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zuletzt aktualisiert: 17. April 2012, 07:45 Uhr
Heft 1/2012: Schafft die Manager ab!

Fünf Minuten mit ...

Desmond Tutu

Dinge passieren, aber sie müssen sich auch entwickeln, sagt Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu.  Der 80-Jährige im Gespräch über gläserne Decken, Gebete und Humor.

HBM: Ursprünglich wollten Sie Mediziner werden, haben sich aber aus finanziellen Gründen für ein Lehramtsstudium entschieden. Später wurden Sie Pfarrer. Haben Sie jemals überlegt, in die Wirtschaftswelt zu gehen?

Tutu: Nein - ich wäre dort auch nie wirklich gut gewesen. Sobald ich etwas Geld habe, gebe ich es aus. Außerdem gab es im Südafrika meiner Jugend eine gläserne Decke, die dafür sorgte, dass Schwarze sich nicht frei entfalten konnten. Das einzige Geschäft, was man dort als Schwarzer betreiben konnte, war ein kleiner Nachbarschaftsladen - der für die großen Geschäfte in weißer Hand keine ernsthafte Konkurrenz werden konnte. Die Hautfarbe sorgte für völlig verschiedene Startpositionen. Ich glaube, dass ich auch deshalb niemals in diesen Bereich gedrängt habe: Ich wollte mich nicht unnötig frustrieren.

Der 80-jährige Friedensnobelpreisträger war der erste schwarze Dekan der anglikanischen Kathedrale in Johannesburg. 1976 wurde ihm wegen seiner Kritik an der Apartheid spolitik der Pass entzogen, später wurde er Generaldirektor des "South African Council of Churches". Als Vorsitzender der "Wahrheits- und Versöhnungskommission" war er maßgeblich an der Aufklärung der Verbrechen der Burenrepublik beteiligt.
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Der 80-jährige Friedensnobelpreisträger war der erste schwarze Dekan der anglikanischen Kathedrale in Johannesburg. 1976 wurde ihm wegen seiner Kritik an der Apartheid spolitik der Pass entzogen, später wurde er Generaldirektor des "South African Council of Churches". Als Vorsitzender der "Wahrheits- und Versöhnungskommission" war er maßgeblich an der Aufklärung der Verbrechen der Burenrepublik beteiligt.

© Stephen Voss/Redux
HBM: Es dauerte Jahrzehnte, bis das Apartheidregime stürzte. Was hat Ihnen geholfen, nicht den Mut zu verlieren?

Tutu: Zurückblickend glaube ich, dass wir uns einfach nie erlaubt haben, im Selbstmitleid zu versinken. Klar wuchsen wir in einem benachteiligten Umfeld auf, aber das hat uns nicht wirklich bekümmert. Wir haben gespielt, Spaß gehabt. Wir waren nicht so politisch wie spätere Generationen. Nichtsdestotrotz kann man Menschen nicht endlos unterdrücken - denken Sie nur an Libyen. 40 Jahre hat es dort gedauert. Wieso haben sich die Menschen nicht früher umgeschaut und andere Teile Afrikas auf ihrem Weg in die Freiheit beobachtet? Es gibt in einem Paulusbrief eine wunderbare Passage, in der es sinngemäß heißt, dass die Zeit erst reif sein muss. Dinge passieren, aber sie müssen sich auch entwickeln. Es gab auch zu Zeiten der Ägypter schon Personen, die sich für Menschenrechte eingesetzt haben. Es mag so aussehen, als seien sie damit gescheitert. Aber der Schein trügt: Aus heutiger Sicht war das kein Scheitern, sondern ein erster winziger Bestandteil des Mosaiks.

HBM: Wäre die Burenrepublik schneller zu Fall gekommen, wenn es Facebook und Twitter gegeben hätte?

Tutu: Vielleicht. Andererseits waren Menschen auch schon vor Erfindung der Social Media in der Lage, miteinander zu kommunizieren - selbst unter den Augen der bösartigen Staatssicherheit, die vorgab, alles über jeden und alles zu wissen. Trotz aller Verhaftungen und Ausweisungen von geistigen Führern wurden die Menschen nicht abgeschreckt. Das Gegenteil war der Fall: Es machte sie nur noch zielstrebiger.

HBM: Wann haben Sie gelernt, Ihren Humor für Führungsaufgaben zu nutzen?

Tutu: Ich komme aus einer Familie, in der man sich ganz gern mal gegenseitig ein Bein stellt. Alle sind ziemlich lustig. Wenn man so aufwächst, lernt man, schlagfertig zu sein. Trotz aller Misshandlungen haben die Südafrikaner eine wunderbare Begabung zu lachen - anders wären wir vermutlich auch verrückt geworden. Geholfen haben mir auch die vielen Gebete. Manchmal habe ich mich mit meiner Rede selbst überrascht: "War das wirklich ich? Das war ziemlich klug." Ich bin mir sicher, dass das nicht allein spontan aus mir kam. Es gab einfach immer irgendwo liebenswerte alte Damen, die in einer Messe knieten und Gott baten, den Menschen in Südafrika zu helfen. Ich bin zutiefst überzeugt, dass diese Gebete genau zum richtigen Zeitpunkt kamen und erhört wurden.

Mit Desmond Tutu sprach Daniel McGinn, Redakteur der "Harvard Business Review".