Von Holger Rust
Es ist die ewig gleiche Folge von Routinen, an deren Ende die ewig gleiche Frage steht: Wie geht eigentlich "Kommunikationskultur"? Dass diese Frage gestellt werden muss, ist dem Bestreben zu verdanken, dem Alltag des Unternehmens eine besondere Note zu verleihen. Und das heißt in der Regel, die Agenda abzuarbeiten, die jetzt so im Umlauf ist, und ihre selbstverständlich erscheinenden Programmpunkte umzusetzen. Als da zum Beispiel sind: CSR, Sustainability, Work-Life-Balance und die motivierende Arbeitsatmosphäre für die "wertvollste Ressource", über die das Unternehmen verfügt: die Leute. Erst wenn die zufrieden seien, so die Theorie, verdiene ja ein Unternehmen das ersehnte Prädikat "gut".
So wird also erst einmal ein Führungskräfte-Workshop durchgeführt. Mit Trainer oder Trainerin, die meist zwar in dem Unternehmen noch nicht gearbeitet haben, jedenfalls nicht so richtig, mit dem ganzen Alltagsstress und allem Drum und Dran, die aber wissen, wie Workshops gehen. Man kann nun die stillen Reserven darauf verwetten, dass am Ende dieses Workshops eine sogenannte Brown Paper Presentation steht, also die auf einer Stellwand mit bunten Nadeln auf Packpapier applizierten Metaplan-Päppchen, natürlich fotografisch festgehalten für spätere Verbreitung per PDF. Man kann weitere Wetten abschließen, dass auf der letzten Pappe schwungvoll mit Filzstift dick das geheimnisvolle K-Wort aufgemalt ist: "Kommunikationskultur".
Nun ja, die Untergebenen, die jetzt nur noch Mitarbeiter heißen oder Kräfte oder so ähnlich, finden das alles ganz okay, aber irgendwie - oberflächlich. Und denken bei sich: Meint der wirklich, so geht Kommunikationskultur? Sollte uns mal fragen, dem würden wir was erzählen. Das sagt man so dahin, aber die Frage ist natürlich, warum man es nicht tut.
Also haben wir es einmal gemacht. Haben gefragt. Junge Leute auf dem Weg nach oben. Was würdet ihr denn erzählen? Was herauskam, hatte erst mal mit Kommunikation erstaunlich wenig zu tun, und das aus einem einfachen Grund: "Ach, diese ganze Nummer mit der Kommunikation!", meint eine Marketingmanagerin hörbar ironisch: "Worüber sollen wir denn 'kommunizieren'? Was wir brauchen, ist was ganz anderes."
Und das wäre? "Na ja, wissen, was abgeht", ergänzt ein 28-jähriger Projektmanager. "Ich will eingeweiht sein in das, was am Ende rauskommen soll. In die Strategie und all das. Mit einem Wort: Ich will mehr Information von oben."
Aber Kommunikation und Work-Life-Balance und all das? "Das ist Work-Life-Balance", sagt eine junge Managerin. "Und wenn man die Ziele kennt, wenn man all die Informationen hat, dann weiß man auch, worüber man kommunizieren soll. Das ist dann 'gut'. Alles andere ist nur 'nett'."

Naja - ist ausreichende Information eine Bring- oder Hol-Schuld? "Nicht-Wissen schützt, bekanntlich, vor Strafe nicht", oder? mehr...
Ist ausreichende Information eine Bring- od. Hol-Schuld? Wobei - "Nicht-Wissen schützt vor Strafe nicht" - oder? mehr...
Sehr gut geschriebener Artikel der es genau auf den Punkt trifft. mehr...