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Heft 6/2010: Der globale Manager | 14.07.2010

Fallstudie

"Firma oder Familie was ist wichtiger?" - Was Experten raten

3. Teil: Bart Victor, Professor für Moral Leadership

Bart Victor, Professor für Moral Leadership Across the Professions

Gino Duncan ist selbstverständlich sehr um den Gesundheitszustand seiner Tochter besorgt. Er erwartet wahrscheinlich, dass seine Mitarbeiter, das Management und die Aktionäre ihn wie auch seine Familie gern unterstützen. In der Vergangenheit hat er viele im Unternehmen mit seinem Engagement inspiriert. Andere haben Verständnis gezeigt für seine Herzenswünsche oder sich diese sogar zunutze gemacht. Doch was ist nun anders?

"Was Duncan unter dem Vorwand sozialer Verantwortung verlangt, ist nichts weiter als eine Erhöhung seines persönlichen Gehalts."

Zunächst einmal ist nichts falsch daran, wenn ein Unternehmen Initiativen, ein Heilmittel gegen eine seltene Krankheit zu finden, großzügig unterstützt - insbesondere nicht, wenn die Aktionäre soziales Engagement in Form von Spenden und Projekten gutheißen, wie es hier der Fall ist.

Es ist auch keinesfalls unange messen, wenn eine Führungskraft ihre Entscheidungen mit moralischen Argumenten rechtfertigt. Doch Duncan tut dies in der jetzigen Situation nicht, um zu inspirieren oder zu erziehen, sondern um einzuschüchtern. Sein persönlicher Stolz scheint zudem wenig Raum zu lassen, Leistungen anderer anzuerkennen.

In einem hervorragenden Jahr bezeichnet er DMBCs Rekordgewinne als zufällig - und nicht als Früchte der harten Arbeit und des großartigen Engagements seiner Mitarbeiter. Bereits vor dem tragischen Schicksalsschlag in seiner Familie begeisterte er sich mehr für soziale Projekte als für seine Mitarbeiter. Dadurch dass er ihren Beitrag nicht ausreichend würdigt, hat er sich selbst auf einen Sockel ge hoben.

Kritiker hoher Managergehälter und unternehmerischer Exzesse prangern gern an, dass sich Führungskräfte von allzu großer Gier leiten lassen. Gier ist sicherlich weitverbreitet, doch vielleicht ist Besitzstandsdenken noch häufiger und schädlicher.

BART VICTOR

Bart Victor ist Professor für Moral Leadership Across the Professions an der Vanderbilt University in Nashville, Tennessee.

Manager rechtfertigen diese Haltung vor sich selbst mit moralischen Argumenten. Ein Chef wie Duncan schaut in den Spiegel und glaubt jemanden zu sehen, der alles verdient, was er besitzt - und noch vieles mehr. Was er unter dem Vorwand sozialer Ver - antwortung verlangt, ist nichts weiter als eine Erhöhung seines persön lichen Gehalts.

Sollte Personalchefin Carolyn Brid ges versuchen ihn aufzuhalten? Aufgrund der im Fall geschilderten Fakten wird sie damit aller Voraussicht nach keinen großen Erfolg haben. Sie ist weder eine Vertrauensperson von Duncan noch eine Führungskraft mit Hausmacht. Der Firmenchef von DMBC entscheidet seinem Arbeitsstil ent - sprechend und wird darin durch seine persönlichen Ängste bestärkt. Jim Miniter, der Finanzchef des Unter - nehmens und langjährige Freund Duncans, weiß, dass es nicht der richtige Zeitpunkt ist, um sich ihm in den Weg zu stellen. Es erscheint fast weltfremd von Bridges, auch nur einen Einwand zu versuchen. Sie sollte sich vielmehr fragen, ob sie den Preis der Loyalität akzeptieren kann und ihren Job be - halten will.

Blättern: Teil 3 / 3

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