"Immer ein Ohr auf der Straße"

Entrepreneure:

Heft 1/2012

HBM: Herr Külper, Sie haben mit MyTaxi eine Branche aufgemischt, die als wenig innovativ galt. Manche Taxifahrer bieten keine Kreditkartenzahlung an; überregionale Taxizentralen gibt es nicht. Und da kommen Sie und wollen alles anders machen. War Ihnen klar, worauf Sie sich einlassen?

Külper: Nein, in der Form nicht. Uns war aber sehr schnell klar, dass das Gewerbe nicht zeitgemäß ist und daher von Grund auf erneuert werden muss. Der Mensch an sich ist sehr bequem - wenn es keinen Grund gibt, innovativ zu denken, dann tut er das auch nicht. Das war damals bei den Funkzentralen nicht anders. Erst im Laufe der Zeit sind wir dahintergekommen, dass es bei den Taxifahrern ein starkes Bedürfnis nach zusätzlichen Aufträgen gibt.

Sven Külper (32, rechts) ist zusammen mit seinem Cousin Niclaus Mewes (33) Gründer und Geschäftsführer des Start-ups Intelligent Apps, das die kostenlose Smartphone-App MyTaxi betreibt.
Intelligent Apps GmbH

Sven Külper (32, rechts) ist zusammen mit seinem Cousin Niclaus Mewes (33) Gründer und Geschäftsführer des Start-ups Intelligent Apps, das die kostenlose Smartphone-App MyTaxi betreibt.

HBM: Wie sind Sie diesem Bedürfnis auf die Spur gekommen?

Külper: Wir haben ausgiebige Marktforschung betrieben. Wir haben Umfragen gestartet. Wir haben uns mit Diskussionsgruppen aus dem Taxigewerbe zusammengesetzt und unsere Idee einer Taxi-App für Smartphones diskutiert. Am Anfang ist uns dabei oft eine ablehnende Haltung entgegengeschlagen. Die Branche braucht eben eine gewisse Zeit, um sich mit Innovationen vertraut zu machen. Das war vor zwei Jahren noch anders; damals waren Apps noch in den Kinderschuhen. Heute hat sich das komplett geändert. Ich kann mir kaum vorstellen, dass es noch Taxifahrer in Deutschland gibt, die nicht von MyTaxi gehört haben.

HBM: Haben Sie sich bei der Gründung bewusst für eine innovationsarme Branche entschieden?

Külper: Nein, die Idee kam meinem Cousin und mir spontan in einer Bar in München. Da war es laut, wir konnten nicht telefonieren, kannten weder die Adresse noch die Nummer einer Taxizentrale. Da haben wir uns gefragt, ob es heute nicht eine andere Möglichkeit geben müsste, ein Taxi zu bestellen. Die Gründungsidee ging also vom Mehrwert des Kunden aus. Erst danach haben wir angefangen, auch den Mehrwert für die Taxifahrer zu beleuchten.

HBM: Ihr Geschäftsmodell beruht darauf, dass Kunde und Fahrer ein Smartphone besitzen. Ist das nicht bislang noch ein Nischenmarkt?

Külper: Aufseiten der Endkunden keinesfalls. Smartphone-Apps sind einer der am stärksten boomenden Märkte. Die Abdeckung ist groß; in den nächsten zwei Jahren werden Smartphones herkömmliche Handys ablösen. Und für Taxifahrer liegt der große Mehrwert darin, dass sie eben nur ein Smartphone brauchen. Das kostet 100 Euro, dann sind sie dabei. Für eine Funkausrüstung fallen viel höhere Kosten an.

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© Harvard Business Manager 1/2012
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