Von Holger Rust
Irgendwie soll dieser Hinweis erklären, wie ein junger Mensch aus gutem Haus später zu einem so unkonventionellen Managementvordenker avancieren konnte. Da schwingen Assoziationen mit von tiefgründigem Gespräch und intellektueller Brillanz.
Ich glaube aber, da ist noch etwas anderes, typisch Wienerisches, und das ist die in vielen Schlachten geprägte rhetorische Kampfeslust, und diese Schlachten finden täglich statt, vom Frühstück im Kaffeehaus bei vielfältiger Interpretation der Zeitungsmeldungen bis hin zur Neuerfindung der Welt am Abend im Stammbeisl im Wiener Innenstadtbezirk. Da trifft sich in munterer Mischung alles - vom Künstler über die Kolumnistin und den berühmten Lungenfacharzt bis zum Manager. Und alle haben das Recht, sich ansatzlos in jedes wabernde Gespräch einzumischen - wobei es nicht zimperlich zugeht. Es ist unwahrscheinlich, dass auf den "illustren Soireen" damals eine andere Atmosphäre herrschte, wenn etwa der recht eitle Schumpeter oder der rationalistische Hayek auf psychoanalytische Durchblicker und scharfzüngige Autoren trafen, deren beißende Bonmots bis heute jeden Streit würzen.
Sie werden das alles verstehen, liebe Leserin und lieber Leser, wenn Sie beim Heurigen auf dem Kahlenberg sitzen, mit dem vom frischen Wein leicht illuminierten Blick auf die nächtliche Stadt, die Schrammelmusiker spielen, und am Nebentisch meint einer auf den Einwurf seines Gesprächspartners, dass es ein bestimmtes Wort gar nicht gäbe: "Eh gibt's des Wort - i hab's ja selbst erfunden!" In solchen Momenten gewinnt man einen kleinen Eindruck davon, wie es vielleicht auch auf den illustren Soireen zugegangen sein mag, die den Geist des jungen Drucker dazu inspirierten, viele Worte zu erfinden, die es vorher nicht gab.
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