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Heft 5/2011: Führen mit Weitblick | 19.05.2011

Kolumne

Die Zukunft in der Garage

Von Holger Rust

Microchip, Computer, Internet - viele erfolgreiche Unternehmer haben klein angefangen, nicht selten in einer Garage. Danach kann ja eigentlich nichts Revolutionäres mehr kommen, oder? Wir meinen: Obacht, halboffene Garage sollten Sie im Blick behalten!

Auf der Suche nach einem originellen Möbelstück verschlug's mich in eine etwas heruntergekommene Industriebrache, die nur aus Lagerhallen und alten Garagen besteht. In einer dieser Garagen nun stand das Tor einen Spalt breit offen, und man hörte und sah irgendwelche Typen, die an irgendetwas herumbastelten. Genauer kann ich die Szene leider nicht beschreiben, denn ich habe keine Ahnung, was da getrieben wurde.

Holger Rust ist Professor für Sozialwissenschaften mit den Schwerpunkten Arbeit, Wirtschaft und Karriere an der Universität Hannover. Daneben arbeitet er als Publizist und Unternehmensberater vor allem auf den Gebieten der Kommunikationskultur in Unternehmen.
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Holger Rust ist Professor für Sozialwissenschaften mit den Schwerpunkten Arbeit, Wirtschaft und Karriere an der Universität Hannover. Daneben arbeitet er als Publizist und Unternehmensberater vor allem auf den Gebieten der Kommunikationskultur in Unternehmen.

© Felix Scheinberger
Doch irgendwie packte mich die Unruhe: Was wäre wenn?

Es ist ja immerhin kaum fünf Jahrzehnte her, dass in solchen Garagen eine technologische Revolution vorbereitet wurde, die die Wirtschaftswelt und den Alltag von Milliarden veränderte. Und die, die das bewerkstelligten, waren keineswegs die Anzugträger in den Teppichetagen der Großunternehmen. Sie kamen zum Teil von Provinz-Colleges, wie Robert Noyce, der Mitgründer von Fairchild Semiconductor und Intel, auch genannt "Vater des Microchips". Und es ist nur etwas mehr als 30 Jahre her, dass Jobs, Wozniak und Wayne mit weniger als 2000 Dollar ihren Laden in einer Garage etablierten und ihn Apple nannten. Alberner Name, sagten damals viele. Genau wie zu Google, vor weniger als 20 Jahren: Wie kann man eine Firma so nennen? Das wird nie was! Und heute?

Das sollte uns eine Lehre sein, dachte ich, als ich vor dieser verdächtigen Garage in diesem heruntergekommenen Industrieviertel stand. Wenngleich die Verzagten darauf hinweisen, dass ja nun alles erfunden sei. Mag sein. Bei den Computern, beim Internet vielleicht. Aber es gibt ja auch noch andere wichtige Dinge. Vielleicht wurde gerade in dieser Garage, vor der ich unschlüssig stand, neu erfunden, was natürlicherweise reingehört: das Auto! Wäre aber so neu auch wieder nicht. Zum Beispiel zu dem Zeitpunkt, als die Technofreaks im Santa Ana Valley an der Verkleinerung der Bauteile für Computer herumbastelten, entdeckte der Journalist Tom Wolfe in ähnlichen Garagen in der Nachbarschaft eine Gemeinschaft von Autobastlern, die alte Serienmodelle in sogenannte Custom Cars verwandelten. Lange bevor unsere Soziologen das so nannten, setzten sie auf die verkaufsfördernde Kraft der Individualisierung und legten die Grundlagen der Mass Customization.

Die Idee von der Auto-Revolution ist aber vor allem wegen der Probleme naheliegend, die auf diesem Gebiet zu lösen sind. Und wenn selbst Daimler-Chef Zetsche öffentlich mit der Idee herumspielt, dass die Autos von morgen vermutlich fliegen und mit denen von heute gerade noch entfernt Ähnlichkeit haben werden, dann ist ja nichts undenkbar. Ich sehe sie lächeln, die Jungs und die Mädels in dieser Garage. Kennt Zetsche die vielleicht?

Ich ging dann aber doch weiter zum Möbellager. Denn vermutlich restaurierten die da drinnen nur einen Oldtimer oder bastelten ihrer Großmutter was zum Geburtstag. Das Triviale liegt ja als Erklärung meist näher. Aber ... wenn nun doch ...? Ich werde ein Auge drauf haben, vielleicht sind gerade sie es, die the next big thing vorbereiten, das nächste große Ding. Und vielleicht brauchen sie für den Anfang ein paar Tausender, und in einigen Jahrzehnten ... wer weiß? ... würden meine Erben meinen Mut und meine Weitsicht feiern.

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