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Heft 10/2011: Das perfekte Team | 03.01.2012

Selbstmanagement

Der richtige Blickwinkel

Von Rosabeth Moss Kanter

Manche Menschen achten stark auf Details, andere schauen mehr auf das große Ganze. Für Manager ist es wichtig, beide Perspektiven flexibel einnehmen zu können. Eine Anleitung für das Zoomen zwischen den Extremen.

Die Explosion auf einer Ölplattform im Golf von Mexiko im April 2010 kostete elf Menschen das Leben und führte zur größten Ölkatastrophe in der Geschichte der USA. Doch der damalige CEO von BP, Tony Hayward, konzentrierte sich vor allem auf die Konsequenzen für seine Karriere. Er schien in erster Linie besorgt darüber, welche Auswirkungen der Vorfall auf das Management von BP und vor allem auf ihn haben würde. Ungefähr eine Woche nach der Explosion äußerte sich Hayward gegenüber Managern in seinem Londoner Büro folgendermaßen: "Was um Himmels willen haben wir getan, dass wir das verdient haben?" Trotz eines PR-Coachings sagte er einen Monat später zu Reportern: "Ich hätte gern mein Leben zurück."

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Hayward, der im Juli 2010 zurücktreten musste, boten sich zahlreiche Gelegenheiten, auf das große Ganze einzugehen: auf die menschliche Katastrophe und die öffentliche Bestürzung in der Golfregion. Doch obwohl BP Tausende von Ingenieuren zur Eindämmung der Ölpest einsetzte, gelang es ihm in den Augen der Öffentlichkeit nicht, Herr der Lage zu werden; die Krise schien sein persönlicher Fluch zu sein.

Hayward konzentrierte sich immer nur auf einen kleinen Ausschnitt, in der Sprache der Fotografie ausgedrückt: Sein Objektiv schien in der Position "Nahaufnahme" zu klemmen. So versuchte er zum Beispiel dem Vertragspartner Transocean die Schuld in die Schuhe zu schieben. Dieses Unternehmen hatte die explodierte Anlage betrieben.

Je nachdem durch welches Objektiv Manager eine Situation betrachten, wird ihre Fähigkeit, gute Entscheidungen zu fällen, positiv oder negativ beeinflusst - gerade in Krisenzeiten. Wenn sie heranzoomen, erhalten sie eine Großaufnahme ausgewählter Details - vielleicht aber ist diese Einstellung zu nah, um sich ein sinnvolles Bild machen zu können. Mit einem Weitwinkelobjektiv können sie sich einen Überblick verschaffen - es gehen ihnen aber eventuell einige Feinheiten oder Nuancen verloren.

Ansichtssache: Die Perspektive beeinflusst die Fähigkeit zu entscheiden
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Ansichtssache: Die Perspektive beeinflusst die Fähigkeit zu entscheiden

© Jimmy Turrell
Die Zoomfunktion an digitalen Geräten lässt uns Bilder aus unterschiedlicher Nähe betrachten. Sie ist auch eine passende Metapher für verschiedene Ansätze strategischen Denkens. Manche Manager bevorzugen eine Detailanalyse, andere betrachten lieber das große Ganze. Beide Perspektiven haben Vor- und Nachteile. Aber sie sollten flexibel gehandhabt und nicht als vorgegebene Positionen angesehen werden. Manager brauchen unterschiedliche Perspektiven, um sich ein umfassendes Bild machen zu können. Erfolgreiche Manager können Dinge sowohl aus der Nähe als auch aus der Ferne betrachten.

Zu dieser Schlussfolgerung kam ich aufgrund meiner mehr als 25-jährigen Beobachtung des Wirkens von Managern - wie sie eine strategische Richtung festlegen, mit Kunden umgehen und auf unerwartete Ereignisse reagieren. Ich habe mit Tausenden von Managern zusammengearbeitet und systematische Studien über Innovation, Partnerschaften, Wandel und Transformation in Hunderten von Unternehmen durchgeführt. Ich habe gesehen, wie Unternehmensstrukturen, Prozesse und Unternehmenskulturen den Blick von Managern auf Details lenken oder ihnen einen Gesamtüberblick verschaffen können. Und ich habe erlebt, wie eine bestimmte Analysetiefe zu einer starren Position werden kann, die die Effektivität behindert.

Die Zoom-Metapher liefert ein dynamisches Modell, das Managern helfen kann, ihren eigenen Blickwinkel zu erweitern und Bedingungen zu schaffen, die anderen ein erfolgreiches Arbeiten ermöglichen. In diesem Beitrag werde ich das Verhalten und die Entscheidungsmethoden identifizieren, die mit dem Heranzoomen, also einer detaillierten Betrachtungsweise, und dem Herauszoomen, dem Betrachten des großen Ganzen, einhergehen. Ich werde Strukturen und Kulturen erläutern, die falsche Blickwinkel begünstigen und effektives Arbeiten verhindern. Am Schluss werde ich neue Ansätze darlegen, wie Manager die Fähigkeiten entwickeln können, um Dinge aus jedem Blickwinkel betrachten zu können.

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