Von Ilene H. Lang
2. Teil: Welche Strategie zu Einkommenszuwächsen führt
Diese Männerbünde sind nach wie vor sehr lebendig - weil sie funktionieren. In elitären Kreisen werden Entscheidungen hinter verschlossenen Türen getroffen. So mancher Kandidat für eine hohe Position zieht an anderen vorbei, weil er gute Beziehungen zu wichtigen Fürsprechern unterhält. Seilschaften favorisieren nicht etwa jene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die hart arbeiten und den Ball flach halten. Stattdessen teilen sie die Menschen in zwei Gruppen ein: Protegés und jene, die ohne Protektion auskommen müssen.
Menschen in einflussreichen Positionen werden zu Mentoren, wenn sie sehen, dass Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter großes Potenzial haben und hervorragende Arbeit abliefern. Dann nehmen sie sie unter ihre Fittiche. Sie stellen sicher, dass ihre Protegés im Gespräch sind, sobald sich eine Aufstiegsmöglichkeit ergibt. Sie nehmen sie vor hinterhältigen Kollegen in Schutz und setzen für sie den eigenen Ruf aufs Spiel.
Offenbar ist Mentoring entscheidend für die Frage, wie Frauen bei der Besetzung von Führungspositionen zu den Männern aufschließen können. Wie Catalyst herausgefunden hat, werden zwar mehr Frauen als Männer durch Mentoring gefördert. Doch die Mentoren der Männer sitzen in wichtigeren Positionen und sind eher bereit, sich öffentlich für Nachwuchsmanager einzusetzen - vielleicht weil diese sie an die Anfänge ihrer eigenen Karriere erinnern.
Den größten Erfolg bei der Suche nach einem Mentor haben Frauen, wenn sie ihre Leistungen offensiv anpreisen. Das haben Studien von Catalyst gezeigt. Frauen, die ihre Erfolge betonten, wurden in höhere Positionen befördert, waren zufriedener mit ihrer Karriere und konnten höhere Gehaltszuwächse verbuchen als jene Frauen, die sich nicht selbst loben mochten. Den Chef über die eigenen Leistungen zu informieren und ihn in angemessener Weise um Feedback und Anerkennung zu bitten ist nach unserer Studie tatsächlich die einzige Strategie, die fühlbare Einkommenszuwächse bringt.
Kluge Unternehmen sind sich bewusst, dass ihre hochtalentierten Mitarbeiterinnen Mentoren aus der obersten Führungsetage brauchen - die meisten davon sind Männer. Schließlich ist es im eigenen Interesse eines Unternehmens, wenn seine zukünftigen Führungskräfte die gesamte Vielfalt der verfügbaren Talente repräsentieren. Diesen Unternehmen ist bewusst, dass der Frauenmangel in Toppositionen mehr mit mangelnder Selbstvermarktung als mit mangelndem Talent zu tun hat. Und sie übertragen männlichen Führungskräften die Verantwortung dafür, dass weibliche Nachwuchsstars im Unternehmen reüssieren.
Männerseilschaften werden nicht einfach so verschwinden. Jahrzehntelang haben wir vergeblich versucht, ihre Macht zu brechen. Stattdessen sollten Manager versuchen, als Führungskräfte die beste aller Strategien zu wählen, eine Strategie, die alles verändert: Öffnen Sie den Altherrenklub für Frauen - und fördern Sie deren Karrieren!
Sind Netzwerke wirlklich immer das Wahre? Es gab mal Flick, Strauss etc. Dies waren Männernetzwerke. Aber wer sagt, dass Frauen-Netzwerke wesentlich "besser", "moralischer", "sozialer" sind... mehr...