Von Michael Leitl
Der Begriff Resilienz wird in unterschiedlichen Forschungsgebieten wie Physik, Ökologie und Psychologie verwendet. Vereinfacht beschreibt der Begriff die Fähigkeit von Stoffen (Flummi), Ökosystemen (Wälder) oder Menschen, großen Druck oder Stress ohne Schaden auszuhalten. Ein Flummi verformt sich, wenn er aufprallt - und kehrt als Kugel in die Hand des Werfers zurück. Wälder regenerieren sich nach einem Brand in der Regel schnell, und manche Menschen blühen in Krisensituationen förmlich auf, während andere sich vom Stress unterkriegen lassen.
Die Grundlagen für das Verständnis der Widerstandsfähigkeit gegenüber Krisen stammen aus zwei unterschiedlichen Forschungsrichtungen. Die erste untersuchte, wie die Muster, mit denen wir die Welt erfassen, unsere Reaktion auf Stresssituationen prägen. Wegbereiter dieses Forschungsprojekts waren der amerikanische Psychologe Albert Ellis und der Psychiater Aaron Beck. Ellis gehörte zu den Wegbereitern kognitiver Verhaltenstherapien.
Die zweite Forschungsrichtung untersuchte, was zwei verschiedene Personengruppen, die intensiven Stress erlebten, voneinander unterscheidet. Als eine der ersten Forschungsarbeiten gilt die Untersuchung der amerikanischen Entwicklungspsychologin Emmy Werner. Sie beobachtete die Entwicklung aller 698 im Jahr 1955 geborenen Kinder der Insel Kauai (Hawaii), bis diese 40 Jahre alt waren. Besonders interessierte sie sich für die 201 Kinder aus sozial schwachen Familien. Werner fand heraus, dass zwei Dritteln dieser Kinder später kein geregeltes Leben gelang. Einem Drittel aber war im Erwachsenenalter die schwierige Kindheit nicht mehr anzumerken.
Inzwischen bieten auch viele Coachs, Berater und Psychologen in Deutschland das Thema Resilienz an. Allerdings scheint es relativ schwierig zu sein, reine Buzzword-Huberei von fundierten Angeboten zu trennen.