5. Teil: Experte: Ann Judge
Ein unglücklicher Ehe- oder Lebenspartner ist ein ernsthaftes Problem, sowohl für den Expat - riate selbst als auch für sein Unternehmen, denn darunter leidet die Produktivität des Mitarbeiters. Das kann den Wert des ganzen Auslandsengagements gefährden. Und für den Partner eines Expatriates kann die Auslandserfahrung sehr entmutigend sein - auch wenn im Leben der Familie sonst alles bestens geregelt ist: die Finanzen, die Unterkunft, der Schulbesuch der Kinder.
Das liegt daran, dass Partner und Kinder normalerweise mehr mit der fremden Kultur in Kontakt kommen als der Mitarbeiter selbst.
Als ich von einem früheren Arbeitgeber nach Deutschland versetzt wurde, änderte sich an meinem Arbeitsleben so gut wie nichts. Ich hatte mit demselben globalen Netzwerk von Leuten zu tun, mit denen ich auch vorher schon zusammengearbeitet hatte, und konnte weiter Englisch sprechen. Mein Mann dagegen wurde plötzlich in eine völlig fremde Kultur hineingeworfen: Er konnte sich bei der Suche nach Einkaufsmöglichkeiten, beim Erlernen des metrischen Systems und beim Autokauf in einer ihm unbekannten Wäh - rung nicht verständigen.
Daher läuft der Ehe- oder Lebenspartner große Gefahr, sich schnell fehl am Platz zu fühlen. Wenn dann auch noch die berufliche Unsicherheit dazukommt, mit der Oswald Lobato sich herumschlagen muss, ist eine Krise kaum zu vermeiden. Aber seine Frau nach Brasilien zurückzuschicken würde nichts bringen. Denn damit verlöre ihr Auslandsengagement seinen Sinn - für die Firma ebenso wie für sie selbst. Die Unternehmenszentrale braucht Lobatos Kompetenz in dieser wichtigen Zeit; und Ana Lobato weiß, dass nur Mitarbeiter mit globaler Erfahrung die nötigen Qualifikationen besitzen, um weiter Karriere zu machen.
Manchmal sind auch längere Geschäftsreisen eine gute Lösung.
Wir bei Shire bieten unseren Mitarbeitern die Möglichkeit, zwischen ihrer Heimat und den Unternehmensniederlassungen hin und her zu pendeln, in denen ihre Kompetenz benötigt wird.
Eine dauerhafte Versetzung ist eine Alternative, die manche Familien vorziehen; denn wenn man sich langfristig in einem anderen Land niederlässt, entfällt die Auseinandersetzung mit der Frage, ob der Partner sich an die neue Umgebung anpassen oder die Zeit im Ausland einfach nur "absitzen" soll.
Die heutigen Versetzungspraktiken erfordern viel mehr Flexibilität im Management der unterschiedlichen Bedürfnisse und Erwartungen der Mitarbeiter.
Ich glaube, dass Mitarbeiter heutzutage mehr auf die Erfüllung ihrer Bedürfnisse pochen als früher. Das zeigt, dass sie mehr auf eine gewisse Aus - gewogenheit in ihrem Leben achten.
Ein Unternehmen schafft Loyalität und Vertrauen, indem es Verständnis für die Bedürfnisse seiner Mitarbeiter zeigt und sie in ihrer Entwicklung unterstützt, damit sie einen sinnvollen Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten können. Schließlich haben Mitarbeiter Optionen und sind nicht bereit, bei einer Firma zu bleiben, deren Werte nicht ihren eigenen entsprechen.
Internationale Mobilität wird weiterhin ein wichtiger Faktor im Unternehmensleben sein, auch wenn es sehr viel teurer ist. Bei Shire ist die Anzahl der Expatriates im Lauf der Jahre immer mehr gestiegen. Es ist für uns ein Wettbewerbsvorteil, Mitarbeiter zu haben, die sich in diversen Kulturen wohlfühlen - und die wissen, welche Fragen man in einem fremden Markt stellen muss, um bessere Ergebnisse zu erzielen.
Das erreicht man nur durch eine global aufgestellte Belegschaft.
Ann Judge ist Senior Vice President für Global Human Resources bei Shire, einem biopharma - zeutischen Unternehmen mit Mitarbeitern in 28 Ländern.
In diesem Fallbeispiel ist ein Versagen auf mindestens drei Ebenen festzustellen, einmal das von Anton Danois als Personalmanager, dann das seiner Chefin und schließlich ein Systemversagen des gesamten Mobilitätsprogramms. Fangen wir mit Anton Danois an. Er hat den löbliche Ansatz sich viel persönlich um seine Expats zu kümmern, leider fehlen ihm dazu das notwendige Fingerspitzengefühl und ganz grundlegende interkulturelle Kompetenzen. Sein Vorschlag [...] mehr...