http://www.harvardbusinessmanager.de/heft/artikel/a-810854.html
zuletzt aktualisiert: 18. Mai 2012, 08:39 Uhr
Heft 2/2012: Neue Werte für das Management

Fünf Minuten mit...

Norman Foster

Der britische Stararchitekt hat mit der Reichstagskuppel ein neues Wahrzeichen für Berlin geschaffen. Ein Gespräch über die Gestaltung von Arbeitsplätzen, Teams und technischen Fortschritt in der Architektur.

HBM: Herr Foster, warum sind Sie Architekt geworden?

Foster: Bereits in meiner Jugend in Manchester habe ich jede freie Minute dazu genutzt, durch die Stadt zu laufen und mir Gebäude anzuschauen. Das war gar nicht mal bewusst. Ich habe nicht etwa gedacht: "Später werde ich mal Architekt, deshalb sollte ich das tun." Ich hatte einfach den Drang dazu, Bauten wie die Einkaufspassage Barton Arcade oder das Gebäude des "Daily Express" zogen mich magisch an. Übrigens sind mir Reisen und das Betrachten von Gebäuden noch genauso wichtig wie zu meiner Studienzeit an der Architekturschule. In diesem Sinne bin ich wohl Student geblieben.

Der britische Stararchitekt erlangte hierzulande vor allem durch den Bau der Berliner Reichstagskuppel Bekanntheit. In seiner Heimat wurde er 1990 von der Queen, einer Bewunderin seines Werks, in den Adelsstand erhoben. Der Chef einer Architekturfirma mit rund 15 inter - nationalen Büros gilt als jemand, der sich mit großer Rationalität und Präzision seinen Aufgaben widmet.
Zur Großbildansicht

Der britische Stararchitekt erlangte hierzulande vor allem durch den Bau der Berliner Reichstagskuppel Bekanntheit. In seiner Heimat wurde er 1990 von der Queen, einer Bewunderin seines Werks, in den Adelsstand erhoben. Der Chef einer Architekturfirma mit rund 15 inter - nationalen Büros gilt als jemand, der sich mit großer Rationalität und Präzision seinen Aufgaben widmet.

© Croci & Du Fresne
Sie haben viele Bürogebäude entworfen. Warum ist die Gestaltung von Arbeitsplätzen wichtig?

Foster: Okay - lassen wir spaßeshalber einfach mal Argumente der Ästhetik und der Emotionen beiseite und betrachten das Ganze aus einer rein wirtschaftlichen Perspektive: Ein schön und sinnvoll gestalteter Arbeitsplatz sorgt dafür, dass sich Mitarbeiter wohlfühlen und keinen Fluchtinstinkt entwickeln. Ein Effekt, der direkte Auswirkungen auf die Produktivität jedes einzelnen Angestellten hat. Darüberhinaus kann gute Büroarchitektur aber auch dafür sorgen, dass Mauern eingerissen werden. Nehmen Sie etwa die Trennung zwischen Angestellten und Arbeitern: Statt die Gruppen räumlich zu separieren, kann man sie auch einfach wieder näher zusammenbringen.

HBM: Es heißt, Sie hassen Komitees, aber lieben Teams. Warum?

Foster: Ein guter Architekt sollte in der Lage sein zuzuhören. Nichtsdestotrotz bin ich auch davon überzeugt, dass es wichtig ist, als Führungskraft klar und deutlich zu sein. Wenn Komitees mit Entscheidungen beauftragt werden, enden diese in der Regel als Kompromiss. Radikale Lösungen kommen nicht zustande. Verstehen Sie mich nicht falsch: Auch die herausragendsten Gebäude können infrage gestellt, verrissen oder verehrt werden - am Ende geht es jedoch immer darum, eine Vision zu haben.

Auf der anderen Seite gibt es viele Ausnahmebauten nur, weil es eine Gruppe von Leuten gab - sei es ein kleiner harter Kern oder eine über Kontinente verteilte Task-Force -, die sich vehement gegen Kostensenkungen eingesetzt hat und sich aus Liebe zur Sache die Nächte um die Ohren schlug.

HBM: Welchen Einfluss hat der technische Fortschritt auf Ihre Arbeit?

Foster: Wir haben immer den Wert neuer Technologien geschätzt - etwa die Möglichkeit, digitale Modelle entwerfen zu können. Am Ende ist ein Computer jedoch nur ein Werkzeug, wie ein Bleistift auch. Technologie ist ein Mittel, nicht der Zweck. Der Zweck ist immer das Soziale. Abgesehen davon ist eine gute Recherche durch nichts zu ersetzen - daran ändert auch der technische Fortschritt nichts.

HBM: Wo können Sie am besten arbeiten?

Foster: Überall. Ich mache permanent Skizzen. Es ist, als führte ich nonstop einen inneren Dialog: So wie andere sich Notizen machen, male ich. Es kann etwa vorkommen, dass ich mich bei einer Besprechung dabei ertappe, emsig vor mich hin zu skribbeln - während ich zugleich rede. Das Zeichnen hilft mir, meine Ideen rüberzubringen. Letzteres ist für mich übrigens das Hauptziel guter Kommunikation.

Mit Norman Foster sprach Alison Beard, Redakteurin der "Harvard Business Review".

© 2011 Harvard Business Publishing
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH