Von Alison Beard und Richard Hornik
Es ist nicht einfach, die Frage zu beantworten, was ein gutes Unternehmen ausmacht - zu komplex scheinen die Aufgaben und Herausforderungen, denen sich internationale Konzerne heute stellen müssen. Trotzdem wollen wir es wagen, im Folgenden fünf Unternehmen vorzustellen, für die gesellschaftliches Engagement, eine engagierte Personalführung, Naturschutz, Corporate Governance und eine bewusste Steuerung und Kontrolle der eigenen Lieferkette keine bloßen Lippenbekenntnisse sind.
Eines vorweg: Keines dieser Unternehmen wurde von unseren Redakteuren und externen Experten zu den Firmen mit der weltweit höchsten sozialen Verantwortung gewählt oder ist in allen Bereichen mustergültig - aber sie haben sich alle auf den Weg gemacht und sind zumindest in einzelnen Bereichen zu Vorbildern einer neuen Art von Management geworden - was Rosabeth Moss Kanter in ihrem Beitrag in dieser Ausgabe als zukunftsweisend beschreibt (siehe Verantwortung: Anders wirtschaften ).
Die Tatsache, dass alle Unternehmen auch im Hinblick auf ihren finanziellen Erfolg als Vorbilder herangezogen werden können, ist aus unserer Sicht ein Beleg für die These, dass verantwortungsvolles Management nicht im Widerspruch zum erfolgreichem Management steht. Es scheint sogar, als führe eine verantwortungsvollere Art der Geschäftsführung geradezu zwangsläufig zu einem höheren Gewinn. Zhang Yue, Gründungsvorstand des chinesischen Broad-Group-Konzerns, drückt es so aus: "Überleben und Wachstum eines Unternehmens sind gleichbedeutend mit seiner sozialen Verantwortung."
Royal DSM
Noch vor zehn Jahren bestand das Kernangebot des niederländischen Konzerns Royal DSM ausschließlich aus petrochemischen Produkten, Plastik, Grundchemikalien und -stoffen. Auch heute ist das Unternehmen noch in der Chemiebranche tätig - allerdings mit einem anderen Fokus: etwa der Herstellung von Nahrungsergänzungsmitteln, pharmazeutischen Wirkstoffen und energieeffizienten Baumaterialien.
Wenn der erste Schritt des Unternehmens auf seinem Weg zu einem verantwortungsbewussteren Führungsstil das Bekenntnis war, künftig nachhaltigere, gesundheitsverbessernde Technologien und Produkte zu entwickeln und zu verkaufen, war der zweite Schritt fast noch mutiger - zumal er auf den ersten Blick wenig lukrativ erschien: Royal DSM entschloss sich, Technologien und Produkte denjenigen zur Verfügung zu stellen, die sie am meisten brauchen.
Beide Strategien haben den Wandel des Unternehmens maßgeblich beeinflusst. Sie sind auch dafür verantwortlich, dass es dem Konzern gelungen ist, sich in einer immer komplexer werdenden globalen Wirtschaft gut aufzustellen. Noch weitgehender war jedoch DSMs Kooperation mit dem Welternährungsprogramm, um an Hunger leidende Menschen in Nepal, Kenia, Bangladesch und Afghanistan mit Vitaminen, Nährstoffmischungen und angereicherten Lebensmitteln des Konzerns zu versorgen. Zehn Millionen Menschen sollten bis Ende 2011 versorgt werden. Darüber hinaus beteiligt sich der Konzern, der 250 Niederlassungen in 50 Ländern der Welt hat, jedoch auch an vielen weiteren kleineren Initiativen.
Ein Projekt befindet sich etwa im indischen Pune, wo das Unternehmen Leichtbauverbundelemente für eine neue Schule zur Verfügung stellt. Dadurch konnten die Kosten, die Dauer und die Emission des Baus reduziert werden. Zusätzlich können die Schüler an einem Ernährungsprogramm von DSM teilnehmen. In einem anderen Ort in Indien bietet DSM den Dorfbewohnern kostenlose medizinische Betreuung an. Und in Mexiko veranstalten Mitarbeiter von DSM jeden Monat an Schulen Seminare über Sicherheit, Gesundheit und Umwelt.
