Freeconomics?

Was sind ...:

Von Britta Domke
Heft 10/2009

Obwohl? Nein, weil der Download nichts kostet. Denn so verbreitete sich der Song in kürzester Zeit - und begeisterte auch solche Fans, die das Lied zwar besitzen wollten, aber das Gratisangebot gar nicht kannten.

Moby hat, ohne es zu ahnen, das Prinzip der Freeconomics für sich entdeckt

Moby hat, ohne es zu ahnen, das Prinzip der Freeconomics für sich entdeckt

Damit hat Moby, ohne es zu ahnen, das Prinzip der Freeconomics für sich entdeckt: Verschenke ausgewählte Produkte und mache damit so viele Menschen auf dein Angebot aufmerksam, dass du über andere Kanäle viel Geld verdienen kannst.

Neu ist die Idee nicht. Seit es Handel gibt, locken Unternehmer ihre Kunden mit Probierhappen und kleinen Geschenken an. Doch erst der Aufstieg des Internets hat daraus ein ganz neues Geschäftsmodell gemacht. Seit Chris Anderson 2007 im "Economist" darüber schrieb, hat es auch einen Namen: Freeconomics, zu Deutsch Gratiswirtschaft.

In diesem Jahr veröffentlicht der Chefredakteur des US-Technologiemagazins "Wired" und Autor der Long-Tail-Theorie ein Buch ("Free - Kostenlos. Geschäftsmodelle für die Herausforderungen des Internets", Campus 2009) über das Prinzip, das auch jenseits der Netzwelt Anhänger findet: Werbefinanzierte Gratiszeitungen gehören ebenso dazu wie Billigfluglinien (etwa Ryanair) und das Projekt Better Place des Elektroautounternehmers Shai Agassi, der in Zukunft - wie bei einem Handyvertrag - Autos verschenken oder zu stark reduzierten Preisen verkaufen und nur die Stromnutzung in Rechnung stellen will.

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Den Verfechtern der Freeconomics geht es nicht darum, Produkte und Dienstleistungen aus lauter Menschenliebe kostenlos abzugeben. Ihr mittelfristiges Ziel bleibt der materielle Profit. Daraus macht auch Science-Fiction-Autor Cory Doctorow kein Hehl: "An erster Stelle möchte ich so viele Bücher wie möglich verkaufen und steinreich werden", betont er immer wieder.

Das Geschäftsmodell beruht auf der Überlegung, dass bei digitalen Produkten wie E-Books, Software oder Musikstücken die Grenzkosten jeder zusätzlich abgegebenen Einheit gegen null tendieren. Ist die Datei einmal erstellt, kostet jeder weitere Download den Anbieter nichts mehr. So weit die Theorie. In der Praxis jedoch fallen weiterhin Server-, Strom- und Leitungskosten an - ein Aspekt, den die Befürworter der Freeconomics gern verschweigen.

Seite
1
2
Artikel
© 2009 Harvard Business Manager
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH
Nach oben