Von Eberhard Ulich und Philip Strasser
2. Teil: Was ist zu tun?
Die Kosten des Phänomens Präsentismus sind möglicherweise deutlich - nach einzelnen Untersuchungen um ein Mehrfaches - höher als die von Krankmeldungen. Neben der verminderten Produktivität gilt es auch andere Folgen zu berücksichtigen. So verzögern sich möglicherweise Entscheidungen, wenn die Verantwortlichen nicht voll leistungsfähig sind; die Betroffenen fällen zum Beispiel falsche Entscheidungen. Darüber hinaus können sich Beziehungen zu wichtigen Kunden verschlechtern, oder der Umgang mit Mitarbeitern leidet. Auch die Unfallgefahr am Arbeitsplatz steigt.
Was ist zu tun?
Eberhard Ulich war Direktor des Instituts für Arbeitspsychologie an der ETH Zürich. Er ist Seniorpartner des privaten Instituts für Arbeitsforschung und Organisationsberatung (iafob).
Philip Strasser ist Gesellschaftsarzt für den Versicherer Swisslife in Zürich sowie Experte für Arbeit und Gesundheit.
Die Literaturangaben finden sich in: Ulich, E.; Strasser, P.: Präsentismus, in: Journal Psychologie des Alltagshandelns/Psychology of Everyday Activity, Volume 3, No. 1, 2010.
Für das Gesundheitsmanagement ist das Topmanagement verantwortlich. Entscheidungsträger sollten sich bewusst machen, was Präsentismus für die Mitarbeiter und das Unternehmen bedeutet. Nur wer konsequent und systematisch analysiert, wie es um die betriebliche Gesundheitsförderung im Unternehmen steht, wird die Arbeitsbedingungen optimieren können. Analysen zu Gesundheit, Krankheit und Präsentismus im Unternehmen sollten nicht nur einmal erfolgen, sondern müssen von Zeit zu Zeit wiederholt werden.
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Geeignete betriebliche Maßnahmen setzen etwa bei der altersgerechten Arbeitsgestaltung an, ermöglichen flexible Arbeitszeitmodelle mit der Möglichkeit, an deren Planung mitzuwirken, bieten Betreuungsprogramme für Mitarbeiter an, die unter chronischen Krankheiten leiden. Viele Unternehmen haben in der Vergangenheit Gesundheitsdienste ausgelagert. Wir plädieren dafür, diese Aufgabe wieder in die Betriebe zurückzuholen. Fachärzte und Psychologen können als beratende und vermittelnde Instanz zwischen Management und Mitarbeitern fungieren. Die Vorgehensweisen von Unternehmen und externen medizinischen Diensten divergieren manchmal stark. Deshalb ist es wichtig, die koordinierte, sich ergänzende Zusammenarbeit zu fördern.
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