Von Nirmalya Kumar und Marco Bertini
Georg Tacke, Co-Vorstandschef von Simon-Kucher & Partners
Als Berater im Bereich Telekommunikation habe ich in den vergangenen 20 Jahren genau wie Joe Ulan viele solcher Situationen erlebt - wenn auch die Attacke des Wettbewerbers auf sein Unternehmen besonders heftig ausgefallen ist. Meridicoms fehlender Reaktionsplan und das Gehabe seiner Bereichsleiter kommt mir ebenso bekannt vor.
TelZips Angriff ist typisch für jene, die in neue Geschäftsfelder hineindrängen. Sie wählen einen Kriegsschauplatz, auf dem sie etablierte Betreiber treffen können, ohne zugleich als Kannibale enttarnt zu werden. In diesem Fall packt TelZip die große Waffe in Sachen Breitband-Internet aus: "Kostenlos für immer". Aber dies ist nur ein Service, die Kunden müssen immer noch für Mobilnetz und Festnetz zahlen.
"Mit den Preisen eines kleineren Wettbewerbers gleichzuziehen ist eine der schlechtesten Lösungen."
Nichts zu tun kann mitunter eine stichhaltige Strategie sein. Wie auch immer, in diesem Fall ist jedoch Handeln angesagt. TelZip hat eine beträchtliche Präsenz im Mobilfunkmarkt, und Meridicom hat unabhängig vom Angriff Aufgaben zu lösen. Es gibt kein Patentrezept für Joe Ulan, aber die folgenden Grundsätze könnten ihm helfen, einen praktikablen Handlungsplan aufzustellen:
1. Begrenzen Sie Ihre Antwort nicht auf Ihre Produkte, die im Fokus des Angriffs stehen. Eröffnen Sie stattdessen einen anderen Kriegsschauplatz, der ein geringeres Risiko für Kannibalisierung hat. Beispielsweise könnte Meridicom im Segment der Mobilservices zurückfeuern. Dort haben sie zwar nur einen Marktanteil von 5 Prozent, aber es würde den kleineren Wettbewerber TelZip in die Defensive zwingen.
Georg Tacke ist Co-Vorstandschef der Beratungsgesellschaft Simon-Kucher & Partners. Er ist zudem Referent und Autor zu Themen wie Marketingstrategie, Preispolitik und Vertriebsorganisation.
3. Machen Sie aus Ihrer breiten Produktpalette einen Vorteil. Schaffen Sie attraktive, gebündelte Angebote, und entwickeln Sie kluge Discountangebote, um Kunden zu halten und sie möglichst für alle Ihre Produkte zu gewinnen. Das ist besonders effektiv bei Geschäftskunden, da Preislisten und einzelne Preisniveaus für sie weniger wichtig sind als für Individualkunden.
Unglücklicherweise herrschen bei Meridicom Silodenken und technisch- fokussiertes Denken der alten Telekommunikationsindustrie vor. Moderne, kundenorientierte Organisationen wie Swisscom, Optus und Deutsche Telekom (frühere Kunden meiner Beratungsfirma) können Herausforderungen flexibler bewältigen, indem sie Ansätze wie Produktintegration, übergreifende Abrechnungen, zentrale Verträge (single points of contract) und angepasste Treueprogramme verfolgen. Meridicom sollte sich mehr wie diese Unternehmen verhalten.
Trends im Management, spannende Ideen oder kontroverse Diskussionen - exklusiv auf HBM Online