Trimm dich - aber richtig!

Gesundheitscoaching:

Von Ingo Froböse
Heft 4/2010

Nachts um 23 Uhr geht Microsoft-Deutschland-Chef Achim Berg laut Medienberichten mitunter noch Joggen. Axel Gruchow, Vorstandsmitglied bei der deutschen Messe AG, setzt sich dreimal pro Woche aufs Fahrrad. Von Otto-CIO Thomas Tribius weiß man, dass er Ultramarathons mit Distanzen von bis zu 200 Kilometern bestreitet.

Manager haben ein bequemes Leben und müssen nicht körperlich arbeiten. Sie fahren mit dem Taxi und mit dem Fahrstuhl, statt zu laufen oder Treppen zu steigen, und sind mit dem Rollenkoffer unterwegs, statt schwere Lasten zu tragen.

Mittlerweile hat sich die Erkenntnis, dass sportliche Aktivität ein wichtiger Ausgleich für dieses Leben ist, in den meisten Führungsetagen durchgesetzt. Es gehört deshalb zum guten Ton, etwas Platz für Fitness im überfüllten Terminkalender zu schaffen.

In ihrem Bestreben, auch diesen Teil ihres Lebens effizient zu organisieren, tun Manager jedoch oft zu viel des Guten und genau das Falsche. Die Personalberatung Heidrick & Struggles fand 2008 in einer Studie heraus: Joggen, Fitnessstudio und Radfahren gehören zu den Lieblingssportarten deutscher Topmanager. Da sie in der Regel auch im Fitnessstudio das Laufband aufsuchen - man kann dabei gleich-zeitig seinen Blackberry konsultieren -, konzentrieren sie sich zu sehr darauf, ihre Ausdauer zu trainieren. Viele verschlechterten dadurch ihren Gesundheitszustand, statt ihre Fitness zu steigern.

Alarmierende Anzeichen

Was passiert, wenn wir uns zu wenig belasten? Die Muskulatur muss nicht arbeiten und bildet sich zurück. Das Zent-rum für Gesundheit der Deutschen Sporthochschule Köln ermittelte, dass geringe Muskelaktivität bei 75 Prozent der untersuchten Manager zum Abbau großer Muskelgruppen führte. Dieses Phänomen wird in der Medizin als Sarkopenie bezeichnet. Dieses Leiden ist in der Literatur bislang eher im Zusammenhang mit Alterserscheinungen beschrieben worden. Wir haben nun festgestellt, dass sie zunehmend bei Managern mittleren Alters auftritt.

Äußerlich sehen Manager mit zu geringer Muskelmasse oft fit und schlank aus. Allerdings klagten 80 Prozent der Probanden in unserer Studie über Rückenschmerzen. Diese sind die unmittelbarste Folge einer reduzierten Muskulatur. Es verkürzen sich Bauchmuskeln und Hüftbeuger, und die innere, tiefe Rückenmuskulatur sowie der Gesäßmuskel bilden sich zurück.

Besitzen wir insgesamt zu wenig Muskelmasse, hat das auch Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System. Wir fühlen uns körperlichen Belastungen nicht mehr gewachsen, werden kurzatmig oder verspüren ein Engegefühl in der Brust. Noch verhängnisvoller ist ein Effekt, der im Verborgenen wirkt. Die Muskulatur ist unser größtes Stoffwechselorgan. Sie ist maßgeblich daran beteiligt, dass etwa Stresshormone abgebaut werden. Arbeitet sie nicht richtig, ist zum Beispiel die Temperaturregelung des Organismus gestört. Viele Manager kennen das: Ihnen ist ständig zu warm, oder sie bekommen kalte Schweißausbrüche.

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