Welche Vorsorge sich auszahlt

Heft 11/2009

2. Teil: Die Ärzte sind zu beschäftigt

Darüber hinaus gibt es Risiken. In vielen Fällen liefern die Verfahren "falsch positive" Ergebnisse. Sie bilden zum Beispiel verdächtig aussehende Stellen ab, die sich später als gutartig entpuppen. Dennoch beunruhigt sich der Patient unnötig, und er muss in der Folge weitere Tests absolvieren, die wesentlich invasiver sind. Die Verfahren können auch "falsch negative" Ergebnisse liefern. Es sieht aus, als sei alles in Ordnung, dabei ist der Patient krank. Er wiegt sich in Sicherheit und übersieht frühe Warnsignale seines Körpers. Möglicherweise zeigt ein CT der Herzkranzgefäße, das erst vor kurzer Zeit angefertigt wurde, ein niedriges Risiko für eine Herz-Kreislauf-Krankheit an. Dennoch sollte eine Führungskraft ihrem Arzt von dem Engegefühl in der Brust und der leichten Übelkeit erzählen, die auftritt, wenn sie zehn Minuten auf dem Ergometer gesessen hat. Tut sie es nicht, kann es sie das Leben kosten.

Check-ups: Die Möglichkeiten sind unendlich.
Maren Amini

Check-ups: Die Möglichkeiten sind unendlich.

Ein anderes Thema ist die radioaktive Strahlung, der ein Körper im CT ausgesetzt ist. Die Strahlung einer Ganzkörperaufnahme entspricht der Dosis von 400 Brustaufnahmen. Laut der National Academy of Sciences verursacht diese Strahlung in einem von 1000 untersuchten Fällen Krebs.

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Diese bildgebenden Verfahren haben einen großen Wert für die Diagnostik, wenn eine Person bereits Symptome zeigt. Beim Screening von Patienten ohne Symptome sind sie einen Erfolgsnachweis bislang schuldig geblieben. Da die bildgebenden Verfahren ständig besser und sicherer werden, kann der Tag kommen, an dem die Risiko/Nutzen-Abwägung es rechtfertigt, auch gesunde Menschen zu durchleuchten.

Die von der Kommission empfohlenen Maßnahmen dagegen sind erwiesenermaßen sinnvoll. Seriöse wissenschaftliche Ergebnisse stützen jede von ihnen. Nicht nur das: Jede dieser Untersuchungen kann in einer Arztpraxis durchgeführt werden. Viele Führungskräfte werden in Institutionen behandelt, die weit von ihrem Arbeitsort entfernt sind. Es ist viel sinnvoller, einen Arzt zu konsultieren, der die Krankheitsgeschichte der Führungskraft kennt. Laboruntersuchungen sollten nicht von einem Arzt angeordnet werden, der den Patienten nie wieder sieht. Es sollte der Hausarzt beziehungsweise die Hausärztin sein.

Ich muss zugeben, dass die meisten Hausarztpraxen eine solche Form der Präventivmedizin nicht effektiv und effizient durchführen. Es gibt kein System, das die Mediziner an die Empfehlungen der Hausarzt- und Präventionskommission erinnert. Die Ärzte sind zu beschäftigt oder vergessen schlicht, sie umzusetzen. Dazu kommt, dass die empfohlenen Verfahren meist eine oder mehr zusätzliche Konsultationen erfordern - ein großer Zeitverlust für den Manager.

Anthony L. Komaroff
Anthony L. Komaroff ist Professor für Medizin an der Harvard Medical School und Chefredakteur der Harvard Health Publications. Dieser Beitrag entstand in Kooperation mit Harvard Health Publications.
Wenn ich das Sagen hätte, würde ich Hausarztpraxen und ihre übergeordneten Organisationen zwingen, die Präventionsmaßnahmen, die in einem erwiesenermaßen günstigen Kosten-Nutzen-Verhältnis stehen, gründlich und effizient (in einem Acht-Stunden-Block) durchzuführen.

Den Löwenanteil der Kosten für die Prävention würde die Krankenversicherung bezahlen, weil ihr Nutzen erwiesen ist, und Manager müssten keine Reise in eine andere Stadt antreten. Führungskräfte bekommen, was sie benötigen, sie würden von ihren eigenen Ärzten behandelt, sie würden Zeit sparen, und Arbeitgeber könnten Geld sparen.

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