Von Eric McNulty
3. Teil: Verflixte Globalisierung
Auf dem Weg nach Haus macht Santa Claus einen kleinen Abstecher zu den Stallungen, um wie jeden Tag nach seinen Rentieren zu sehen. Er braucht den jungen Rentierkälbern nur ein paar Minuten bei ihren übermütigen Spielen zuzuschauen und ihnen ein paar Karotten zu geben, um sich wieder daran zu erinnern, wie sehr er die Festtage liebt - und die leuchtenden Augen der Kinder, wenn die Geschenke unter dem geschmückten Weihnachtsbaum liegen.
Vielleicht sollte er Resi Rechenhex bitten, nach einem Upgrade zu suchen, mit dem er seinen Flugplan dem aktuellen Wetterradar anpassen könnte. Vielleicht sollte er in schnellere Rentiere investieren - oder sogar den Schlitten motorisieren. Doch dann schweift sein Blick zu der Koppel zurück - und der Weihnachtsmann spürt, dass er es niemals übers Herz brächte, sich von Rudolf Rotnase und seiner Herde zu trennen. Schnellen Schrittes geht er auf sein Haus zu. Es hat ein Spitzgiebeldach mit einem Lebkuchenrelief und sieht neben den massiven Klinkerhallen beinahe aus wie ein Puppenhaus.
Nachdem er das Haus betreten hat, gießt Santa Claus Milch über sein Zimtmüsli. Im übergroßen Natursteinherd hinter ihm knistert ein Feuer. Seine Frau tritt zu ihm und klopft ihm liebevoll auf die Schulter. "Um diese Zeit ist es doch immer hektisch", meint sie. "Aber du und die Wichtel, ihr schafft es am Ende doch jedes Jahr."
"Du machst dir zu viele Sorgen", beschwichtigt ihn seine Frau. "Du kannst dich immer noch auf deine gute Intuition verlassen. Du verstehst die Kinder, du kennst ihre Wünsche - sogar besser als sie selbst. Sie schreiben ihre Wunschzettel immer wieder um, je nachdem, was im neuesten Werbespot zu sehen ist. Aber du weißt, was sie wirklich lieben. Und das ist das ganz Besondere an einem Geschenk, das einem der Weihnachtsmann bringt."
Santa Claus schlüpft in seine Jacke, zieht den breiten schwarzen Gürtel um seinen Bauch etwas fester und macht sich wieder auf den Weg in die Fabrik. Er weiß zwar, dass seine Frau Recht hat, aber er weiß auch, dass selbst Wichtelzauber nicht jede Situation retten kann.