Von Cornelia Geißler
Entrepreneure werden heute händeringend gesucht. Sie gelten als Träger von Verantwortung und Verfechter langfristigen Denkens. Wie wohltuend scheinen sie sich von den raffgierigen angestellten Managern abzugrenzen, die jüngst in Verruf gerieten.
"Entrepreneure glauben, dass ihr Unternehmen am Ende als Gewinner aus der Krise hervorgeht", sagte kürzlich Wolfgang Glauner von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young. Echte Heilsbringer also.
Wörtlich ist ein Entrepreneur jemand, der etwas "unter-nimmt" (französisch: "entre" und "prendre"). Der Begriff wird dem Iren Richard Cantillon zugeschrieben, der damit jemanden bezeichnete, der ein Geschäft auf eigene Rechnung betreibt und damit Gewinn-und-Verlust-Risiko trägt. Die Briten verwendeten die Bezeichnung im 19. Jahrhundert interessanterweise vornehmlich für ihre Musik- und Glücksspielindustrie.
Nicht jeder Unternehmer muss Entrepreneur sein. Diese zeichnen sich durch eine besondere Geisteshaltung aus, legen Ulrich Blum und Frank Leibbrand, Volkswirte von der Universität Dresden, in ihrem Buch "Entrepreneurship und Unternehmertum" (Gabler 2001) dar. Sie können mit der Unsicherheit, die sie umgibt, besonders gut umgehen.
Das Gründen eines eigenen Unternehmens kann ein wichtiger Hinweis auf einen echten Entrepreneur sein, ist aber nicht Grundbedingung. Wichtiger sind die Macht und der Wille, für ein Unternehmen weitreichende Entscheidungen zu treffen. Entrepreneurship gilt deswegen inzwischen als Denk- und Handlungsprinzip, das auch angestellte Manager sich zu eigen machen können. Diese Disziplin wird sogar an namhaften Business Schools gelehrt.
Zweifel sind allerdings angebracht, ob Entrepreneure wirklich die Gutmenschen sind, die unsere krisengebeutelte Wirtschaft herbeisehnt. Aus welchem Holz sie geschnitzt sind, formulierte einst der österreichische Nationalökonom Joseph Alois Schumpeter in seiner "Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung" (Duncker & Humblot, 1911): Drei Dinge treiben seinen "dynamischen Unternehmer" (in einer späteren Ausgabe nannte er ihn auch Entrepreneur) an.
Erstens: Die Motive des Entrepreneurs sind "egoistisch gefärbt - auch in der Bedeutung von gesteigertem Egoismus, Rücksichtslosigkeit". Er legt keinen Wert auf Tradition und Beziehungen und ist der Hebel, der Bindungen durchbricht.
Zweitens: "Der Traum und der Wille, ein eigenes privates Reich zu gründen", treibt Entrepreneure an. Damit einher gehen Risikofreude, der Spaß am Kämpfen und Konkurrieren. Der Entrepreneur betrachtet "wirtschaftliches Handeln als Sport". Dahinter verbirgt sich das Streben nach Macht und das Bedürfnis, die eigenen snobistischen Tendenzen zu bedienen.
Drittens: Entrepreneure besitzen einen enormen Kraftüberschuss. Diesen verwandeln sie in "Freude am Gestalten", wo andere sich mühsam durch ihren Arbeitsalltag schleppen. Schumpeters Fazit: Entrepreneure sind dafür verantwortlich, dass sich die Wirtschaftsstruktur unaufhörlich von innen heraus revolutioniert, alte Strukturen zerstört und neue schafft, "schöpferische Zerstörung" eben.
Merger-Hazardeure wie bei Schaeffler oder DaimlerChrysler oder Immobilienspekulanten, etwa die der Hypo Real Estate, sind von dieser Beschreibung nicht wirklich ausgenommen.