Von Jakob Izbicki und Oliver Mann
Viele Führungskräfte haben damit zu kämpfen: Im Meeting direkt nach dem Mittagessen verspüren sie ein brennendes Schmerzgefühl, das aus dem Oberbauch hinter dem Brustbein aufzusteigen scheint. Mehr als die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung in den westlichen Industrienationen leidet an Sodbrennen, überwiegend Männer jenseits des 50. Lebensjahres.
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Auslöser der Beschwerden ist scharfes, fettiges Essen oder Alkohol. Oft treten sie auch in nüchternem Zustand oder nachts auf. Sie schränken die Lebensqualität ein und beeinträchtigen die Leistungsfähigkeit von Führungskräften erheblich. Neben saurem Aufstoßen gehören Schmerzen, Schlafstörungen, Heiserkeit und sogar Irritationen des Bronchialsystems dazu. Nicht selten deuten Hausärzte die Symptome als Herzleiden fehl.
Ursache dieses Krankheitsbildes ist ein Versagen des komplexen Schließapparats im Bereich der unteren Speiseröhre. Dort befindet sich auch der Speiseröhrenschließmuskel. Er dient als Ventil, das Speisen bei der Nahrungsaufnahme in den Magen passieren lässt. Gleichzeitig verhindert er, dass Mageninhalt in die Speiseröhre zurückfließt. Wenn der Übergang zum Magen nicht mehr richtig schließt, können Mageninhalt und Säure in zu großer Menge in die Speiseröhre zurückfließen. Normalerweise transportiert die Speiseröhre begrenzte Mengen dieses sogenannten Reflux durch Pumpbewegung wieder in den Magen zurück. Ist der Schließapparat kaputt, reicht dieser Selbstreinigungsmechanismus nicht mehr aus. Die Speiseröhrenschleimhaut entzündet sich, weil sie keine Schutzmechanismen gegen den aggressiven Reflux besitzt.
Hilfe zur Selbsthilfe
Leichte Beschwerden lassen sich teilweise in den Griff bekommen, indem Führungskräfte einige ihrer Lebensgewohnheiten umstellen. Achten Sie zum Beispiel darauf, was Sie essen, wie viel und wann Sie es zu sich nehmen:
Schaffen diese Maßnahmen keine Linderung, helfen Medikamente, die Säure zu binden oder die Säureproduktion zu reduzieren. Bevor der Patient diese einnimmt, sollte aber ein Arzt prüfen, ob sich der größte Teil der Entzündung eher an der Speiseröhre oder eher im Magen befindet und wie beeinträchtigt der Verschlussmechanismus ist. Weiterhin lassen sich auf diese Weise Gewebeproben der Schleimhaut nehmen und untersuchen. Zusätzlich wird die Konzentration der Säure gemessen, und weitere Tests werden durchgeführt.
Verschriebene Medikamente müssen über mehrere Monate eingenommen werden. Treten die Beschwerden kurz nach Absetzen wieder auf, kann man von einer chronischen Refluxerkrankung ausgehen. Dann ist eine Dauermedikation (in der Regel lebenslang) mit Säureblockern erforderlich, eventuell in Kombination mit Medikamenten, welche die Beweglichkeit der Speiseröhre verbessern.
Der Nachteil: Die Medikamente bekämpfen nicht die Ursache. Die Säureblocker verlieren nach zunächst erfolgreicher Therapie häufig ihre Wirkung, und es treten erneut Beschwerden auf. Oder der Patient lehnt eine medikamentöse Behandlung ab, vielleicht verträgt er die Arzneimittel nicht.
Operation durchs Schlüsselloch
Muss an der Speiseröhre operiert werden, setzen Chirurgen minimalinvasive, sogenannte Schlüssellochverfahren ein, bei denen sie durch kleine Einstiche operieren. Sie verstärken dabei unter anderem den Schließmuskel durch eine Manschette. Wenn dies gelingt, sind der Reflux und die damit verbundenen Beschwerden sofort beseitigt. Das Verfahren ist schmerzarm, es wird keine störende Magensonde erforderlich, Patienten können in der Regel schon am ersten Tag nach der Operation wieder etwas essen.
Endoskopische Techniken, bei denen über ein in den Mund eingeführtes Röhrchen Substanzen direkt an der Speiseröhrenwand injiziert werden können, um die Wand zu verdicken und damit den Rückfluss zu verhindern, befinden sich erst im Erprobungsstadium.
Eine schnelle Diagnose sowie eine komplikationsarme Behandlung der Refluxkrankheit gewährleisten interdisziplinäre gastroenterologische Zentren, bei denen Spezialisten aus innerer Medizin und Chirurgie zusammenarbeiten.