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24.01.2012

Fallstudie

Ein Mann will nach oben

Von Jeffrey Pfeffer

3. Teil: Das Risiko mittragen

Einen Gefallen verlangen

"Was hat Strauss gesagt?", fragte Sarah, nachdem ihr Mann die Geschichte noch einmal erzählt hatte. "Das ist Bevormundung und die herablassendste Bemerkung, die ich je gehört habe." Sie schaffte es, das mit einem Tremolo in der Stimme und einem Funkeln in den Augen zu sagen.

"Er glaubt, ich bin noch nicht bereit für den CEO-Job", sagte Baker, "ich bin zu jung, und ich habe diese Vergangenheit ..."
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"Er glaubt, ich bin noch nicht bereit für den CEO-Job", sagte Baker, "ich bin zu jung, und ich habe diese Vergangenheit ..."

© Silke Werzinger
Baker fehlten die Worte. Wie sollte er über seinen tiefen Respekt und seine Bewunderung für Strauss sprechen, der ihm alles beibrachte, was man über Event-Planung wissen musste? Und der immer voller Lob für ihn war und seine Karriere förderte?

Baker schaute zu Kaleeb, der mit einem Nicken signalisierte, dass er richtig lag: Sarah wusste über dasVerhältnis zwischen Mentoren und ihren Schützlingen nicht viel.

"Ich weiß noch, wie du mich ihm vorgestellt hast", sagte Sarah, "er hat gesagt, du wärst wie ein Sohn für ihn, bla bla bla."

"Sarah, bitte!", sagte Kaleeb. "Sprecht über was anderes. Ich mache Adam noch einen Drink."

"Es ist nichts Falsches daran, wie ein Sohn behandelt zu werden", sagte Baker.

"Natürlich nicht - solange der Vater merkt, wann jemand erwachsen geworden ist", entgegnete Sarah. Sie legte eine Hand auf Bakers Arm. "Adam, wir lieben dich. Wir wollen das Beste für dich. Aber du musst aggressiver werden. Sei dir klar darüber, wer du bist. Darüber, was du willst. Strauss ist vielleicht herablassend, aber er ist ein guter Kerl. Deshalb magst du ihn. Er ist anständig und geradeheraus. Er spielt fair. Er ist vielleicht der fairste Mensch im ganzen Land!" Wieder dieses strahlende Lächeln. "Du kannst seine Fairness zu deinem Vorteil nutzen."

Baker löste sich sanft von ihr. "Ich will nicht von ihm profitieren. Ich will von niemandem profitieren."

"Hör zu", sagte Sarah, "Wer hat diese traurige alte Kette von heruntergekommenen Hotels entdeckt und erkannt, was sie wirklich wert ist - du oder er? Wer hat all die Due Diligences zum Gesundheitsschutz und Arbeitsrecht, zu den Steuerrückständen gemacht - du oder er?"

"Okay, ist ja gut."

"Wer hat zuerst gesagt, dass SES die Kette kaufen soll? Wer hat nicht aufgehört zu drängeln, als Strauss sich nicht entscheiden konnte? Wer ist losgegangen und hat Partner gefunden, die das Risiko mittragen? Wer hat den Deal eingefädelt, ihn abgeschlossen und dafür gesorgt, dass er funktioniert? Du."

"Und weiter?", fragte Baker ungeduldig.

"Er schuldet dir etwas - das ist es." In Sarahs Augen blitzte kurz Zorn auf. "In meiner Welt ist es so: Wer schuldet, zahlt. Und meine Welt unterscheidet sich nicht von der von Strauss. Er weiß, dass er dir etwas schuldet."

"Ich werde ihn nicht unter Druck setzen", sagte Baker.

"Warum nicht? Er rechnet nicht damit. Glaub mir Adam, du kannst nicht immer warten, bis jemand dich fragt."

"Er glaubt, ich bin noch nicht bereit für den CEO-Job", sagte Baker, "ich bin zu jung, und ich habe diese Vergangenheit ..."

