Cloud Computing?

Was ist ...:

Von Michael Leitl
27. September 2010

Seit etwa zehn Jahren mehren sich IT-Dienstleistungen, bei denen die Kunden flexibel nach tatsächlicher Nutzung abrechnen können, vergleichbar mit dem Bezug von Strom und Wasser. Dabei liegen die zu bearbeitenden Daten irgendwo bei einem Drittanbieter im Rechenzentrum - und der Nutzer greift via Web-Seite auf sie zu. Damals hieß dieses Geschäftsmodell noch Application Service Providing (ASP), heute heißt es Software as a Service (SaaS) - oder schlicht Cloud Computing, abgeleitet von dem Wolkensymbol, das Programmierer zur Darstellung des Internets in Projektskizzen verwenden.

Die bekanntesten Vertreter dieser Technik sind vermutlich Google und Salesforce. Google bietet vor allem Dienste wie E-Mail-Verwaltung, Textverarbeitung und Tabellenkalkulation an. Salesforce hat sich dagegen auf Unternehmenssoftware spezialisiert und konkurriert mit SAP.

Der Begriff Cloud umfasst alle Arbeiten, bei denen ein Unternehmen wie Google anderen anbietet, seinen zentral organisierten Rechnerverbund zu benutzen. Der Service kann ein Computerprogramm sein wie die Textverarbeitung von Google, das Speichern von Daten wie bei Amazons Dienst S3 oder die Simulation von Computern inklusive Betriebssystem (Virtualisierung) wie bei Amazons Dienst EC2.

Allerdings verstehen selbst Experten nur selten, was genau Cloud Computing ist. Eine Untersuchung der IT-Beratung Gartner Group ergab, dass 37 Prozent der befragten IT-Chefs zwar an Cloud Computing interessiert sind. Die Auswertung von Detailfragen zeigte aber, dass die Kerndienste wie Datenspeicherung oder Virtualisierung sie kaum interessieren. Eine andere Untersuchung bestätigt diese Diskrepanz: Die Mehrheit der befragten IT-Chefs setzt seit Langem Mietsoftware ein - versteht dies aber nicht als Cloud Computing.

Neben der Begriffsverwirrung gibt es auch rechtliche Hürden. Für das Internet gibt es keine geografischen Grenzen, innerhalb einer Cloud können die Daten also in der ganzen Welt verwaltet werden. So kann der Service schnell mit den für Unternehmen geltenden Rechtsvorschriften kollidieren. Etwa mit dem Verbraucherrecht, wenn die Dienstleistung nicht nur selbst genutzt wird, sondern auch von Endverbrauchern, oder mit dem Handelsrecht, wenn etwa Buchungsbelege online verwaltet werden - diese aber im Inland aufbewahrt werden müssen (siehe www.datenschutzzentrum.de/ cloud-computing/).

Auch ist Cloud Computing langfristig nicht unbedingt billiger als die betriebsinterne Lösung. Zwar sind zum Beispiel die Betriebskosten einer in der Cloud verwalteten Web-Seite zu Beginn niedriger, vor allem wegen der eingesparten Kosten für Hardware und Energie. Doch die Cloud-Kosten steigen rapide mit der Zunahme der Kosten für Datentransfer. Das fanden die IT-Beraterin Amy Spellmann und ihre Koautoren heraus, als sie die Betriebs- und Energiekosten einer fiktiven Handels-Web-Seite über zwei Jahre verglichen.

Das Fazit des Leiters der Gartner-Group-Studie Mark McDonald ist entsprechend ernüchternd: Er orakelt, dass Cloud Computing schon bald im "Trog der Enttäuschung" verschwinden werde.

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