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Heft 9/2009: Der neue Kunde | 26.08.2009

Karriere in China

Konfuzius sagt ...

2. Teil: Mythos 2

Mythos 2: Denke dreimal nach, bevor du handelst

Eng mit dem ersten Mythos verknüpft ist die Vorstellung, dass Chinesen stets langfristig denken. Die Praktiker, die wir interviewten, waren sich darüber einig, dass die Geschwindigkeit, in der Chinesen Dinge in die Tat umsetzen, bemerkenswert ist. "Wir Westler verwenden Zeit darauf, die Zukunft zu prognostizieren, und liegen dabei häufig daneben. In China versucht man es gar nicht erst", beobachtete Frédéric Maury, ein französischer Manager, der im Bereich technische Dienstleistungen tätig ist. Diese Erkenntnis steht im Widerspruch zur Theorie, die die Wissenschaft auf dem Feld des interkulturellen Managements vertritt. Michael Drake, ein britischer Manager, der in der Logistikbranche arbeitet, sagt: "Mein Terminkalender ist voll von Verabredungen für den kommenden Monat. Viele einheimische Geschäftsleute planen dagegen alles ad hoc." Dabei haben sie erstaunliche Fähigkeiten entwickelt, erfuhren wir in den Interviews. Selbst in aufwendigen Arbeitsworkshops scheinen sie selten einen vorbestimmten Plan zu verfolgen. Vortragende, Themen, selbst die Veranstaltungsorte können sich am Abend vorher noch ändern. Als Expatriate tut man gut daran, sich dieser Flexibilität anzupassen.

LITERATUR

HBM
Herausgegeben von Christoph Seeger: "Internationalisierung - Chance China";
Edition Harvard Business Manager, manager magazin Verlag, September 2004, 66 Seiten, 13,90 Euro.
Edition bestellen

Marco Gentili, ein italienischer Manager aus dem Maschinenbausektor, lebte mehr als zehn Jahre in Shanghai. Er berichtet, dass Chinesen oft ohne Termin hereinplatzen. Anfangs habe er sich geärgert, dass keiner seinen Zeitplan respektierte. Mittlerweile macht er es genauso. Hat er 30 Minuten übrig, ruft er schnell jemanden an oder besucht ihn, wenn er in der Nähe arbeitet.

Oft ist nur eine kleine Verhaltensänderung nötig, um sich auf das Kurzfristdenken einzustellen. Etwa bei den Gepflogenheiten in der E-Mail-Korrespondenz. In den USA beträgt die Spanne, um auf Kundenanfragen per E-Mail zu antworten, 24 Stunden. In Europa gelten auch zwei bis drei Tage als schnell. In China scheint das Zeitfenster wesentlich kleiner zu sein. Pieter de Waart, niederländischer Manager bei einem Industriegüterhersteller, erklärt: "Wenn Sie eine E-Mail versenden, können Sie am gleichen Tag eine Antwort erwarten, wenn nicht sogar am gleichen Morgen. Umgekehrt sind die Chinesen natürlich enttäuscht, wenn Sie mehrere Tage brauchen, um zu antworten." Der gestresste Expatriate muss nicht sofort - wie er es von zu Hause gewohnt ist - eine komplette Antwort senden. Es reicht aus zu sagen, dass weitere Informationen am nächsten Tag folgen werden.

DIE AUTOREN

Erin Meyer
lehrt interkulturelles Management am Insead in Fontainebleau.

Elisabeth Shen
ist Beraterin, spezialisiert auf westliche Unternehmen, die in China tätig sind.

Auch wenn europäische Manager in China Personalverantwortung tragen, sollten sie das Kurzfristdenken einkalkulieren. Vergeben Sie eine neue Aufgabe, werden Ihre Mitarbeiter nicht anmerken, dass sie etwas anderes nicht erledigen können, wenn sie die neue Tätigkeit übernehmen. Sondern sie werden die alte Aufgabe einfach abbrechen und sich der neuen zuwenden.

Diesem Arbeitsstil können Sie sich anpassen. Wollen Sie etwas am Freitag erledigt haben, verkünden Sie es erst am Donnerstag. Mit diesem Just-in Time-Managementstil werden Sie im chinesischen Arbeitsumfeld erfolgreich sein. Natürlich ist Kurzzeitdenken und fehlende Planung eine hochriskante Strategie. Das scheint die Chinesen aber nicht zu stören.

Blättern: Teil 2 / 3


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