in die richtige Richtung. So kann sie DeHart gegenüber ihre Glaubwürdigkeit unter Beweis stellen.

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Inhalt
Sicher, die Doppelbelastung Kind und Karriere mag sich bisweilen auf die eigene Arbeitsweise auswirken. Immerhin muss sich Sugarman auf ihre neuen persönlichen Bedürfnisse einstellen.

Aber jeder von uns hat Verpflichtungen, die über unseren Beruf hinausgehen. Wäre ihre Mutter krank, würde DeHart ihr dann etwa die Stelle nicht anbieten? Würde sich ihr Mann an ihrer Stelle bewerben, würde dann etwa jemand an seiner Eignung zweifeln, nur weil er bald Vater wird? Wenn Sugarman die Stelle erst einmal hat, muss sie keine Angst haben, die Wahrheit zu sagen. Denn wenn sie beweisen kann, wie gründlich sie die Auswirkungen von Schwangerschaft und Mutterrolle auf ihre Arbeit bedacht hat, dann hat DeHart keinen Grund, sein Angebot zu bereuen. Und selbst wenn seine Reaktion nicht so ausfällt, wie sich Sugarman dies erhofft, kann sie daraus zumindest eine wichtige Lehre ziehen: Will sie wirklich für einen Chef arbeiten, der ihr nicht zutraut, Berufs- und Privatleben erfolgreich auszubalancieren? Sugarman hat die Chance, ihrem Chef zu zeigen, was es heißt, als junge Frau in der Businesswelt Fuß zu fassen.

In meinen 37 Jahren bei Ernst & Young habe ich mit vielen hochtalentierten Kolleginnen zusammengearbeitet, die mir halfen, die Welt mit ihren Augen zu betrachten. Sie vermittelten mir einen ganz anderen Zugang zum Arbeitsleben, und das hat meinen Führungsqualitäten gewiss nicht geschadet.

Unsere leitenden Angestellten bringen immer wieder Diskussionen zu solchen wichtigen Themen ins Rollen und geben damit anderen Führungskräften ein Beispiel, wie sie in bestimmten Situationen handeln und entscheiden sollen. Unser aktueller Chairman wie auch sein Vorgänger haben stets ihre Stimme erhoben, um sich für Frauenbelange einzusetzen. Beide haben aufstrebende weibliche Führungskräfte unterstützt und sich eingemischt, wann immer es strittige Fragen zu klären galt. Wenn Castons Führungsriege dieselben Signale aussendet, wird DeHart Sugarman auf ihrem Weg unterstützen und ihr helfen, die neue Stelle und die ungewohnte Mutterrolle aufeinander abzustimmen. Andernfalls könnte Sugarman das Management an DeHarts Pflicht erinnern, ein besseres Arbeitsklima für weibliche Führungskräfte zu schaffen - oder versuchen, einen besseren Arbeitgeber zu finden.

Michael Hamilton ist Partner und Direktor der Personalentwicklungs-abteilung für Nord- und Südamerika bei Ernst & Young.


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