Von Eric McNulty
5. Teil: Drei Millionen Miau-rrr-Kätzchen
Im Raum wird es still. Allen im Team dämmert: Sie stehen nicht nur vor der Herausforderung einer Nachfragespitze nach Timmy-CD-Roms, sondern vermutlich auch vor einem drastischen Einbruch des Interesses am Modell Miau-rrr.
Pfefferkuchen zuckt erschreckt zusammen, denn laut seinem Versandfertig-Report warten mehr als zehn Millionen Miau-rrr nur darauf, gewünscht und verschenkt zu werden. Er überlegt einen Moment lang, ob sich aus dem Spielzeug etwas anderes machen ließe, doch nur wenige Komponenten des Plüschkätzchens sind recyclingfähig.
"Die Verbreitung von Handys hat in Afrika mächtig zugenommen, deshalb könnten wir auch dorthin etliche Einheiten umlenken", meint er. Aus den blauen Augen von Schnurzelpurz leuchten der ewige Optimismus eines Marketingexperten und der schelmische Übermut eines Wichtels. "Und ich würde den deutschen Markt noch nicht ganz verloren geben. Die Fans von Babette Miedermann wünschen sich Miau-rrrr womöglich jetzt erst recht, um ihre Solidarität zu bekunden."
"Falls das funktioniert, ist es ein Paradebeispiel für gelungenes Wichtel-Marketing." Der Weihnachtsmann sieht Resi Rechenhex an. "So viel ich weiß, können wir unsere Listen nach brav und böse sortieren. Können wir auch zwischen Miedermann- und Ratterfeld-Fans unterscheiden?"
"Nein, Chef", erwidert Rechenhex. "Im Vor-Teenie-Alter wechseln die Starpräferenzen bei Mädchen zu häufig. Ich kann Ihnen höchstens die Barbie-Fans rausfiltern."
Nun wendet sich der Santa Claus wieder an Willi Schnurzelpurz. "Was heißt das im Ergebnis für uns?" Er wirft eine Hand voll rot und grün verpackter Pfeffernüsse aus einer der Schalen auf die Mitte des Tisches.
Schnurzelpurz räuspert sich und reckt den Kopf. "Wir können bestimmt noch sieben bis siebeneinhalb Millionen Einheiten absetzen." Eine ungewohnt ernste Stimmung breitet sich aus - die Wichtel stellen sich bildlich drei Millionen Miau-rrr-Kätzchen vor, die am 25. Dezember im Lager liegen geblieben sind, weil sie keiner wollte. Und, schlimmer vielleicht, Millionen enttäuschter Kinder, die keine Tiger-Timmy-CD-Rom unterm Baum finden.