Von Holger Rust
Nun wird oft gemutmaßt, es sei die harte Ausbildung, vor allem die Mathematik. Ich halte das für hanebüchen - wenn man sich nur mal anschaut, was das Massenstudium der BWL auf diesem Gebiet an Spezialitäten bereithält. Selbst Kandidaten, die sich - nur zum Beispiel - in die Soziologie flüchten, treiben es bald mit der schließenden Statistik auf die Spitze. Mal ganz abgesehen davon, dass man schon einen leichten Masochismus verspüren muss, um in die Systemtheorie des Niklas Luhmann einzutauchen. Da erscheint manches technische Fach als butterweiche Disziplin.
Das kann's also nicht sein.
Aber was dann?
Nach vielen Gesprächen schwant mir Schreckliches: Wir könnten viel mehr Ingenieurinnen und Ingenieure haben, wenn man ihnen sagen würde, wozu! Ich weiß, ich weiß: Wir brauchen Ingenieure, um die Zeit zu verkürzen, die von der Idee eines Produkts zu seiner Marktreife führt. Wir hören es ja jeden Tag, von allen möglichen Bildungsfunktionären. Ingenieure sollen funktionieren, zum Wohl der Volkswirtschaft, sich mit Produktvariationen und neuen Fertigungstechniken zur Bewältigung der globalen Konkurrenz befassen. Höhere Angestellte eines "postvisionären" Zeitalters.
So war es immer. Und deshalb sollten die Bildungsfunktionäre schleunigst dafür sorgen, dass junge Menschen in den Schulen wieder träumen. Nicht von neuen Applikationen auf alten Geräten, sondern von neuen Dimensionen der alten Welt. Was wir brauchen, sind Visionen, geistige Abenteuer, Utopien, Grenzüberschreitung, Wahnsinn, wie zu den Zeiten, als man schaudernd daran dachte, ohne Pferde mit sagenhaften 30 Stundenkilometern voranzupreschen! Zu fliegen! Den Mond zu erobern! Und als gefeierte Pioniere neue Wirklichkeiten zu erschaffen!
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