Von Adi Ignatius
HBM: Als Sie CEO wurden, schien es bei Disney nicht gut zu laufen. Wie haben Sie gegengesteuert?
Iger: Wir hatten fünf ziemlich turbulente Jahre hinter uns mit einem feindlichen Übernahmeversuch, einem Aufstand unserer Aktionäre und einer Schlacht mit zwei wichtigen Boardmitgliedern. All das sorgte für jede Menge Aufruhr und für ein negatives Bild des Unternehmens in der Öffentlichkeit. Ich hatte die große Chance, dem Unternehmen Selbstvertrauen zurückzugeben und dadurch auch anderen wieder den Glauben an uns. Ich erklärte, dass ich Disney zu einem der angesehensten Unternehmen in der Welt machen wollte - bewundert von unseren Kunden, unseren Aktionären und unseren Mitarbeitern. Mein Ziel war es, unsere Beschäftigten wieder für das Unternehmen zu begeistern.
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Iger: Nun, ich musste mit den beiden Boardmitgliedern Roy Disney und Stanley Gold verhandeln. Das wäre für meinen Vorgänger, Michael Eisner, schwierig, wenn nicht sogar unmöglich gewesen - was nicht an ihm lag, sondern an dem zerrütteten Verhältnis zwischen den Beteiligten. Ich war neu. Und auch wenn ich als Teil des alten Regimes angesehen wurde, konnte ich mich als potenzieller Friedensstifter präsentieren. Und genau das tat ich. Ich konnte dafür sorgen, dass wir die Streitereien hinter uns ließen.
HBM: Was bedeutete das für das Unternehmen?
Iger: Es war sehr wichtig für Disney. Denn Krieg ist zerstörerisch und lenkt die Mitarbeiter von ihren eigentlichen Aufgaben ab. Es ist sehr schwierig, ein Unternehmen zu führen, wenn überall Unruheherde schwelen. Statt produktiv zu arbeiten, wird gekämpft. Ich habe hart daran gearbeitet, die Schlachten bei Disney zu beenden. Und als wir es geschafft hatten, atmeten alle erleichtert auf.
HBM: Wo lagen noch Dinge im Argen?
Iger: Wir hatten technische Veränderungen bisher eher als Bedrohung statt als Chance angesehen. Ich habe das geändert, da ich glaube, wir sollten Technik als etwas Positives begreifen. Ursprünglich war dies ein wichtiger Teil der Unternehmenskultur: Walt Disney war sehr technikaffin.
HBM: Sie sollen sich über den "Ballast" Tradition, wie Sie es genannt haben, beschwert haben. Inwieweit wehren Sie sich immer noch dagegen?
Iger: Bei Disney gibt es seit Langem Spannungen zwischen Modernisten und Traditionalisten. Mein fester Grundsatz ist, die Tradition zu respektieren, aber gleichzeitig sicherzustellen, dass sich das Unternehmen auch weiterentwickelt. Wer zu sehr der Vergangenheit verhaftet ist, ist in der Regel weniger innovativ. Die Traditionalisten bei Disney melden sich immer mal wieder zu Wort.
HBM:Wie finden Sie die richtige Balance zwischen dem Schutz einer ehrwürdigen Marke und Innovation?
HBM: In welchen Bereichen gibt es noch Spannungen zwischen der alten und der neuen Schule?
Iger: Es gibt Diskussionen über Micky Maus: Wie soll die Figur aussehen? Wie soll sie sich verhalten? Wie können wir es schaffen, dass eine Figur, die 1920 entstand - und die meistlizenzierte Figur weltweit ist - auch heute noch sehr beliebt bleibt? Manche sagen, "da dürfen wir nichts verändern". Nun, Walt tat es. Walt modernisierte kontinuierlich. Es gibt Menschen, die sind der Meinung, man sollte Dinge nur auf die Weise tun, wie "Walt es tat". Das ist geradezu lächerlich. Walt starb 1966. Hätten wir uns strikt an seine Vorgaben gehalten, wären wir in den 60er Jahren stehen geblieben Diese Haltung hört sich an wie eine buchstabengetreue Interpretation der amerikanischen Verfassung.
HBM: Wie soll sich Micky Maus stattdessen denn verändern?