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Heft 6/2009: Talentmanagement | 02.06.2009

Kolumne

In Intelligenz investieren

Von Holger Rust

Die Finanzkrise fesselt derzeit unsere ganze Aufmerksamkeit. Von riskanten Investitionen lässt man lieber die Finger, dabei gibt es Werte, in die es sich lohnen würde zu investieren. Allerdings haben wir die einfach aus dem Blick verloren.

Mein Gott, ist das langweilig geworden seit dem Ausbruch der Finanzkrise! Niemand wagt mehr was, niemand geht ein Risiko ein, keiner investiert in gewinnbringende Aussichten für die Zukunft - in Futures, wie es so schön hieß, als wir noch nach Herzenslust auf den Finanzmärkten Renditen jagten wie Kinder bunte Schmetterlinge. Wir sollten das wieder ändern, wieder das Abenteuer suchen, Wagnisse eingehen, den Kitzel des Risikos spüren, in der Hoffnung auf zweistellige Wertzuwächse. Guter Mann, höre ich manch kluge Leserin und charmanten Leser augenrollend rufen: Bist du nicht ganz bei Verstand?

Aber klar doch, bin ich.

Holger Rust ist HBM-Kolumnist und Professor für Sozialwissenschaften mit den Schwerpunkten Arbeit, Wirtschaft und Karriere an der Universität Hannover
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Holger Rust ist HBM-Kolumnist und Professor für Sozialwissenschaften mit den Schwerpunkten Arbeit, Wirtschaft und Karriere an der Universität Hannover

© Felix Scheinberger
Ich weiß, das klingt überheblich. Aber ich greife nur einen Gedanken auf, der in Zeiten der Hochkonjunktur ständig beschworen, aber nicht realisiert wurde, weil unsere ganze Aufmerksamkeit von komplexen Finanzprodukten gefesselt war. Irgendwie geriet im Rausch dieser Investitionen nämlich aus dem Blickfeld, dass die wahren Investitionsobjekte für Unternehmen viel näher lagen: in den intellektuellen Potenzialen der Belegschaft. Zwar wurden die Menschen - in ungezählten Sonntagsreden - als der größte Wert einer Volkswirtschaft bejubelt, die kaum über Rohstoffe verfügt.

Doch investiert wurde in Finanzprodukte - das Ergebnis kennen wir.

Nun hört man diese Lobesreden wieder häufiger. Allerdings dient die Beschwörung vielfach nur als zynischer Trost für sogenannte Freigesetzte: In jeder Krise liege doch auch eine neue Chance! Vor allem die, sich sozusagen frei von Zwängen - wie das Modewort es aufhübscht - "neu zu erfinden"! Nehmen wir also einfach an, das Märchen würde Wirklichkeit und das Unerwartete geschähe: Einer, dem man begütigend diesen Trost mit auf den Weg gäbe, erfände nicht nur sich, sondern die wesentlichen Ingredienzen der Kernkompetenz wichtiger Unternehmensbereiche neu - und machte seinem alten Arbeitgeber unangenehme Konkurrenz. Dann würde erneut ein Gejammer losbrechen: Hätte man ihn nur gepflegt, diesen Zwangsinnovator, hätte man nur sein intellektuelles Kapital genutzt und ins geistige Depot des Unternehmens gelegt!

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Es steht tatsächlich zu befürchten, dass derartige Klagen in einigen Jahren zu hören sein werden, denn 2009 ist keineswegs das Jahr der wagemutigen Investitionen in Geist und Innovationskultur. Ganz im Gegenteil: Es ist, wie sich zeigt, das Jahr der hart kalkulierenden Controller, mithin: der Einsparungen. Und so könnte es schwer werden, Investitionen in die bislang noch unbewertbaren Futures lockerzumachen: für die Spekulation mit Ideen, die Investition in geschlossene Intelligenzmarkt-Fonds! Für Wetten darauf, dass zumindest einer der unauffälligen Lehrlinge das Zeug zum innovativen Manager in sich trägt, der dem Unternehmen Millionen bringen könnte. Für die Aufstockung der Optionen des Mittelmanagements zur Personalentwicklung oder die Diversifizierung des Personalportfolios durch ein paar fachliche Exoten (zum Beispiel Sozial- oder Kulturwissenschaftler, die sind jetzt preiswert).

Das Schönste an der Sache aber wäre: Wenn diese Intelligenzblase platzen würde, gäbe es nur Gewinne - und die wären auch noch steuerfrei!


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