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Heft 8/2009: Die Krise meistern | 09.10.2009

Unternehmensführung

Gesucht - der grüne Manager

Von Daniel Goleman

2. Teil: Fortschritte für die Umwelt

Die Website GoodGuide.com, die vor einigen Monaten gestartet ist, beweist, dass ein solches System machbar ist. Die Initiatoren dieser Seite bewerten die ökologischen Auswirkungen eines Produkts auf einer Skala von null bis zehn und fassen dabei die Informationen aus mehr als 200 Datenbanken zusammen. Konsumenten können so auf einen Blick die Folgen eines Produkts für Umwelt, Gesundheit und Gesellschaft mit den Auswirkungen konkurrierender Angebote vergleichen. Dara O'Rourke, ein Experte für industrielle Ökologie an der University of California, der GoodGuide entwickelt hat, hofft, mit diesem Informationsangebot "ein mächtiges Instrument geschaffen zu haben, das Märkte so verändert, dass es die Hersteller schrittweise dazu bringt, auf ganzer Bandbreite besser zu werden".

Grünes Gesicht: Unternehmer basteln am grünen Image
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Grünes Gesicht: Unternehmer basteln am grünen Image

© Corbis
Einen solchen dauerhaften ökologischen Fortschritt zu erleichtern ist die Idee hinter Earthster, einem System zum Management der Lieferkette, das öffentlich zugängliche Ökobilanzen nutzt. Es hilft Managern herauszufinden, mit welchen Maßnahmen sie die größten Fortschritte für die Umwelt erzielen können; es unterstützt sie dann, die richtigen Zulieferer zu finden.

In einem Zeitalter radikaler Transparenz könnte ein System zum Management der Lieferkette wie Earthster wiederum das Online-Angebot GoodGuide mit den nötigen Informationen für die Verbraucher versorgen. Dieser Datenfluss könnte einen Prozess fortwährender Innovationen auslösen, da Umweltbelastungen zu einem Wett-bewerbsfaktor werden, wie ihn heute der Preis darstellt. Wie Gregory Norris, ein Fachmann für industrielle Ökologie und Entwickler von Earthster, sagt: "Wenn sich jemand in Ihrer Lieferkette besonders smart verhält, macht es Ihr Produkt grüner - und davon profitieren auch Ihre Kunden. Dieser allmähliche Prozess lässt Tausende Ihrer Zulieferer zu immer wichtigeren Verbündeten werden, je mehr Fortschritte diese machen."

DER AUTOR

Daniel Goleman ist Psychologe und Autor der Bestseller "Emotionale Intelligenz" und "Soziale Intelligenz". In Kürze erscheint sein neues Buch "Ökologische Intelligenz".

Eine derartige ökologische Zukunft hängt nicht von Politikern ab, sondern von Managern, die radikale Transparenz zu einer entscheidenden Strategie ihres Unternehmens machen. Wer dies als Erster tut, wird es Wettbewerbern sofort schwerer machen gleichzuziehen. Nicht zuletzt, weil es die Konsumenten auf ihre neue Macht aufmerksam macht, bei Ihren Kaufentscheidungen die ökologischen Folgen eines Produkts bewerten zu können ebenso wie dessen Preis und Qualität. Unnötig zu betonen, dass solche Unternehmen auf diese Weise ihre Reputation enorm verbessern können.

Aber um dies zu erreichen, müssen Führungskräfte in ihren Unternehmen für einen Sinneswandel sorgen, etwa was das Verlagern besonders umweltschädlicher Produktionsprozesse an weit entfernte Zulieferer angeht oder das Meiden von Verantwortung. Vorbildliche Führung bedeutet für ein Unternehmen, anzuerkennen - statt zu missachten oder zu leugnen -, dass es auch Verantwortung dafür trägt, was bei den Lieferanten passiert, und dass es Prozesse verbessern sollte, um die schlimmsten Umweltfolgen zu verringern. Die Verantwortlichen sollten sich öffentlich zu einem allmählichen, aber konstanten Wandel bekennen.

LITERATUR


Daniel Goleman: "Ökologische Intelligenz. Wer umdenkt, lebt besser.";
Droemer Knaur, September 2009, 271 Seiten, 19,95 Euro.
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Der japanische Autohersteller Toyota ist ein globales Vorbild für die Bereitschaft, Verantwortung für die eigene Lieferkette zu übernehmen. Dessen Management informiert die Zulieferer darüber, was die Kunden in ihren Fahrzeugen wollen, und entwickelt dann gemeinsam mit den Lieferanten die Verbesserungen. Eine weitere vorbildliche Verhaltensweise zeigten die Führungskräfte des US-Sportartikelherstellers Nike, als bekannt wurde, dass Mitarbeiter ihrer Zulieferer massiv ausgebeutet wurden. Sie übernahmen daraufhin eine Führungsrolle in ihrer Branche bei dem Versuch, für faire Arbeitsbedingungen zu sorgen.

Es gibt zahllose Manager, die weltweit Initiativen zur Nachhaltigkeit gestartet haben. Das sind alles gute Ansätze, aber kein Unternehmen hat bisher die komplette Vision umgesetzt. Welcher Konsumgüterhersteller wird Standards für alle anderen Unternehmen setzen und die Ökobilanzen seiner Produkte vollständig veröffentlichen? Welcher Einzelhändler wird in seinen Filialen die Ergebnisse einer Ökobilanz direkt neben den Preisschildern zeigen und die größte Regalfläche jenen Lieferanten zur Verfügung stellen, die die Umwelt am wenigsten belasten?

Welches Unternehmen auch immer diese Führungsrolle übernehmen wird, es wird einen vorbildlichen Firmenchef haben, der einen Ehrenplatz in der Wirtschaftsgeschichte des 21. Jahrhunderts einnehmen wird.

Blättern: Teil 2 / 2

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