Option Games?

Was sind ...:

Von Cornelia Geißler
Heft 6/2009

Diese Aufgabe ist besonders schwierig, wenn die betroffenen Märkte volatil sind. Das zu lösende Problem ergibt sich also an der Schnittstelle von strategischem Management und Finanzierung.

Historie: Ökonomen verknüpften bereits in den 90ern des vergangenen Jahrhunderts Investitionsrechnung (Discounted-Cashflow-Methode) mit einer Denkstruktur aus der Spieltheorie (Einbeziehen des Verhaltens der Wettbewerber) und der Bewertung von Marktrisiken.

Die Ingredienzen der Option-Games-Methode sind hochberühmt: Das Modell der Spieltheorie (John Nash, 1994) und die Optionspreistheorie (Myron Scholes, 1997) bekamen Nobelpreise. Es ist jedoch nicht ganz einfach, den Erfinder der Option-Games-Idee eindeutig zu benennen. Das Übersetzen des theoretischen Gerüsts in ein Managementwerkzeug kann wohl Lenos Trigeorgis (University of Cyprus) und Han Smit (Erasmus Universität Rotterdam) zugeschrieben werden. Das Autorengespann wagte in seinem Buch "Strategic Investment" (Princeton University Press 2004) den ersten Schritt in Richtung Praxis. Trigeorgis führte seine Ideen gemeinsam mit den McKinsey-Experten Nelson Ferreira und Jayanti Kar in einem Beitrag in der "Harvard Business Review" weiter ("Option Games - the Key to Competing in Capital-Intensive Industries", März 2009, Download: http://hbr.harvardbusiness.org/2009/03/option-games/ar/1). In diesem Beitrag wird anhand zweier fiktiver Unternehmen ein Ablaufschema mit den zugehörigen Rechenoperationen vorgestellt. Es besteht aus drei Schritten:

Erster Schritt: Zunächst gilt es, verschiedene Szenarien zu überdenken. Dazu muss der verantwortliche Manager das eigene Projekt prüfen. Wie viel Geld kann er für ein bestimmtes Projekt investieren? Wie hoch sind die Kapitalkosten dafür? Wie lang ist der Anlagehorizont? Das Gleiche überlegt man sich für den oder die Wettbewerber. Im Falle von zwei Wettbewerbern ergibt sich zum Beispiel eine Entscheidungsmatrix mit vier Feldern (Unternehmen 1 investiert, Unternehmen 2 investiert; Unternehmen 1 wartet, Unternehmen 2 investiert und so weiter).

Zweiter Schritt: Für jedes der Szenarien und für jedes der beiden Unternehmen gilt es nun, einen Entscheidungsbaum zu erstellen (http://de.wikipedia.org/wiki/Entscheidungsbaum). Dazu muss man Annahmen über die Marktentwicklung treffen: Zum Beispiel, dass die Nachfrage in jedem Jahr um einen bestimmten Prozentsatz schwankt und wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass die Ausschläge nach oben oder nach unten eintreten. Aus diesen Annahmen und den in Schritt eins genannten Daten lässt sich der zu erwartende Gewinn am Ende des Investments berechnen.

Dritter Schritt: Nach dem Abzinsen auf das Basisjahr ergeben sich acht Werte (vier Szenarien für jedes der beiden Unternehmen). Die vier Felder der anfangs aufgestellten Matrix füllen sich nun mit möglichen Gewinnen oder Verlusten der beiden Marktteilnehmer. Jeder Wettbewerber kann ablesen, bei welchem Szenario er den höchstmöglichen Gewinn macht.

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