Fokko Wientjes, der für Nachhaltigkeit verantwortliche Manager bei DSM, sagt, das Unternehmen vertrete die Auffassung, es sei nicht nur richtig, diese Hilfe zu leisten, sondern auch entscheidend für das zukünftige Wachstum des Unternehmens. "Die Vorteile liegen auf der Hand", so Wientjes: "Zum einen macht diese Art des Denkens uns im Kampf um Talente zu einem attraktiveren Arbeitgeber, weil wir einfach mehr tun, als nur für unsere Aktionäre zu arbeiten. Wir haben eine extrem niedrige Mitarbeiterfluktuation. Zum anderen hilft es uns, die Bedürfnisse in den verschiedenen Ländern, in denen eine Organisation wie das Welternährungsprogramm tätig ist, besser zu verstehen. Letzteres hilft uns vor allem dabei, am richtigen Ort die richtigen Dinge für die dortigen Bedürfnisse zu entwickeln. Und drittens sorgen unsere Initiativen nebenbei natürlich auch dafür, dass Menschen über die Bedeutung von Nährstoffen besser Bescheid wissen. Und das führt wiederum zu neuen Initiativen und Investitionen, die für uns gewinnbringend sein können."
Feike Sijbesma, CEO des Konzerns, war federführend an der auf Nachhaltigkeit fokussierten Neuausrichtung beteiligt. Er wurde jedoch von allen Mitarbeitern unterstützt, etwa wenn es um die Suche nach kleineren Projekten ging, die das Unternehmen finanzieren konnte. Auf mittlerer Unternehmensebene wurden die Führungskräfte explizit dazu ermutigt, ein Budget für soziales Engagement und ehrenamtliches Engagement bereitzustellen.
"Es ist doch so", sagt Manager Wientjes, der sich in den Betrieben von DSM in Südamerika und Ägypten dafür einsetzte, Häuser sicherer zu bauen und die vorhandenen natürlichen Ressourcen zu schützen, "wenn Sie Ihre Umgebung betrachten und denken ,Was kann ich hier beitragen?', gibt es nur eine Regel: Es muss zu Ihrer Strategie und Ihren Fähigkeiten passen. Wir geben Kindern etwa keinen Sprachunterricht, aber dafür Chemie- und Matheunterricht. Genau darin besteht schließlich unsere Kompetenz.
Unserer Erfahrung nach ist es ratsam, sich für große Projekte den richtigen Partner und vor allem auch den richtigen Anlass zu suchen. Sie müssen sich fragen: 'Wie können wir unsere Fähigkeiten dazu nutzen, sowohl für die Gesellschaft als auch für unser Unternehmen etwas zu tun?'"
Vorzeigemanager Wientjes räumt durchaus ein, dass es schwer ist, DSMs Erträge aus sozialen Investitionen in Zahlen auszudrücken: "Wir bewerten diesen Bereich im Moment noch nicht richtig. Aber ich glaube, dass wir dies möglichst bald tun sollten, damit unsere Investoren das Vorgehen besser verstehen", sagt Wientjes und fährt fort, "aber zumindest hat mich bisher noch kein Aktionär angerufen und gesagt: 'Bitte hören Sie damit auf.'"
"Überleben und Wachstum eines Unternehmens sind gleichbedeutend mit seiner sozialen Verantwortung." heisst es im Text. Es gibt aber viele Unternehmen, die trotz markanter Größe diese Verantwortung nicht wirklich tragen wollen. Ich denke beispielsweise an Unternehmen aus den Bereichen Ernährung, Medizin, Textil oder Finanzen. Ethik findet oftmals nur in Hochglanzbroschüren statt, nicht in der Realität. Gerade angestellte Manager großer [...] mehr...