Resilienz?

Was ist ...:

Von Michael Leitl
Heft 3/2010

Der Begriff Resilienz wird in unterschiedlichen Forschungsgebieten wie Physik, Ökologie und Psychologie verwendet. Vereinfacht beschreibt der Begriff die Fähigkeit von Stoffen (Flummi), Ökosystemen (Wälder) oder Menschen, großen Druck oder Stress ohne Schaden auszuhalten. Ein Flummi verformt sich, wenn er aufprallt - und kehrt als Kugel in die Hand des Werfers zurück. Wälder regenerieren sich nach einem Brand in der Regel schnell, und manche Menschen blühen in Krisensituationen förmlich auf, während andere sich vom Stress unterkriegen lassen.

Resilienz: Druck oder Stress ohne Schaden aushalten
Corbis

Resilienz: Druck oder Stress ohne Schaden aushalten

Die Grundlagen für das Verständnis der Widerstandsfähigkeit gegenüber Krisen stammen aus zwei unterschiedlichen Forschungsrichtungen. Die erste untersuchte, wie die Muster, mit denen wir die Welt erfassen, unsere Reaktion auf Stresssituationen prägen. Wegbereiter dieses Forschungsprojekts waren der amerikanische Psychologe Albert Ellis und der Psychiater Aaron Beck. Ellis gehörte zu den Wegbereitern kognitiver Verhaltenstherapien.

Die zweite Forschungsrichtung untersuchte, was zwei verschiedene Personengruppen, die intensiven Stress erlebten, voneinander unterscheidet. Als eine der ersten Forschungsarbeiten gilt die Untersuchung der amerikanischen Entwicklungspsychologin Emmy Werner. Sie beobachtete die Entwicklung aller 698 im Jahr 1955 geborenen Kinder der Insel Kauai (Hawaii), bis diese 40 Jahre alt waren. Besonders interessierte sie sich für die 201 Kinder aus sozial schwachen Familien. Werner fand heraus, dass zwei Dritteln dieser Kinder später kein geregeltes Leben gelang. Einem Drittel aber war im Erwachsenenalter die schwierige Kindheit nicht mehr anzumerken.

Diese resilienten Kinder waren laut Werner und anderen Wissenschaftlern flexibel, ausgeglichen und wenig ängstlich. Mit der Zeit befassten sich immer mehr Forscher wie zum Beispiel die amerikanischen Psychologen Karen Reivich und Andrew Shatté mit dem Thema Resilienz. Sie wollten wissen, wie Menschen ihre Widerstandsfähigkeit stärken können. Seit einigen Jahren untersuchen vor allem amerikanische Psychologen das Phänomen auch in der Welt des Managements. Sie entwickelten zahlreiche Resilience-Programme, die Arbeitnehmern helfen sollen, im Arbeitsalltag besser zurechtzukommen.

Inzwischen bieten auch viele Coachs, Berater und Psychologen in Deutschland das Thema Resilienz an. Allerdings scheint es relativ schwierig zu sein, reine Buzzword-Huberei von fundierten Angeboten zu trennen.

Artikel
© Harvard Business Manager 3/2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH
Unsere Bestseller
  • HBM 9/2012
    Schwerpunkt
    So funktioniert moderner Vertrieb

    Zum Heft
  • HBM 12/2012
    Change Management
    In Zeiten schnellen Wandels

    Zum Heft
  • HBM 5/2013
    Geschickter verhandeln
    Wie Sie Emotionen klug einsetzen und auch in komplexen Situationen gute Ergebnisse erzielen

    Zum Heft
Nach oben