Die Explosion auf einer Ölplattform im Golf von Mexiko im April 2010 kostete elf Menschen das Leben und führte zur größten Ölkatastrophe in der Geschichte der USA. Doch der damalige CEO von BP, Tony Hayward, konzentrierte sich vor allem auf die Konsequenzen für seine Karriere. Er schien in erster Linie besorgt darüber, welche Auswirkungen der Vorfall auf das Management von BP und vor allem auf ihn haben würde. Ungefähr eine Woche nach der Explosion äußerte sich Hayward gegenüber Managern in seinem Londoner Büro folgendermaßen: "Was um Himmels willen haben wir getan, dass wir das verdient haben?" Trotz eines PR-Coachings sagte er einen Monat später zu Reportern: "Ich hätte gern mein Leben zurück."
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Hayward konzentrierte sich immer nur auf einen kleinen Ausschnitt, in der Sprache der Fotografie ausgedrückt: Sein Objektiv schien in der Position "Nahaufnahme" zu klemmen. So versuchte er zum Beispiel dem Vertragspartner Transocean die Schuld in die Schuhe zu schieben. Dieses Unternehmen hatte die explodierte Anlage betrieben.
Je nachdem durch welches Objektiv Manager eine Situation betrachten, wird ihre Fähigkeit, gute Entscheidungen zu fällen, positiv oder negativ beeinflusst - gerade in Krisenzeiten. Wenn sie heranzoomen, erhalten sie eine Großaufnahme ausgewählter Details - vielleicht aber ist diese Einstellung zu nah, um sich ein sinnvolles Bild machen zu können. Mit einem Weitwinkelobjektiv können sie sich einen Überblick verschaffen - es gehen ihnen aber eventuell einige Feinheiten oder Nuancen verloren.
Die Zoomfunktion an digitalen Geräten lässt uns Bilder aus unterschiedlicher Nähe betrachten. Sie ist auch eine passende Metapher für verschiedene Ansätze strategischen Denkens. Manche Manager bevorzugen eine Detailanalyse, andere betrachten lieber das große Ganze. Beide Perspektiven haben Vor- und Nachteile. Aber sie sollten flexibel gehandhabt und nicht als vorgegebene Positionen angesehen werden. Manager brauchen unterschiedliche Perspektiven, um sich ein umfassendes Bild machen zu können. Erfolgreiche Manager können Dinge sowohl aus der Nähe als auch aus der Ferne betrachten.
Zu dieser Schlussfolgerung kam ich aufgrund meiner mehr als 25-jährigen Beobachtung des Wirkens von Managern - wie sie eine strategische Richtung festlegen, mit Kunden umgehen und auf unerwartete Ereignisse reagieren. Ich habe mit Tausenden von Managern zusammengearbeitet und systematische Studien über Innovation, Partnerschaften, Wandel und Transformation in Hunderten von Unternehmen durchgeführt. Ich habe gesehen, wie Unternehmensstrukturen, Prozesse und Unternehmenskulturen den Blick von Managern auf Details lenken oder ihnen einen Gesamtüberblick verschaffen können. Und ich habe erlebt, wie eine bestimmte Analysetiefe zu einer starren Position werden kann, die die Effektivität behindert.
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Artikel aus dem Harvard Business Manager
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