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Heft 3/2012: Die neue Kunst zu verkaufen | 30.05.2012

Fünf Minuten mit  ...

Jane Goodall

Die legendäre Verhaltensforscherin setzt sich seit mehr als 50 Jahren für Menschenaffen ein. Ein Gespräch über Kritik von Kollegen, Pragmatismus und Veränderung.

HBM: Als Sie sich entschlossen, Affenforscherin zu werden, hatten Sie keinerlei akademische Ausbildung. Tat das Ihrer Arbeit Abbruch?

Goodall: Ich habe meine Kindheit damit verbracht, durch die Natur zu streifen, Vögel zu beobachten und kleine Notizen darüber zu verfassen. Diese Neugierde und Wissensbegierde sind mir bis heute geblieben.

Bei meiner Arbeit mit den Schimpansen gab es keine Richtlinien. Niemand hat mir gesagt, was ich tun soll. Deshalb habe ich einfach das gemacht, was mir am naheliegendsten schien: Ich bin früh aufgestanden und habe versucht, die Tiere so viel wie möglich zu beobachten. Ich habe mich bemüht, nicht ungeduldig zu werden oder den Tieren zu schnell zu nahe zu kommen - und am Ende habe ich alles aufgeschrieben.

Jane Goodall: Die 1934 in London geborene Forscherin kennt Menschenaffen besser als jeder andere: Seit mehr als 50 Jahren setzt sie sich für die Tiere ein. Ihre Beschreibungen der Affen als charakterstarke Individuen ebneten den Weg für ein neues Verständnis unserer tierischen Artgenossen. Gemeinsam mit einer Kollegin gründete sie 1977 das Jane-Goodall-Institut, eine internationale Tier- und Umweltschutzorganisation.
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Jane Goodall: Die 1934 in London geborene Forscherin kennt Menschenaffen besser als jeder andere: Seit mehr als 50 Jahren setzt sie sich für die Tiere ein. Ihre Beschreibungen der Affen als charakterstarke Individuen ebneten den Weg für ein neues Verständnis unserer tierischen Artgenossen. Gemeinsam mit einer Kollegin gründete sie 1977 das Jane-Goodall-Institut, eine internationale Tier- und Umweltschutzorganisation.

© David Deal
HBM: Trotzdem hat die Wissenschaftsgemeinde Sie zunächst belächelt.

Goodall: In der Tat. Man hat mir gesagt, ich hätte alles falsch gemacht. Ich wurde vor allem kritisiert, weil ich den Tieren Namen gegeben hatte. Es hieß, man könne nicht über die Persönlichkeit und die Emotionen von Tieren sprechen, weil diese beiden Attribute allein uns Menschen vorbehalten seien.

Mich trafen diese Anfeindungen wenig, weil ich glücklicherweise niemals darauf aus war, mir als Wissenschaftlerin einen Namen zu machen. Ich wollte einfach Schimpansen beobachten.

HBM: Ist es Ihnen gelungen, Ihr Wissen und Ihre Erfahrung an Nachwuchswissenschaftler weiterzugeben?

Goodall: Ich habe junge Kollegen zunächst einmal ermutigt, alles zu vergessen, was sie gelernt haben - etwa dass es in der Forschung darum geht, eine Theorie aufzustellen und in der Praxis zu prüfen.

Stattdessen bat ich sie, sich auf die Tiere wirklich einzulassen, mit ihnen Zeit zu verbringen, ihnen zuzuhören und von ihnen zu lernen. Die wichtigste Eigenschaft eines Forschers ist meiner Ansicht nach ein offener Geist.

HBM: Sie mussten immer wieder andere Menschen dazu bringen, sich zu verändern - selbst wenn es aus deren Sicht nicht rational war. Wie geht das?

Goodall: Geschichten helfen sehr. Manchmal wurde ich vor Menschen gewarnt; es hieß, es würde mir nie gelingen, diese zu erreichen. Wenn Sie aber von Angesicht zu Angesicht vor jemandem sitzen und Geschichten erzählen, sieht die Sache schon anders aus. Man erreicht den Geist eines Menschen selten über dessen Intellekt. Sie müssen etwas finden, was sein Herz berührt.

HBM: Ihnen wird nachgesagt, beim Weltverbessern einen recht pragmatischen Ansatz zu verfolgen.

Goodall: Natürlich würde ich mich manchmal am liebsten militanten Gruppen anschließen, Labore überfallen, Tiere befreien und andere schreckliche Dinge tun. Aber all das würde letzten Endes wenig helfen.

HBM: Wie finden Sie die Balance zwischen Ihren ethischen Ansprüchen und dem, was realistisch umsetzbar ist?

Goodall: Das ist schwierig. Wenn mich die Menschen für eine Art Baumbesetzer halten, werde ich von Entscheidern nicht mehr ernst genommen und verliere den Kontakt. Auf der anderen Seite darf ich nicht zu kooperativ sein, sonst bekomme ich mit den Umweltschützern Ärger. Ich halte es mit Shakespeare: "To thine own self be true - sei zu dir selbst aufrichtig."

Mit Jane Goodall sprach Katherine Bell, Redakteurin der "Harvard Business Review".

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30.05.2012 von mayconsult: Eine wahre Unternehmerin

Das tun, was man bewegen kann, Menschen mit Geschichten fesseln und durch eigenes Handeln überzeugen. Dazu Mut, Entschlossenheit und einen langen Atem aufbringen, um Veränderungsprozesse auch bei tief eingeschliffener Konditionierung zu erreichen. Einfach Klasse, Jane Goodall! mehr...

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