RSS Freitag, 24. Mai 2013
Text minus plus
Heft 9/2011: Besser Entscheiden | 26.10.2011

CEO-Gespräch

"Tradition darf Innovation nicht behindern"

Von Adi Ignatius

Er war nicht der klare Favorit für die Nachfolge des langjährigen Disney-Chefs Michael Eisner. Doch als Robert A. Iger 2005 den Chefsessel des Unterhaltungskonzerns übernahm, belehrte er alle Skeptiker eines Besseren. Es gelang ihm rasch, interne Machtkämpfe beizulegen und neue rentable Projekte zu starten. Iger über seine Vorstellung von Führung und Kreativität sowie sein umstrittenes Projekt, die legendäre Comicfigur Micky Maus neu zu erfinden.

HBM: Als Sie CEO wurden, schien es bei Disney nicht gut zu laufen. Wie haben Sie gegengesteuert?

Robert Iger: Nachfolger des langjährigen Disney-Chefs Michael Eisner
Zur Großbildansicht

Robert Iger: Nachfolger des langjährigen Disney-Chefs Michael Eisner

© Corbis
Iger: Wir hatten fünf ziemlich turbulente Jahre hinter uns mit einem feindlichen Übernahmeversuch, einem Aufstand unserer Aktionäre und einer Schlacht mit zwei wichtigen Boardmitgliedern. All das sorgte für jede Menge Aufruhr und für ein negatives Bild des Unternehmens in der Öffentlichkeit. Ich hatte die große Chance, dem Unternehmen Selbstvertrauen zurückzugeben und dadurch auch anderen wieder den Glauben an uns. Ich erklärte, dass ich Disney zu einem der angesehensten Unternehmen in der Welt machen wollte - bewundert von unseren Kunden, unseren Aktionären und unseren Mitarbeitern. Mein Ziel war es, unsere Beschäftigten wieder für das Unternehmen zu begeistern.

Inhalt Inhalt

Abbildungen + Diagramme
Einzelabbildung
Einzelabbildung
Einzelabbildung
Einzelabbildung
Einzelabbildung
Infografik

Anzahl Seiten: 7
Anzahl Zeichen: 25.160
Anzahl Worte: 3.397
Preis: 4,00 €

HBM: Welches waren zu Beginn Ihre größten Herausforderungen?

Iger: Nun, ich musste mit den beiden Boardmitgliedern Roy Disney und Stanley Gold verhandeln. Das wäre für meinen Vorgänger, Michael Eisner, schwierig, wenn nicht sogar unmöglich gewesen - was nicht an ihm lag, sondern an dem zerrütteten Verhältnis zwischen den Beteiligten. Ich war neu. Und auch wenn ich als Teil des alten Regimes angesehen wurde, konnte ich mich als potenzieller Friedensstifter präsentieren. Und genau das tat ich. Ich konnte dafür sorgen, dass wir die Streitereien hinter uns ließen.

HBM: Was bedeutete das für das Unternehmen?

Iger: Es war sehr wichtig für Disney. Denn Krieg ist zerstörerisch und lenkt die Mitarbeiter von ihren eigentlichen Aufgaben ab. Es ist sehr schwierig, ein Unternehmen zu führen, wenn überall Unruheherde schwelen. Statt produktiv zu arbeiten, wird gekämpft. Ich habe hart daran gearbeitet, die Schlachten bei Disney zu beenden. Und als wir es geschafft hatten, atmeten alle erleichtert auf.

HBM: Wo lagen noch Dinge im Argen?

Iger: Wir hatten technische Veränderungen bisher eher als Bedrohung statt als Chance angesehen. Ich habe das geändert, da ich glaube, wir sollten Technik als etwas Positives begreifen. Ursprünglich war dies ein wichtiger Teil der Unternehmenskultur: Walt Disney war sehr technikaffin.

HBM: Sie sollen sich über den "Ballast" Tradition, wie Sie es genannt haben, beschwert haben. Inwieweit wehren Sie sich immer noch dagegen?

Iger: Bei Disney gibt es seit Langem Spannungen zwischen Modernisten und Traditionalisten. Mein fester Grundsatz ist, die Tradition zu respektieren, aber gleichzeitig sicherzustellen, dass sich das Unternehmen auch weiterentwickelt. Wer zu sehr der Vergangenheit verhaftet ist, ist in der Regel weniger innovativ. Die Traditionalisten bei Disney melden sich immer mal wieder zu Wort.

HBM:Wie finden Sie die richtige Balance zwischen dem Schutz einer ehrwürdigen Marke und Innovation?

Iger: Tradition darf Innovation nicht im Weg stehen. Sicherlich müssen wir unsere Vergangenheit respektieren, aber es ist falsch, sie zu glorifizieren. Darüber müssen wir im Unternehmen ziemlich häufig nachdenken - zum Beispiel bei dem Thema herkömmliche zweidimensionale Tricktechnik oder dreidimensionale Computergrafik. Ist es verwerflich, 2-D-Animation als größtenteils überholt anzusehen und zu sagen, dass die Gegenwart und Zukunft der Computeranimation gehört? Es geht darum, dem Zuschauer ein besseres Filmerlebnis zu bieten - und 3-D gehört dazu.

HBM: In welchen Bereichen gibt es noch Spannungen zwischen der alten und der neuen Schule?

Iger: Es gibt Diskussionen über Micky Maus: Wie soll die Figur aussehen? Wie soll sie sich verhalten? Wie können wir es schaffen, dass eine Figur, die 1920 entstand - und die meistlizenzierte Figur weltweit ist - auch heute noch sehr beliebt bleibt? Manche sagen, "da dürfen wir nichts verändern". Nun, Walt tat es. Walt modernisierte kontinuierlich. Es gibt Menschen, die sind der Meinung, man sollte Dinge nur auf die Weise tun, wie "Walt es tat". Das ist geradezu lächerlich. Walt starb 1966. Hätten wir uns strikt an seine Vorgaben gehalten, wären wir in den 60er Jahren stehen geblieben Diese Haltung hört sich an wie eine buchstabengetreue Interpretation der amerikanischen Verfassung.

HBM: Wie soll sich Micky Maus stattdessen denn verändern?

Zum Weiterlesen können Sie das vollständige PDF-Dokument erwerben.

HBM-Editionen

Das Beste aus dem Harvard Business Manager
zu einem Thema




Nach oben