Von Thomas H. Lee
Was hält die US-Wirtschaft am Laufen? Innovation? Fleiß? Kapital? Versuchen Sie es mit Kaffee. Vom Verkaufsraum bis zur Vorstandsetage befeuert Java die Arbeiter und formt die Bürokultur. Damit meine ich nicht die Software, sondern das Anbaugebiet der Bohnen. Und: Wer hätte es gedacht? Eine dampfende Tasse Kaffee kann für Ihre Gesundheit ebenso gut sein wie für den Umsatz Ihres Arbeitgebers.
Viele Menschen genießen ihren Kaffee mit einem schlechten Gewissen. Dieses Gefühl basiert auf überholten Studienergebnissen der 50er und 60er Jahre. Sie besagen, dass Kaffeetrinker zu Bauchspeicheldrüsenkrebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und anderen Leiden neigen. Diese Ergebnisse vernachlässigen aber den Einfluss von Zigarettenkonsum, der damals oft mit Kaffeegenuss einherging.
Seit damals haben Mediziner ihre Beurteilung der gesundheitlichen Effekte des Kaffeekonsums grundlegend geändert. Langzeitstudien zeigen, dass Kaffee Krebs nicht fördert, sondern sogar vor einigen Typen schützt. Auch das Herz beeinflusst Kaffee nicht negativ. Die American Heart Association empfiehlt Patienten, die einen Schlaganfall überlebt haben, in der Reha bis zu zwei Tassen Kaffee pro Tag zu trinken.
Ergebnisse der Langzeitstudien "Health Professionals FollowUp" und "Nurses Health" zeigen, dass Kaffeegenuss das Risiko senkt, in jungen Jahren an einer Herzattacke oder an einem Schlaganfall zu sterben. Kaffee scheint auch einen zumindest kleinen Schutz gegen Diabetes Typ 2 (Insulinmangel, der sich meist erst im Alter bemerkbar macht), Gallensteine und Morbus Parkinson (Schüttellähmung ausgelöst durch Dopaminmangel) zu bieten.
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Möglicherweise steigert Kaffee sogar die Produktivität. Ein Koffeinschub weckt Millionen von Arbeitenden jeden Morgen auf. (Das deutet auf seine Eigenschaft als Suchtstoff hin.) Laborexperimente zeigen: Koffein erzeugt ein Gefühl von Wohlbefinden und erhöht Energie, Aufmerksamkeit und Motivation. Mit der Magnetresonanztomografie (einem bildgebenden Verfahren, das Schnittbilder des Körpers produziert), lässt sich feststellen, dass Kaffee die Regionen des menschlichen Gehirns aktiviert, die für das Kurzzeitgedächtnis verantwortlich sind. So hilft er, die Aufmerksamkeit auf unmittelbar bevorstehende Aufgaben zu richten.
ist Professor an der Harvard Medical School und CEO der Nonprofit-Organisation Partners Community Healthcare. Er verantwortet als Chefredakteur einen Newsletter zum Thema Herzerkrankungen.
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