Die Topmanager von DM Bicycle Company (DMBC) kamen im Konferenzraum zusammen. Fast alle hatten Kaffeetassen, Blackberrys und die Agenda für das Treffen an diesem Morgen in den Händen. Da das Ende des Geschäftsjahres in Sicht war, wollte Unternehmenschef Gino Duncan die Umsatzerwartungen für 2011 besprechen.
"Guten Morgen", sagte er, "danke, dass Sie so früh gekommen sind. Ich weiß, dass Sie es alle nicht erwarten können, die Budgetpläne zu diskutieren. Doch bevor wir anfangen: Fällt Ihnen draußen irgendetwas Ungewöhnliches auf?", fragte er mit einer Handbewegung Richtung Fenster.
Bridges war schockiert. Das Unternehmen hatte drei Jahre lang die Gehälter nicht erhöht und manche sogar gekürzt. Doch Firmenchef Duncan schien die Absicht zu haben, einen erheblichen Teil der künftigen Gewinne in den Kampf um das Leben seiner Tochter zu stecken
Carolyn Bridges, DMBCs Personalchefin, spähte auf die Straße. Aus dem 10. Stock sah es so aus, als zöge dort eine Prozession glänzender Käfer entlang, die den Bicentennial Greenway hinunterkrabbelten. Doch es waren Radfahrer, deren Helme das grelle Sonnenlicht North Carolinas reflektierten. "Heute Morgen sind viele Fahrradfahrer unterwegs", sagte sie. Bridges war oft mit dem Fahrrad auf dem Greenway gefahren, seit sie bei der Firma arbeitete, aber sie konnte sich nicht daran erinnern, dort jemals so viele Leute gesehen zu haben.
"Richtig!", sagte Duncan. "Immer mehr Menschen fahren mit dem Fahrrad zur Arbeit. Und das ist eine gute Nachricht für uns."
Duncan hatte DMBC, heute eine Aktiengesellschaft, gegründet, weil Outdoor-Aktivitäten seine Leidenschaft waren und er ein Gespür für einzigartige Designs von Fahrrädern besaß. Alle 1500 Mitarbeiter des Unternehmens arbeiteten am Hauptsitz in Greensboro, wo die Räder auch gefertigt wurden. Sie hießen "Greenies", zu Ehren ihres Herkunftsortes.
Jeder im Raum wusste, dass die Auftragseingänge Rekordniveau erreicht hatten. Carolyn Bridges freute sich, endlich wieder neue Mitarbeiter für die auf Hochtouren laufende Produktion einstellen zu können. Sie hoffte, das starke Umsatzwachstum bedeutete auch, dass die Mitarbeiter wieder Boni bekommen würden. Diese waren aufgrund der Finanzkrise gestrichen worden. Doch ihre Freude währte nur kurz.
Seine Zuhörer nickten mitfühlend. Die meisten konnten sich noch gut daran erinnern, wie Nicole und ihre Brüder mit kleinen Fahrrädern rund um das Bürogebäude geflitzt waren. Duncan hatte die Diagnose seiner Tochter sehr hart getroffen, und er hatte mehrere Monate von Rochester im Bundesstaat New York aus gearbeitet, während seine Tochter sich experimentellen Behandlungsmethoden unterzog.
"Es ist eine erbliche Stoffwechselerkrankung. In den USA sind davon pro Jahr etwa 2 bis 4 von 100.000 Neugeborenen betroffen", fuhr Duncan fort. "Die ersten Symptome treten in der Regel im Alter zwischen fünf und zehn Jahren auf. Die Kinder werden nicht viel älter als 20. Symptome der Krankheit sind Verlust des Augenlichts, geistige Behinderungen und Epilepsie ..." Seine Stimme begann zu zittern. Nach einer kurzen Pause sagte er: "Wie Sie aus den Prognosen ersehen können, wird dieses Geschäftsjahr wahrscheinlich das beste in unserer 23-jährigen Firmengeschichte sein. Ich möchte diese überraschenden Gewinne gern zwischen einer neuen sozialen Initiative unseres Unternehmens zur Bekämpfung von VSS und den Boni für die Mitarbeiter aufteilen."
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