Wer ist der beste Bewerber? - Was Experten raten

Heft 9/2011

3. Teil: Philipp-André Plogmann, Softwarentwickler

Interne Bewerber kennen ein Unternehmen und dessen Prozesse gut.

Sie konnten bereits ein Beziehungsnetzwerk aufbauen, und insbesondere bei langjähriger Betriebszugehörigkeit kann man davon ausgehen, dass sie gut zur Unternehmenskultur passen. Eine kontinuierliche Personalentwicklung in Kombination mit Aufstiegschancen kann die Motivation der Mitarbeiter steigern und Leistungs träger langfristig an das Unternehmen binden.

Externe Bewerber hingegen bringen den Blick von außen mit, können eingefahrene Prozesse kritisch hinter - fragen und frischen Wind in das Unternehmen bringen. Darüber hinaus kann die Akzeptanz einer externen Füh - rungskraft unter den Mitarbeitern höher sein als bei einer aus den eigenen Reihen rekrutierten.

Christoph Matthes ist jemand, der sich mit dem Unternehmen identifiziert und aufgrund guter Leistungen aufgestiegen ist. Er hat in der Vergangenheit gezeigt, dass er Verantwortung übernehmen kann und will. Er hat keine Angst vor großen Veränderungen, sondern führt diese mit an. Sein kooperativer Führungsstil hat zu Ergebnissen geführt, die sowohl vom Management als auch von seinen Teammitgliedern angenommen wurden.

Birgit Albrecht hingegen ist eine bekannte und erfahrene Führungspersönlichkeit, die ihre Ziele fokussiert verfolgt. Sie ist ergebnisorientiert und bereit, ihre Entscheidungen auch gegen Widerstand und Kritik durchzu - setzen. Ihre mangelnde Erfahrung im Einkauf kann sie durch ihre Profes - sionalität und gute Vorbereitung kompensieren.

Die Kernaufgabe des neuen Einkaufsleiters ist die Einführung einer neuen Einkaufsstrategie. Insbesondere für den Erfolg von Strategieveränderungen ist es essenziell, dass diese von den betroffenen Mitarbeitern mitge - tragen und mitgelebt werden, um Blockadehaltungen und - damit einhergehend - ein negatives Betriebsklima zu vermeiden. Deshalb ist es notwendig, dass Ängste und Befürchtungen von Mitarbeitern ernst genommen werden und dass auf die Beschäftigten eingegangen wird. Ein negatives Betriebsklima kann sich nicht nur auf die Produktivität eines Unternehmens auswirken, sondern im Extremfall auch die Beziehungen zu Geschäftspartnern belasten.

Lothar Sellmann hat neben der Entscheidung zwischen internem und externem Bewerber auch die Entscheidung zwischen zwei grundsätzlich unterschiedlichen Persönlichkeiten zu treffen. Ich empfehle Sellmann, die Stelle des Einkaufsleiters mit Chris - toph Matthes zu besetzen. Durch seine integrative und kooperative Persönlichkeit kann er Mitarbeiter, Kollegen und Geschäftspartner auf dem Weg der Veränderung mitnehmen und einbinden.

Als langjähriger Mitarbeiter ist Matthes bei den Kollegen bekannt und genießt bereits ihr Vertrauen. Dies verschafft ihm bei der Vermittlung von Veränderungen Glaubwürdigkeit und Akzeptanz.

Darüber hinaus kann eine solche Besetzung der Startschuss für eine neue Personalentwicklungspolitik sein, die Mitarbeiter fördert und schrittweise an neue Aufgabengebiete und Verantwortungsbereiche heranführt. Allerdings sollte darauf geachtet werden, dass künftig ein gesunder Mix aus externen und internen Stellenbesetzungen gefunden wird.

Da bis zur Pensionierung von Rudolph Baum noch einige Monate verbleiben, empfehle ich, Matthes direkt aus seinem bisherigen Aufgabengebiet abzuziehen und durch Weiterbildungen und Trainings intensiv auf die neue Aufgabe vorzubereiten, sodass eine reibungslose Übergabe sichergestellt ist.

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© Harvard Business Manager 9/2011
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