"Das hört sich an, als wärest du im Gefängnis gewesen, verdammt. Du hast nichts falsch gemacht. Du bist von einem Asozialen fertiggemacht worden. Ein Gentleman steht über solchen Dingen."

Kaleeb war zurückgekommen. Er gab Baker ein frisches Getränk und rollte in Richtung seiner Frau mit den Augen. In gespielter Kapitulation warf sie ihre Hände in die Höhe. "Okay, ja, Strauss wird sauer sein, wenn du einen Gefallen von ihm verlangst. Wenn das alles ist, was dir wichtig ist, frag ihn nicht. Aber denk daran: Wenn er wirklich so ein aufrechter und ehrlicher Kerl ist und wenn du eindeutig sagst, dass du diesen Deal klargemacht hast und dass er dir deshalb etwas schuldet, dann wird er Ja sagen."

Sie nahm Baker den Drink aus der Hand, trank einen Schluck und gab ihm das Glas zurück. "Denk mal drüber nach", sagte sie.


FORUM

insgesamt 5 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
13.02.2012 von pegattac: Konkretere Aussagen einfordern

Baker sollte von Strauß vielleicht nicht zwingend diesen CEO-Job fordern, aber konkretere Aussagen darüber, welche Fähigkeiten ihm noch für diese Position fehlen - nicht brutal genug ist zu schwammig. Und diese Unklarheit hinterläßt auch das ungute Gefühl, das Gefühl nicht weiter zu kommen, nur als Nummer 2 gut zu sein. Wenn er stattdessen genau wüßte, woran er arbeiten muss um in Zukunft einen CEO-Posten zu übernehmen, könnte er darauf hinarbeiten. Er [...] mehr...

08.02.2012 von Unregistriert: Ewiger Zweiter oder heraus aus dem Trauma

Ich rate Baker seinen Anspruch geltend zu machen. Adam Baker steht vor einer Entscheidung, die sein berufliches und privates Leben, ja sogar seine weitere Persönlichkeitsentwicklung langfristig und maßgeblich prägt. Verzichtet er, manifestiert er seinen Status des ewigen Zweiten. Fordert er die Position des CEO, ist das seine Chance in die erste Reihe zu treten, behaftet mit dem Risiko, erneut zu scheitern. Marshall Goldsmith stellt in seinem [...] mehr...

08.02.2012 von berzah: Adam Baker

Ich finde die Entscheidung Adam Baker nicht zum CEO zu machen in Ordnung. Adam Baker kann ein hervorragender Macher sein, der viel Potential mit sich bringt und dem Unternehmen sehr nützlich sein kann. Dieser Umstand wird auch von seinem Chef hervorgehoben. Es gibt Menschen, die die in der zweite Reihe richtig aufblühen können, wenn sie aber selber die Entscheidungsträger sind nicht zu recht kommen. Adam Baker ist vorher als CEO gescheiter, das lag nicht [...] mehr...

03.02.2012 von blfproaktiv: Prüfen wie wichtig es ihm wirklich ist

Adam Baker macht für mich den Eindruck eines sehr ehrgeizigen Mannes, der bereit ist, viel an sich zu arbeiten, um seine Ziele zu erreichen. Er hat sich ja auch intensiv dafür eingesetzt, dass dieser Deal in die Tat umgesetzt wird. Das zeigt eine wichtige Eigenschaft, die eine gute Führungskraft benötigt. Gleichzeitig ist er nicht zu selbstbezogen, sehr einfühlsam, ist ein guter Networker und hat Weitblick. Gerade in der heutigen Zeit sind das sehr [...] mehr...

26.01.2012 von Unregistriert: Annehmen

Der Typ muß sich entscheiden ob es nur ein Wunsch ist die Herausforderung anzunehmen oder ob es sein Wille ist. So wie die Geschichte gestrickt ist sollte er definitiv annehmen. Der Mentor hat ihm wirklich eine interessante Prüfungsfrage gestellt, übersetzt: Willst Du Dich bei mir Lieb-Kind machen oder willst Du Machen? mehr...

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