Von Gesine Braun
Eine der Grundregeln vom Pausenhof lautet wie folgt: Wenn es hart auf hart kommt, ist es in der Regel ratsamer, sich zu verbünden, anstatt es auf einen Kampf ankommen zu lassen - vor allem, wenn das Gegenüber einen Kopf größer ist und die Klassenlehrerin gerade nicht zuschaut.
Was für Grundschüler zum Basiswissen gehört, scheint sich in der Wirtschaft nur langsam durchzusetzen. Anders lässt sich zumindest schwer erklären, warum das Hohelied der Kommunikation und Kooperation zwar oft gesungen, aber offenbar selten umgesetzt wird. Beispiel Firmenübernahmen: Im vergangenen Jahr gaben Wirtschaftslenker für derartige Transaktionen Billionen aus - trotz einer erschütternd niedrigen Erfolgsquote. Studien gehen davon aus, dass bis zu 70 Prozent aller Fusionen und Übernahmen keine positive Auswirkung haben, schlimmer noch: Oftmals binden sie so viel Aufmerksamkeit und Kapital, dass das Kerngeschäft der Unternehmen leidet. Harvard-Business-School-Professor Clayton Christensen nennt sogar eine Misserfolgsquote von 90 Prozent als Erfahrungswert.
Auch für den Konsumgüterhersteller Unilever war es ein Wagnis, als er im September 2009 offiziell verkündete, die Körperpflegesparte seines US-amerikanischen Konkurrenten Sara Lee für rund 1,3 Milliarden Dollar kaufen zu wollen. 15 Monate dauerte es, bis alle juristischen Spitzfindigkeiten bewältigt waren und der Kaufvertrag unterschrieben werden konnte. Rein formal mussten sich die beiden Unternehmen zwischen Angebot und Vertragsunterschrift wie zwei Konkurrenten behandeln - obwohl im Hintergrund bereits die Integration des einen Unternehmens in das andere vorbereitet wurde. Vor allem für die zum Verkauf stehende Seite war die Zeit der Warterei und Ungewissheit zermürbend.
Unilever im Überblick
Sara Lee im Überblick
Robbert de Vreede
Torsten Johann
Manfred Baden
Anja Spohr
Sabine Conow
Jürgen Löwel
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Doch selbst wenn Unilever-Betriebsrat Jürgen Löwel von "Ruhe und Frieden" spricht und sein Sara-Lee-Kollege Manfred Baden anerkennend sagt, man sei einander die ganze Zeit über respektvoll und mit viel Vertrauen begegnet, stellen sich Fragen: Wie haben die Betroffenen die Übernahme erlebt? Und was würden sie beim nächsten Mal anders machen? Was hat den Prozess erleichtert, was erschwert? Sechs Mitarbeiter schildern im Folgenden ihre Sicht der Dinge: