Von Britta Domke
2. Teil: Das Freemium-Modell
Der Lohn ist die Aufmerksamkeit der Massen. Diese allein reicht den meisten Anbietern von Gratisprodukten jedoch nicht. Um zuverlässig Geld zu verdienen, setzen sie auf das Freemium-Modell, bei dem sie ein abgespecktes Basisangebot verschenken ("free"), aber für die Vollversion Geld verlangen ("premium"). Nach einer Studie der britischen Internetberatung Box UK hat sich dieses Geschäftsmodell mittlerweile zum zweithäufigsten im Netz entwickelt. Nur werbefinanzierte Angebote sind noch weiter verbreitet.
Als typisches Beispiel gilt das Online-Netzwerk Xing, das mithilfe seines kostenlosen Basisangebotes mehr als acht Millionen Mitglieder angelockt hat. Davon zahlen rund 630 000 für Premiumdienste - eine Zahl, die Xing mit einer deutlich kleineren Community wohl kaum erreicht hätte.
"Die Internetbranche lügt sich in die Tasche, wenn sie denkt, dass ,gratis' das Erfolgsrezept der Zukunft sein wird."
Andreas Göldi, Schweizer Internetexperte
Denn je mehr Unternehmen auf Gratisangebote setzen, desto größer ist ihr Risiko, mit diesem Modell zu scheitern. Wer sich über Online-Werbung finanziert, muss den Kuchen mit immer mehr Konkurrenten teilen. Und ein Markt, auf dem alle Produkte irgendwo kostenlos erhältlich sind, lässt die Kunden glauben, sie hätten ein Recht auf Gratisangebote.
An genau diesem Punkt steht momentan die Zeitungsbranche. Ihr laufen die Abonnenten in Scharen davon, weil aktuelle Nachrichten jederzeit kostenlos im Netz erhältlich sind. Nun überlegen Medienkonzerne wie Rupert Murdochs News Corp. und Axel Springer, das Rad in Richtung "Paid Content" zurückzudrehen. Dann soll ein Teil der Artikel nur noch als Bezahlinhalt im Internet zu haben sein.
Die Leser nach vielen Jahren Gratiskultur nun wieder ans Geldausgeben zu gewöhnen, wird allerdings viel Geduld und unternehmerisches Geschick erfordern.
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