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Heft 2/2012: Neue Werte für das Management | 14.06.2012

Finanzierung

Neue Geldquellen für soziale Unternehmen

Von Antony Bugg-Levine, Bruce Kogut und Nalin Kulatilaka

Investoren wollen ihr angelegtes Geld vermehren. Das ist bei sozialen Unternehmen oft schwierig. Doch sie können neben der finanziellen auch eine soziale Rendite bieten. Intelligent kombiniert, entstehen neue Anlageformen - mit hoher Attraktivität für potenzielle Geldgeber.

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Anzahl Seiten: 8
Preis: 4,00 €


Finanzinnovationen haben seit der Finanzkrise 2008 einen schlechten Ruf. Als mit dem Kollaps der Märkte auch die Kreditversorgung quer durch das Bankensystem zusammenbrach, schien die Vorstellung, dass strukturierte Kreditprodukte wie Collateralized Debt Obligations (CDOs) oder Credit Default Swaps (CDS) Wachstum fördern können, unlogisch, wenn nicht gar illusorisch. Heute werden solche Instrumente sogar oft als Massenvernichtungswaffen bezeichnet.

Dass genau diese Finanzinstrumente auch eine positive, geradezu transformative Wirkung auf die Gesellschaft hatten, fällt dabei unter den Tisch. Die geplatzte Immobilienblase kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass Wohneigentum für Millionen Menschen nicht realisierbar wäre, wenn die Banken nicht die Möglichkeit hätten, Hypothekenkredite zu bündeln und als Besicherung für spezielle Anleihen zu verwenden. Aber nicht nur die Mittelschicht der Industrieländer profitiert von dieser Praxis. Mikrofinanzierung ist mittlerweile ein 65 Milliarden Dollar schwerer Markt, der mehr als 90 Millionen Kreditnehmern in einigen der ärmsten Länder der Welt zugutekommt. Dass sich dieser Bereich so schnell entwickeln konnte, liegt auch daran, dass Investmentbanken in der Lage sind, die Mikrokredite vieler Kreditgeber zu bündeln und als Sicherheit für forderungsbesicherte Wertpapiere wie CDOs zu verwenden, die sie an den internationalen Kapitalmärkten verkaufen. Die Kreditgeber erhalten durch solche Geschäfte frisches Kapital, das sie in Form von weiteren Mikrokrediten wieder vergeben können.

Die Trennung sozialer und ökonomischer Ziele ermöglicht eine Reihe neuer Finanzierungsvarianten.

Die Trennung sozialer und ökonomischer Ziele ermöglicht eine Reihe neuer Finanzierungsvarianten.

© Sarah Morris
Finanzierungstechnik, das sogenannte Financial Engineering, kann ein starker Veränderungsmotor sein. Mit ihrer Hilfe kann Kapital für Investitionen bereitgestellt werden, das ohne sie nicht verfügbar wäre. Es können Finanzierungsmöglichkeiten für Projekte entstehen, die die Wirtschaft ankurbeln und das Leben der Menschen verbessern.

In diesem Beitrag erläutern wir, wie Financial Engineering Unternehmen, die sich für soziale Belange einsetzen, Zugang zu Finanzmarktinvestitionen verschaffen kann. Solche Firmen, die unter dem Begriff soziale Unternehmen zusammengefasst werden, mussten sich bislang bei der Finanzierung zum Großteil auf Spenden und Sponsoren verlassen. Mit den richtigen Finanzinnovationen können solche Unternehmen einen erheblich größeren Kapitalpool nutzen als bisher. Sie können so ihre soziale Arbeit deutlich ausbauen.

Mischrenditen vermeiden

Soziale Unternehmen schaffen Innovationen, um gesellschaftliche, soziale oder ökologische Probleme zu lösen. Es gibt sie als gewinnorientierte und als Non-Profit-Unternehmen, und die Renditen sind eine Mischung aus sozialem und finanziellem Erfolg. Soziale Unternehmen gibt es in allen möglichen Varianten, mit einer Frage werden sie aber alle konfrontiert: Erzeugen Sie ausreichend Einnahmen und gewinnen sie genügend Investoren, um ihre Kosten zu decken und ihre Aktivitäten ausweiten zu können?

Einige Sozialunternehmen erwirtschaften genug Gewinn, um sich klassisch durch Investoren zu finanzieren. Sie bieten mitunter Produkte und Dienstleistungen an, für die die Kunden bereit sind, etwas mehr zu bezahlen, weil sie der Gesellschaft nutzen, zum Beispiel regenerative Energie oder organische Lebensmittel. Manchen gelingt es, einen ordentlichen Gewinn zu erwirtschaften und trotzdem armen Kunden eine wichtige Dienstleistung zu einem günstigeren Preis als die Konkurrenz anzubieten. Doch viele, wenn nicht die meisten Sozialunternehmen können sich nicht allein über ihren Umsatz oder über Investitionen finanzieren.

Sie sind nicht profitabel genug, um die traditionellen Finanzmärkte anzuzapfen. Das führt dazu, dass finanzielle und soziale Rendite auseinanderdriften. Armen Menschen Gesundheitsversorgung, Grundnahrungsmittel oder sichere Hygiene- und Reinigungsprodukte zu günstigen Preisen anzubieten, hat einen enormen sozialen Wert, aber die Kosten der privaten Finanzierung liegen häufig über der monetären Rendite. Viele Sozialunternehmen überleben nur durch massive staatliche Subventionen, gemeinnützige Stiftungen und eine Handvoll sehr reicher Einzelpersonen, die Geld spenden oder für eine Investition in soziale Projekte eine niedrigere finanzielle Rendite akzeptieren. Die Fähigkeit solcher Unternehmen, ihre Produkte und Dienstleistungen anzubieten, steht und fällt mit der Verfügbarkeit von Kapital aus diesen Quellen. Doch diese Art der Mittelbeschaffung kostet viel Zeit und Energie, die die Unternehmen sonst auf ihre soziale Arbeit verwenden könnten.

Der Mangel an Finanzierungsmöglichkeiten ist eine der größten Herausforderungen, die Sozialunternehmen meistern müssen. Ein herkömmliches Unternehmen kann seine Bilanz und seinen Businessplan einsetzen, um unterschiedlichen Investoren eine Reihe von Risiko-Rendite-Modellen anzubieten. Sie können sich an Aktien- oder Beteiligungsinvestoren wenden, an Banken, Anleihefonds, Wagniskapitalgeber und so weiter. Das können viele Sozialunternehmen nicht - aber das ändert sich. Immer mehr sozial ausgerichtete Unternehmen und Investoren erkennen, dass Social Business auch finanzielle Renditen abwerfen kann, die für bestimmte Investoren interessant sind. Diese Erkenntnis wird das verfügbare Kapital drastisch vermehren .

Im Grunde ist die Finanzierung eines sozialen Unternehmens eine Frage der finanziellen Strukturierung: Das Unternehmen kann unterschiedliche Risiko- und Renditemodelle für unterschiedliche Arten von Investoren anbieten, statt einer Mischrendite, die zwar für alle Investoren gedacht ist, aber nur wenige anspricht. Mit diesem Ansatz lässt sich das Problem der Diskrepanz zwischen finanzieller und sozialer Rendite lösen.

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