Von Michael E. Porter und Mark R. Kramer
Anzahl Seiten: 18
Anzahl Zeichen: 74.851
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Preis: 4,00 €
Und es kommt noch schlimmer: Je stärker sich Unternehmen das Konzept der Corporate Responsibility zu eigen machen, desto mehr werden sie für gesellschaftliche Probleme verantwortlich gemacht. Das Ansehen von Unternehmen ist so schlecht wie selten zuvor. Auch Politiker verlieren das Vertrauen in sie und beschließen deshalb Maßnahmen, die ihre Wettbewerbsfähigkeit gefährden und ihr Wachstumspotenzial begrenzen. Die Wirtschaft steckt in einem Teufelskreis.
Zu einem großen Teil sind die Unternehmen dafür selbst verantwortlich. Sie sind gefangen in einem engen und überholten Verständnis von Wertschöpfung, das in den vergangenen Jahrzehnten entstanden ist: Sie optimieren ihre kurzfristige Finanzperformance ohne Rücksicht darauf, dass sich an den Märkten Blasen bilden, und ignorieren die wichtigsten Bedürfnisse ihrer Kunden und weitere Faktoren, die über ihren langfristigen Erfolg bestimmen. Nur so lässt sich erklären, dass sie das Wohlergehen ihrer Kunden, das Plündern für sie unverzichtbarer Ressourcen, die Überlebensfähigkeit wichtiger Zulieferer sowie wirtschaftliche Probleme in den Gemeinschaften, in denen sie produzieren und verkaufen, nicht beachten. Und wie sonst sollten sie auf die Idee gekommen sein, dass die Verlagerung von Aktivitäten an Standorte mit immer niedrigeren Löhnen eine nachhaltige "Lösung" für das Problem der Konkurrenzfähigkeit ist? Regierungen und Bürgerorganisationen verschärfen das Problem oft noch, indem sie versuchen, soziale Probleme auf Kosten der Unternehmen zu lösen. Der angenommene Zielkonflikt zwischen wirtschaftlicher Effizienz und gesellschaftlichem Fortschritt wurde in Jahrzehnten politischer Entscheidungen institutionalisiert.
In dieser Situation wird es für Unternehmen Zeit, sich an vorderster Front dafür einzusetzen, dass sich Wirtschaft und Gesellschaft wieder näherkommen. Das Bewusstsein dafür haben kluge Unternehmenslenker und Vordenker schon entwickelt, und es sind bereits vielversprechende Elemente eines neuen Modells zu beobachten. Aber es gibt noch keinen Gesamtrahmen, der den unterschiedlichen Bemühungen eine Richtung geben könnte. Stattdessen sind die meisten Unternehmen in einem "Social Responsibility"-Denken gefangen, in dem gesellschaftliche Fragen zwar am Rand, nicht aber im Kern eine Rolle spielen.
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General Electric, Google, IBM, Intel, Johnson & Johnson, Nestlé, Unilever, Wal-Mart - eine wachsende Zahl von Unternehmen, die eher für eine nüchterne Herangehensweise bekannt sind, hat bereits bedeutende Initiativen zur Schaffung von Shared Value gestartet. Ihnen allen liegt ein neuer Blick auf die Gemeinsamkeiten zwischen Gesellschaft und Unternehmenserfolg zugrunde. Trotzdem steht unser Bewusstsein für die transformative Kraft von Shared Value noch ganz am Anfang. Sie zu nutzen wird von Führungskräften und Managern neues Können und neues Wissen erfordern - wie etwa eine viel intensivere Beschäftigung mit gesellschaftlichen Bedürfnissen, ein besseres Verständnis für die wahren Treiber von Produktivität und die Fähigkeit, über die kommerziellen und gemeinnützigen Grenzen hinweg zu kooperieren. Zugleich müssen die Regierungen lernen, Regulierung so zu gestalten, dass sie Shared Value fördert, statt ihn zu behindern.
Dabei muss der Zweck von Unternehmen neu definiert werden: Statt sich auf Gewinn per se zu konzentrieren, müssen sie Shared Value schaffen. Dies wird eine Welle von Innovationen und Produktivitätswachstum in der globalen Wirtschaft auslösen, zugleich werden der Kapitalismus und seine Beziehung zur Gesellschaft neu definiert. Und vielleicht am wichtigsten: Eine Umstellung auf das Prinzip des Shared Value ist für Unternehmen die beste Chance, in den Augen der Öffentlichkeit wieder Existenzberechtigung zu erlangen.
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Artikel aus dem Harvard Business Manager
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