Welche Vorsorge sich auszahlt

Check-ups:

Von Anthony L. Komaroff
Heft 11/2009

Es ist sinnvoll, wenn Unternehmen ihre Toptalente schützen. Die Leistungsträger finden oft nicht genügend Zeit, sich mit ihrer Gesundheit zu beschäftigen. Hier kommen speziell auf die Bedürfnisse von Führungskräften zugeschnittene Screenings ins Spiel. Diese ein oder zwei Tage dauernden Untersuchungen dienen der Prävention, fügen sich in volle Managerterminpläne ein und fördern langfristig das Wohlbefinden und die Produktivität der wichtigsten Leistungsträger im Unternehmen.

22 Prozent der in den "Fortune" 500 gelisteten Unternehmen (in diesem Index sind 39 deutsche Firmen vertreten - Anm. d. Red.) boten 2008 spezielle Vorsorgeuntersuchungen für ihre CEOs an. Das geht aus einer Studie der Beratungsfirma Towers Perrin hervor. Diese Pakete umfassen Basis-Check-ups genauso wie Aufenthalte in Luxus-Spas und Hotels. Die Kosten dafür belaufen sich auf 600 bis 3000 Euro. In der Regel zahlt der Arbeitgeber, nicht die Krankenversicherung dafür. Möglicherweise ist das im Verhältnis zum angenommenen Nutzen eine kleine Aufwendung. Tatsächlich halten diese Angebote oft nicht, was sie versprechen.

Derartige Pakete enthalten eine umfangreiche Untersuchung, detaillierte Blutanalysen, Seh- und Hörtests, Checks in Bezug auf Herzkrankheiten, Krebs, Osteoporose und andere chronische Leiden. Die teuersten bieten einen Scan des Herzens oder des gesamten Körpers mithilfe eines Computertomografen (CT). Offenbar hoffen die Arbeitgeber, dass eine Untersuchung, wenn sie nur gründlich und effizient genug ist, verborgene Krankheiten aufspürt, solange sie noch behandelbar sind. Selbst wenn man keine Krankheit findet, wird sich die Führungskraft zumindest umsorgt fühlen. Dennoch bedeutet in der Präventionsmedizin mehr nicht unbedingt besser.

Es gibt nur sehr wenige Screenings, die Krankheiten entdecken, bevor sie zum Problem werden. Eine unabhängige Kommission von Hausärzten und Präventionsexperten in den USA (US Preventive Services Task Force) prüft Initiativen der Gesundheitsförderung.

Die Kommission empfiehlt, nur einige wenige Vorsorgeuntersuchungen durchzuführen, diese aber regelmäßig, am besten jährlich. Dazu gehören Checks in Bezug auf wenig gesundheitsförderliche Verhaltensweisen wie zum Beispiel Rauchen, Alkoholkonsum, schlechte Ernährung und ein Mangel an Bewegung. Regelmäßiges Wiegen, Blutdruckmessen und Cholesterintests sind sinnvoll. Finden die Ärzte ein Problem, können sie dem Patienten vorbeugende Maßnahmen verordnen. Die Kommission unterstützt zum Beispiel niedrige Dosen Aspirin für Erwachsene, die ein erhöhtes Risiko für Herzerkrankungen haben. Oder Medikamente, die die Wirkung von Östrogenen neutralisieren, für Frauen, die ein erhöhtes Risiko haben, an Brustkrebs zu erkranken.

Auch eine Auswahl bildgebender Verfahren gehört zu den Empfehlungen: Ultraschall, um Ausweitungen der Bauchschlagader (abdominales Aortenaneurysma) erkennen zu können (für 65- bis 75-jährige Männer, die immer geraucht haben), Mammografien und Knochendichtemessungen bei Frauen über 65, Darmspiegelungen für Menschen über 50.

Weitere Verfahren empfehlen die Experten nicht, auch wenn diese häufig zu den präventionsmedizinischen Katalogen für Führungskräfte gehören. Zum Beispiel CTs des ganzen Körpers und der Koronararterien. Es gibt sogar führende wissenschaftliche und medizinische Organisationen, die davor warnen, diese Scans als Methode zu nutzen, um Krankheiten zu erkennen. Im ersten Moment denken Sie sicher, dass eine Technik, die eine tief im Körper schlummernde Krankheit aufspürt, ohne dem Patienten ein Haar zu krümmen, auf jeden Fall gut ist. Dennoch: Die Scans kosten viel Geld und ihr Nutzen ist nicht erwiesen. Die meisten Krankenversicherungen (das gilt auch für die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland - Anm. d. Red.) würden sie in einem präventivmedizinischen Kontext nicht bezahlen.

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